Eine OP-Maske liegt auf dem Schultisch. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Matthias Balk)

Mehrbelastung durch Corona

Schulleiter in Kaiserslautern und der Südwestpfalz fühlen sich alleingelassen

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Deutschlandweit klagen Schulleiterinnen und Schulleiter über die zunehmende Belastung durch die Corona-Pandemie. Drei Schulleiterinnen aus der Westpfalz sagten dem SWR, die Politik verkenne die schwierige Situation an Schulen heute.

Eine Grundschulleiterin aus Kaiserslautern beschreibt beispielsweise, dass sich ihre täglich anfallenden Aufgaben durch die Pandemie gewandelt hätten. Statt den Schülerinnen und Schülern dabei zu helfen, sich bestmöglich zu entwickeln, habe sie das Gefühl, Computerfachfrau geworden zu sein. Sie sieht einen Trend im Kollegium, dass sich viele bereits über alternative Berufsmöglichkeiten informieren.

Viele Schulleiter wollen Beruf langfristig an den Nagel hängen

Eine Realschulleiterin aus Kaiserslautern klagt über den Lehrermangel und Probleme bei der Digitalisierung. Eine bundesweite Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung unter Schulleitern hatte ergeben, dass jede fünfte Schulleitung ihren Beruf keine zehn Jahre mehr ausüben möchte.

"Wir dokumentieren uns tot."

Eine Frau, Mitglied einer Schulleitung, aus dem Kreis Südwestpfalz sei zu Beginn ihres Jobs motiviert gewesen, die Digitalisierung voranzutreiben, den Schülerinnen und Schülern gute Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Heute sagt sie "Wir dokumentieren uns tot." Die erste Schulstunde gehe für die Corona-Tests drauf, an Unterricht sei da fast nicht zu denken.

"Ich bin am Weinen"

Im weiteren Tagesablauf übermittle sie die Daten der Tests an das Ministerium und telefoniere den überlasteten Gesundheitsämtern hinterher. Das frustiere sie: "Ich fahre regelmäßig mittags heim und bin am Weinen, mein Privatleben findet eigentlich nicht mehr statt!"

Ministerium nehme Vorschläge aus der Lehrerschaft nicht ernst

Vor den Sommerferien hatte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Schulleiter und Schulleiterinnen in Rheinland-Pfalz zu einer Video-Konferenz eingeladen. "Wir haben alle unserem Ärger Luft gemacht, und laut und mehrfach um Entlastung gebeten", sagt die Schulleiterin aus Pirmasens. Doch diese Anfragen seien ignoriert worden. Ebenso die Bitte der Lehrer und Lehrerinnen den Wechselunterricht beizubehalten. Das Ergebnis davon, sagt die Schulleiterin, seien die vorgezogenen Weihnachtsferien im vergangenen Jahr gewesen: "Gelernt hat das Ministerium aus dem Debakel nichts."

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