Tewelde Yehdego vor der LauBE des SOS Kindedorfs

SOS-Kinderdorf Kaiserslautern feiert 50. Geburtstag

"Jeder Betreuer war wie ein Elternteil"

Stand
AUTOR/IN
Michelle Habermehl
Bild von Michelle Habermehl, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern

Das SOS-Kinderdorf in Kaiserslautern hat in 50 Jahren fast 450 Kinder und Jugendliche begleitet. Tewelde Yehdego ist einer davon und kehrt auch mit 47 Jahren gerne dorthin zurück.

Carsten Misamer begrüßt seinen ehemaligen Schützling Tewelde Yedego in der „LauBE“ des SOS-Kinderdorfs. Es ist eine herzliche Begrüßung. Sie setzen sich in den Garten des hübschen Häuschens am Benzinoring. Tewelde Yehdego schaut hoch zu einem Balkon: „Hier habe ich gewohnt.“ In dem hübschen Haus am Benzinoring in Kaiserslautern hat Tewelde Yehdego einen Teil seiner Jugend verbracht.

Tewelde Yehdego mit seinem ehemaligen Betreuer Carsten Misamer
In dem Haus am Benzinoring in Kaiserslautern hat Tewelde Yehdego gewohnt.

Noch immer guter Draht zum SOS-Kinderdorf

Carsten Misamer, der noch heute Diplom-Sozialarbeiter im SOS-Kinderdorf ist, war einer von Tewelde Yehdegos Betreuern. Bis heute spielt „Misamer“, wie er ihn immer nennt, ein wichtige Rolle in seinem Leben:

„Der Misamer ist noch immer für mich wie Ersatzeltern. Ich habe ja keine richtigen Eltern. Und so war jeder Betreuer wie ein Elternteil für mich. Nur dass ich halt mit Misamer mehr Kontakt hatte als mit den anderen Betreuern. Und der Fußball verbindet uns auch nochmal mehr.“

Tewelde Yehdego und Carsten Misamer aus dem SOS Kinderdorf Kaiserslautern
Carsten Misamer ist bis heute eine wichtige Bezugsperson für Tewelde Yehdego. Zu seiner Hochzeit vor sechs Jahren hat er ihn auch eingeladen und bezeichnete ihn in seiner Traurede als Teil seiner Familie.

Fußball verbindet die beiden

Carsten Misamer begeistert Tewelde Yehdego, der 12 Jahre alt ist, als er ins SOS-Kinderdorf kommt, für den Fußball und wird sein Trainer beim TuS 04 Hohenecken.

Schon damals hat Carsten Misamer auf dem Fußballplatz eine ganz wichtige Eigenschaft bei dem jungen Tewelde festgestellt:

„Ich komm ja aus dem Fußball und sag immer, so wie jemand Fußball spielt, so ist auch der Charakter in sonstigen Lebenslagen. Er war einfach ein Kämpfer, ein Beißer. Auch in Lebenslagen, die nicht ganz so einfach zu bewältigen waren, hat er immer diesen Kampfgeist und diesen Biss gehabt.“

Flucht aus Eritrea mit sechs Jahren

Durchbeißen - das ist es, was Tewelde Yehdego recht früh lernen musste. Als er 1976 auf die Welt kommt, herrscht in seinem Heimatland Eritrea Bürgerkrieg. Seine Mutter gibt ihn, als er zwei Monate alt ist, zu seiner Oma, weil sie im Bürgerkrieg mitkämpft. Yehdegos Vater stirbt bereits vor dessen Geburt. Mit rund sechs Jahren dann flüchtet er mit seiner Oma in den Sudan. Sie ist diejenige, die den Kontakt zu Verwandten aus Kaiserslautern herstellt. Mit 12 kommt er mit deren Hilfe nach Deutschland. Das SOS-Kinderdorf in Kaiserslautern wird seine neue Heimat.

„Was wäre, wenn ich jetzt noch in Eritrea wäre, das kann ich schlecht sagen. Aber ich weiß eins: Ich bin da, wo ich immer sein wollte. Ich weiß, wie das ist, wenn man ohne Mutter und ohne Vater aufwachsen muss. Seitdem ich hier bin, habe ich viel erreicht, indem ich zum Beispiel eine eigene Familie gegründet habe. Vor allem, dass es mir richtig gut geht, dass ich mir keine Gedanken machen muss um Krieg oder sowas.“

Betreuer des SOS-Kinderdorfs freuen sich, Wegbegleiter zu bleiben

Mit 17 hat Tewelde Yehdego seine eigene Wohnung, die Mittlere Reife in der Tasche und macht eine Ausbildung zum Radiotechniker. Jetzt ist er 47 Jahre alt und ist Wareneingangsleiter einer großen Supermarktkette.

Carsten Misamer ist froh, weiterhin einer seiner Wegbegleiter zu sein:

"Wie bei allen Menschen, die wir hier betreut haben, ist man froh, an dem Leben Teil haben zu dürfen und zu sehen, was für Wege jemand geht. In einem selbst ist das einfach ein schöner Moment, wenn man die Leute wieder sieht."

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