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Am 20. März 1945 marschierten morgens US-Soldaten in Kaiserslautern ein - die Nazis waren besiegt. Doch die Stadt hielt nicht lange inne, das Leben ging größtenteils einfach weiter.

Kriegsende Kaiserslautern - Fackelbrunnen (Foto: Stadtarchiv Kaiserslautern)
Der Fackelbrunnen in der zerstörten Stadtmitte von Kaiserlsautern. Stadtarchiv Kaiserslautern

März 1945: Kaiserslautern hatte gerade erst vor den Alliierten kapituliert, da hingen in den Straßen bereits wieder die Plakate mit den kommenden Müllabfuhrterminen. Ein Stück Normalität in einer Zeit, in der große Unsicherheit herrschte, erzählt der Historiker Jürgen Keddigkeit.

"Es ging einfach weiter! Es war den Leuten im Prinzip überhaupt nicht klar, wie. Eine recht verblüffende Angelegenheit: Das Leben ging einfach weiter."

Die Westpfalz hatte den Krieg satt

Jürgen Keddigkeit, ein Jahr nach Kriegsende in Kaiserslautern geboren, wundert sich noch heute über die damalige Situation. Der Historiker sagt: Viele sehnten damals das Kriegsende herbei.

"‘Gott sei Dank, es ist vorbei!‘, das war so die einhellige Meinung bei Frauen und Männern. Man merkte das auch am Verhalten der Soldaten, dass eine ausgesprochene Kriegsmüdigkeit vorherrschte, dass viele Soldaten einfach an der Straße sitzen blieben und an Widerstand gar nicht mehr dachten."

Einmarsch der US-Armee vor 75 Jahren Fotos zum Kriegsende in Kaiserslautern

Amerikanische Soldaten vor der Fruchthalle  (Foto: Stadtarchiv Kaiserslautern)
US-Soldaten nach dem Kriegsende vor der Fruchthalle und dem Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen
Ein Luftbild zeigt das Ausmaß der Zerstörung von Kaiserslautern. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen
Bahnhöfe waren ein Ziel der Bombenangriffe, die über Kaiserslautern niedergingen. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen
Kaiserslautern, nach Kriegsende eine Trümmerlandschaft. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen
Straßenzug mit den Trümmern der Kirche Maria Schutz. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen
Spazierengehen - ein Stück Normalität im Kaiserslautern der Nachkriegszeit. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen
Die Apostelkirche nach dem Kriegsende 1945. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen
Weitere Ansicht von der zerstörten Apostelkirche. Stadtarchiv Kaiserslautern Bild in Detailansicht öffnen

Gewalt in den Straßen von Kaiserslautern

Dennoch machte sich in den Tagen nach Kriegsende und dem Ende der Diktatur ein gewisser Anarchismus breit: Die siegreichen Amerikaner kosteten den Triumph aus, manche auch auf Kosten der Kaiserslauterer. Der Historiker Keddigkeit berichtet von Diebstählen und Vergewaltigungen. "Es ist nicht etwa so, dass sich hier alle Amerikaner sonderlich toll benommen hätten."

Es waren aber nicht nur Soldaten, sondern auch die vielen Fremdarbeiter, die in den Kaiserslauterer Kasernen sehr schlecht behandelt wurden. "Und überraschenderweise auch haufenweise Kaiserslauterer Bürger, die genau das Gleiche machten."

Amerikaner bleiben nach Kriegsende in der Westpfalz

Das Tagebuch einer 18-Jährigen, die zu dieser Zeit in einem Lebensmittelgeschäft arbeitete, erlaubt Keddigkeit Einblicke, dass trotz Kriegsende und Plünderungen das Leben einfach weiter ging: "Die Amerikaner rückten am 20. März um 9 Uhr morgens in die Stadt ein und mittags um 15 Uhr öffnete das Lebensmittelgeschäft. Auch am nächsten Tag war das Geschäft geöffnet und ein zweiter Laden öffnete ebenfalls."

Und so blieb die "Stunde Null" in Kaiserslautern aus.

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