Arbeiter steht vor einem Bauteil der Nord Stream 2 (Foto: dpa Bildfunk, AP | Dmitry Lovetsky)

Russland und die Ukraine

Versorger sehen vorerst kein Problem mit Erdgas in Rheinland-Pfalz

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Ein großer Teil der deutschen Erdgasimporte stammen aus Russland. Zu wirklichen Lieferproblemen in Rheinland-Pfalz sollte die derzeitige Situation laut mehrerer Versorger aber nicht führen.

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ist eskaliert, der russische Präsident Wladimir Putin hat die Separatistengebiete im Osten der Ukraine anerkannt und will so genannte "Friedenstruppen" entsenden. Die Ukraine wiederum hat am Mittwoch angekündigt, den Ausnahmezustand zu verhängen.

Höhere Gaspreise durch Sanktionen gegen Russland

Die EU hat umgehend Sanktionen gegen Russland angekündigt, die Bundesregierung legte zunächst die bereits fertig gestellte Erdgaspipeline Nord Stream 2 vorerst auf Eis. Eigentlich sollte durch sie der direkte Erdgashandel zwischen Europa und Russland vereinfacht werden. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) rechnet mit Blick auf diese Entwicklung mit steigenden Gaspreisen in Deutschland. Denn Deutschland sei beim Gasverbrauch zu 55 Prozent von russischen Quellen abhängig. Weitere Hauptlieferanten von Erdgas sind Norwegen (27 Prozent) und die Niederlande (21 Prozent).

EU-Sanktionen gegen Russland Unternehmen befürchten weiter steigende Energiepreise

Wirtschaftsverbände im Südwesten blicken besorgt auf die aktuelle Entwicklung in der Ukraine-Krise. Die Sanktionen der EU könnten auch Unternehmen hierzulande treffen.  mehr...

Versorger in RLP rechnen vorerst nicht mit Problemen bei der Gasversorgung

Eine direkte Auswirkung auf die Gasversorgung aus Russland ist allerdings auch bei der aktuellen Verschärfung des Konflikts unwahrscheinlich. Davon geht man beim Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (LDEW) in Rheinland-Pfalz und Hessen aus. Das zeige die Erfahrung.

"Wir als Verband gehen davon aus, dass die Gasversorger, wie beispielsweise Gazprom, bemüht sein werden, die Verträge einzuhalten. Das haben sie auch in vergangenen Krisen getan. Aber ganz sicher weiß natürlich niemand, was sich in den nächsten Wochen noch entwickeln wird."

Auch die Energieversorgung Mittelrhein (evm) sieht die Gasversorgung in der Region für diesen Winter als gesichert. Die Erdgasspeicher in Deutschland seien noch zu einem Drittel gefüllt. Nach Angaben eines evm-Unternehmenssprechers bezieht Deutschland nicht nur Gas aus Russland, sondern auch aus Norwegen, den Niederlanden und Flüssiggas aus den USA. Die europäischen Länder seien bei der Gasversorgung flächendeckend miteinander verbunden, die evm könnte dabei an verschiedenen Übernahmepunkten auf das Gas zugreifen.

Falls Russland die Gasversorgung komplett einstellen sollte, dann könnten die Gaslieferungen beispielsweise aus Norwegen erhöht werden. Nach Angaben der evm sollen die Gaspreise in der aktuellen Heizperiode stabil bleiben. Allerdings sei derzeit noch nicht abzuschätzen, wie sich die Preise im kommenden Winter entwickeln würden.

Das sieht auch der bundesweite Verband Zukunft Gas so. "Wir beobachten die gegenwärtige Lage mit großer Sorge", sagt Vorstand Timm Kehler. Von Seiten der Mitglieder höre man aktuell aber keine Meldungen, dass Russland seine Verpflichtungen gegenüber den Vertragspartnern nicht erfüllt.

"Russland beziehungsweise die frühere Sowjetunion war in den vergangenen 50 Jahren und auch zu Zeiten des Kalten Krieges immer ein zuverlässiger Energielieferant."

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Erdgaslager in Rheinland-Pfalz bald leer

Falls es aber entgegen der Erwartungen zu Versorgungsengpässen kommen sollte, kann in der Region auch nicht groß auf Reserven zurückgegriffen werden. Das einzige Lager für Erdgasreserven in Rheinland-Pfalz in Frankenthal leert sich täglich. Friedrich Beck, der Geschäftsführer der Stadtwerke Kusel, sieht deshalb Handlungsbedarf. Einen Versorgungsengpass werde es auch seiner Meinung nach nicht geben. Aber trotz möglicher steigender Preise sollten solche Erdgaslager wieder aufgefüllt werden.

"Das Gute ist, wir gewinnen Zeit um die Speicher zu füllen, weil es jetzt wieder wärmer und weniger Gas verbraucht wird. Die Chance müssen wir jetzt nutzen."

Dass sich das Lager leert, ist keine besondere Entwicklung. Die privaten Unternehmen, die solche Einlagerungen anbieten, kaufen in der Regel Erdgas im Sommer zu günstigen Konditionen, um es im Winter teurer wieder zu verkaufen.

Landesregierung kann keinen Einfluss auf Reserven nehmen

Die Politik nimmt auf diese Entwicklung keinen Einfluss. Das hat das rheinland-pfälzische Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität dem SWR bestätigt. Im Gegensatz zur Mineralölreserve gebe es in Deutschland keine strategische Erdgasreserve oder Speicherverpflichtungen für Betreiber. Auch eigene Landesreserven gebe es nicht.

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