Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) - links im Bild - und US-Außenminister Antony Blinken (Foto: SWR)

Gespräche über Zukunft von Afghanistan

Nach Treffen in Ramstein: USA und Deutschland fordern Taliban zu Zugeständnissen auf

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Bei ihrem Treffen auf der Airbase in Ramstein haben der deutsche Außenminister Maas (SPD) und sein amerikanischer Amtskollege Blinken Forderungen an die Taliban gestellt – für eine Zusammenarbeit in Afghanistan.

Heiko Maas (SPD) und Antony Blinken fordern unter anderem die Öffnung des Flughafens in Kabul für internationale Charterflüge. Die beiden Politiker haben von Ramstein aus eine Videokonferenz geleitet - mit Amtskollegen und Organisationen aus mehr als 20 Ländern. Maas sagte nach dem virtuellen Treffen, die Herausforderungen in Afghanistan erforderten eine internationale Abstimmung.

Viele Forderungen an Taliban

In Gesprächen seien die Taliban bereits aufgefordert worden, wieder internationale Charterflüge vom Flughafen Kabul aus starten zu lassen. Weitere Forderungen der Außenminister waren die Ausreisemöglichkeit von sogenannten Ortskräften, das Zulassen von humanitärer Hilfe, die Einhaltung von Grund- und Frauenrechten und die Einbeziehung aller gesellschaftlichen Gruppen in die Regierung.

Aktuell bestehe die Führung in Afghanistan nur aus Taliban. Dies sei nicht akzeptabel, sagte US-Außenminister Blinken. Er und Maas forderten die Übergangsregierung auf, Zeichen an die internationale Gemeinschaft zu senden.

Zuvor hatten sich Blinken und Maas bereits bilateral dazu ausgetauscht, wie künftig in der Afghanistan-Frage zu verfahren sei. Außerdem hatten beide betont, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA in den vergangenen 20 Jahren funktioniert habe.

US-Außenminister Antony Blinken war gegen 13 Uhr in Ramstein eingetroffen und hatte sich angeschaut, wie die Menschen aus Afghanistan auf der Air Base untergebracht sind. Außerdem hat er afghanische Schutzsuchende und das Personal der US Air Force getroffen.

Blinken will sich bei Bundesregierung bedanken

Blinken betonte, Deutschland sei in Afghanistan über 20 Jahre ein Partner von unschätzbarem Wert gewesen. Auch bei der aktuellen Rettungsaktion habe die Kooperation bestens funktioniert.

Noch immer sind tausende Menschen auf der Air Base in Ramstein

Rund 11.000 Menschen, die aus Kabul ausgeflogen worden sind, sind derzeit auf der Air Base untergebracht. Dort warten sie auf ihren Weiterflug in die USA. Zunächst werden die evakuierten Männer, Frauen und Kinder medizinisch untersucht. Dazu gehört auch ein Test auf Covid-19. Anschließend werden sie registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt.

Luftwaffenstützpunkt Ramstein ist derzeit riesige Zeltstadt

Auf der Air Base Ramstein ist ein großes Zeltlager für die Evakuierten eingerichtet worden. (Foto: SWR, SWR)
Auf der Air Base Ramstein ist ein großes Zeltlager für die Evakuierten eingerichtet worden. SWR

Frauen und Kinder übernachten auf tausenden Feldbetten, dicht an dicht in den großen Hangars der Air Base. Die Männer sind in Zelten untergebracht. Sie bekommen drei Mahlzeiten am Tag - zubereitet nach muslimischen Vorschriften. Also zum Beispiel kein Schweinefleisch. Täglich kommen weitere Schutzsuchende dazu. Allerdings sind es derzeit aber nur noch einige hundert am Tag. Denn die Amerikaner hatten die Evakuierungsflüge aus Kabul wie geplant am 31. August eingestellt.

Afghanen sind auch an anderem US-Standort in Kaiserslautern untergebracht

Bis heute sind mehr als 23.000 Afghanen aus Ramstein nach Washington weitergeflogen worden. Im Schnitt vergehen vier Tage, bis die Schutzsuchenden ausgeflogen werden. Weil in Ramstein zwischenzeitlich die Kapazitätsgrenze erreicht war, sind mehrere tausend Menschen auf der US-Militäranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern untergebracht worden.

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