STAND

Heute beraten die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Merkel über die Corona-Maßnahmen - auch für Schulen. Wir zeigen, wie ein Gymnasium in Kaiserslautern mit der Pandemie umgeht.

"Außerhalb der Schule wird gesagt: Haltet Abstand und guckt, dass ihr niemanden trefft. Dann gehen wir in die Schule und es ist die größte Massenveranstaltung, die man sich im Moment vorstellen kann. Wir sitzen mit 30 Leuten in so engen Räumen, dass wir immer zu zweit am Tisch sitzen, Schulter an Schulter", beklagt Kathrin Rahm. Sie geht in die 13. Jahrgangsstufe des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Kaiserslautern und hat wie viele andere Angst davor, sich oder andere mit dem Coronavirus zu infizieren.

Die Schüler Kathrin Rahm und Moritz Behnke tragen Maske und stehen vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Kaiserslautern (Foto: SWR)
Kathrin Rahm und Moritz Behncke vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Kaiserslautern.

"Wir haben eine Schreinerei daheim. Wenn ich das Virus mit nachhause bringe, ist die Schreinerei zu. Also da sind wirklich Existenzängste dabei oder Angst um die Familie. Mir persönlich würde eine Ansteckung vermutlich nicht viel ausmachen, aber wenn ich es mit nachhause bringe. Das lenkt schon vom Lernen ab!"

Masken und Lüften reichen Schülern nicht

Auch ihr Mitschüler Moritz Behnke macht sich Sorgen. Er erkennt zwar die Bemühungen seiner Schule an, findet aber trotzdem, dass nicht genug getan wird: "Prinzipiell ist ja das einzige Konzept das Maskentragen und das Lüften. Aber ob das wirklich ausreichend ist, ist zu bezweifeln. Wir sitzen trotzdem eng an eng. Wenn dann einer was isst oder zwei gleichzeitig was essen, ist ein Infektionsrisiko trotzdem da."

Wenn sich ein Schüler oder eine Schülerin mit dem Coronavirus infiziert, geht das ASG, in Absprache mit dem Gesundheitsamt, so vor, dass außer dem corona-positiven Schüler nur die unmittelbaren Sitznachbarn auch in Quarantäne müssen. Für Moritz Behncke ist das nicht genug: "Es wird überall immer gesagt, dass sich Aerosole im ganzen Raum verteilen und gefährlich sind. Da wäre es dann wichtig, dass wenn einer diese Aerosole verstreut, dann auch die ganze Klasse in Quarantäne müsste."

Schüler fordern Hybridunterricht in Offenem Brief

Auch deshalb fordert Schüler Moritz Behnke, gemeinsam mit anderen Schülern der Kreis- und Landesschülervertretung, in einem Offenen Brief, dass wieder auf eine Mischung aus Vor-Ort- und Onlineunterricht umgestellt wird. Zwar sind die Schulen in Stadt und Kreis Kaiserslautern nach eigenen Angaben auf alle Szenarien vorbereitet und könnten bei Bedarf jederzeit wieder auf Hybridunterricht oder reinen Onlineunterricht umstellen. Doch noch werden die etwas mehr als 800 Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums ausschließlich an ihrer Schule unterrichtet. Das letzte Wort hat das Bildungsministerium und das will daran, nach Angaben von Ministerin Stefanie Hubig (SPD), an allen Schulen so lange wie möglich festhalten, weil es Präsenzunterricht für die beste Form hält.

Corona-Pandemie: anstrengende Zeit auch für Lehrer

In Zeiten der Corona-Pandemie ist der Alltag an einer Schule allerdings eine große Herausforderung, sagt die Schulleiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Eva Wenzel-Staudt: "Es ist eine extrem anstrengende und belastende Zeit, nicht nur was das Arbeitspensum angeht, sondern auch eine psychische Belastung, weil man die Verantwortung für die Kinder und Kollegen, die einem anvertraut sind, in besonderem Maß spürt."

Schulleiterin Eva Wenzel-Staudt steht vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Kaiserslautern (Foto: SWR)
Eva Wenzel-Staudt ist seit 2011 Direktorin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums.

Der Unterricht hat sich durch Corona deutlich verändert

Als Schulleiterin muss man nach Angaben von Wenzel-Staudt in dieser Zeit "flexibel sein wie ein Gummi und so schnell reagieren wie ein Panther", um auf aktuelle Ereignisse reagieren zu können. Doch auch wenn sich alle Lehrer sehr bemühten und teilweise Tag und Nacht arbeiteten, leidet der Unterricht: "Der normale Unterricht lebt vom Miteinander und davon, dass ich durch die Reihen gehe. Er lebt davon, dass ich Gruppenarbeit mache und im intensiven Zwiegespräch mit den Schülern bin. Das ist jetzt alles nur sehr reduziert möglich."

Abitur durch Corona gefährdet?

Aktuell gibt es fünf Corona-Fälle am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Kaiserslautern. Schulleiterin Eva Wenzel-Staudt hofft, dass keine weiteren dazukommen. Kathrin Rahm und Moritz Behncke machen im kommenden Jahr ihr Abitur. Beide hoffen, dass Corona ihrem Abi keinen Strich durch die Rechnung macht und dass eine gute Lösung dafür gefunden wird, wenn beispielsweise ein Schüler wegen einer Quarantäne einen Prüfungstermin verpasst.

Offener Brief aus Kaiserslautern ans Land Schüler klagen wegen Corona: "Wir haben Angst"

Schüler aus Stadt und Kreis Kaiserslautern fordern abwechselnd Online- und Präsenzunterricht - wegen der hohen Corona-Zahlen fühlen sie sich an den Schulen nicht mehr sicher.  mehr...

Am Mittag SWR4 Radio Kaiserslautern

Mehr Online-Unterricht in Stadt und Kreis Kaiserslautern? Schulen wegen Corona "auf alle Szenarien vorbereitet"

Der offene Brief der Schülervertretung von Stadt und Kreis Kaiserslautern schlägt hohe Wellen - darin fordern die Jugendlichen unter anderem mehr Online-Unterricht. Das geht, sagen Schulen.  mehr...

Am Mittag SWR4 Radio Kaiserslautern

STAND
AUTOR/IN