“Russland-Ukraine-Konflikt: Ein Soldat aus der Ukraine sitzt hinter Sandsäcken. Er trägt eine Sturmhaube und hat ein Gewehr in der Hand. Im Hintergrund weht die Ukraine-Flagge. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Ukrinform )

Ukrainer in Kaiserslautern

Ukraine-Krise: Ein ukrainischer Professor in Kaiserslautern befürchtet Krieg mit Russland

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Janina Schreiber
Bild von Janina Schreiber, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: Annkatrin Gentges)

Die Lage zwischen der Ukraine und Russland spitzt sich zu, die Angst vor einem Krieg wächst - auch bei einem ukrainischen Professor an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die beiden Separatistengebiete Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine als unabhängige "Volksrepubliken" anerkannt. Damit wird die Stationierung russischer Soldaten dort möglich. Der Ukrainer Sergiy Antonyuk beobachtet von Kaiserslautern aus die sich zuspitzende Situation mit Sorge. Seine Familie lebt in der Ukraine. Einige Verwandte nur wenige Kilometer entfernt von der ukrainisch-russischen Grenze.

Professor Antonyuk lebt seit 2014 in Kaiserslautern 

Antonyuk kam 2002 nach Deutschland, war erst für seine Promotion in Magdeburg, lebte und forschte dann an der Technischen Universität in Hamburg. Seit acht Jahren wohnt der gebürtige Ukrainer nun mit seiner deutschen Frau und seinen drei Kindern in Kaiserslautern, arbeitet an der Technischen Universität Kaiserslautern (TU).

Sergiy Antonyuk kommt aus der Ukraine und ist Professor an der TU Kaiserslautern  (Foto: Sergiy Antonyuk)
Sergiy Antonyuk ist Professor am Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik der TU Kaiserslautern. Sergiy Antonyuk

Gibt es Krieg? Hoffnung auf diplomatische Lösung mit Putin schwindet

In der Ukraine verstehe niemand so richtig, warum sich die Lage gerade jetzt wieder so aufgeheizt habe. Bis vor kurzem hatte der 44-jährige Antonyuk trotz der verschärften Situation noch Hoffnung, dass die diplomatischen Gespräche zwischen den Regierungschefs zu Entspannung führen.

Solange gesprochen wird, wird nicht geschossen.

Putins Schachzug in der Ukraine

Doch die neuesten Entwicklungen an der Grenzen seiner Heimat sorgen bei Antonyuk für Ernüchterung: "Putins Aktion hat deutlich gezeigt, dass die Diplomatie gescheitert ist. Das war ein Schachzug, um jetzt die Berechtigung zu haben, noch weiter heranzurücken." Aus der Rede Putins sei klar herauszuhören gewesen, dass es nicht bei dem Anerkennen von Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten bleiben werde, sondern dass Putin die Ukraine seit der Auflösung der Sowjetunion als verlorenes Land sehe und es zurück haben möchte.

Diplomatie im Russland-Ukraine-Konflikt gescheitert?

"Ich hoffe einfach, dass es nicht eskaliert. Im Moment sehe ich keinen Weg mehr für die Diplomatie. Was Europa jetzt tun kann, sind Sanktionen. Waffenlieferungen wären nicht der richtige Weg. Ich hoffe darauf, dass die Weltgemeinschaft etwas tut."

Auslandssemester als Perspektive für Studierende aus der Ukraine  

Ende Januar war Antonyuk zuletzt in der Ukraine, in Kiew. Der Professor setzt sich dafür ein, dass ukrainische Studierende ihr Auslandssemester in Kaiserslautern absolvieren können, und pflegt die Beziehungen zur Nationalen Technischen Universität Donezk. Wegen des bewaffneten Konflikts im Donezker Gebiet ist die Universität seit 2014 in die Stadt Pokrowsk umgezogen.

Familie stammt aus Donezk in der Ostukraine 

In der ost-ukrainischen Stadt Donezk ist Antonyuk aufgewachsen. Seine Eltern und seine Schwester lebten in Donezk - bis 2014 die bewaffneten Auseinandersetzungen anfingen. Seine Familie ist aus Donezk geflohen, als dort geschossen wurde. "Als meine Familie dann schon weg war, haben die Nachbarn, die dort geblieben sind, erzählt, wie die Wohnung meiner Eltern aussah: Der ganze Balkon war mit Einschusslöchern übersät. Ich bin froh, dass sie weg sind", sagt Antonyuk.

Nur wenige junge Menschen würden sich noch dafür entscheiden, in den Konfliktgebieten zu studieren. "Gerade die gehen weg, in den Westen der Ukraine", sagt Antonyuk. Die Ukraine habe neben dem Konflikt auch wirtschaftliche Probleme. Studiumsabsolventinnen und -absolventen hätten weniger gute Perspektiven als in anderen Ländern. Durch den Austausch mit der TU Kaiserslautern will Antonyuk Perspektive bieten.

Flucht aus Kiew vor Ukraine-Krise nach Deutschland?

Der Konflikt ist für den ukrainischen Professor seit 2014 allgegenwärtig. Seine Eltern und die Schwester leben mittlerweile im nordwestlich gelegenen Kiew. "Natürlich haben wir schon einmal darüber nachgedacht, meine Familie nach Deutschland zu holen", sagt Antonyuk. Allerdings sei die Sprachbarriere ein Problem. Seine Schwester arbeitet als Juristin im Ministerium. Für sie sei es schwer hier eine Arbeit zu finden. Und noch sei die Lage in Kiew weniger beängstigend als in Donezk oder noch näher an der russischen Grenze.

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Russland-Ukraine-Konflikt erschwert Studentenaustausch 

Ohne die Unterstützung von anderen Ländern wie Deutschland und Frankreich wäre die Situation vor Ort schon eskaliert, vermutet der Professor. Für den Austausch zwischen Kaiserslautern und der Ukraine wäre eine Entspannung der Lage hilfreich. Antonyuk plant, Mitte des Jahres ukrainische Studierende nach Kaiserslautern zu holen.

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