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Bei der Tötung des iranischen Generals Soleimani hat sehr wahrscheinlich der US-amerikanische Militärstützpunkt in Ramstein in der Westpfalz eine Rolle gespielt. Der Sicherheitsexperte Marcel Dickow kommt damit zu einer anderen Einschätzung als das Auswärtige Amt.

SWR Aktuell: Wie wahrscheinlich ist es, dass Soleimani tatsächlich von Ramstein aus getötet wurde?

Marcel Dickow: Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Ramstein zumindest einen technischen Anteil an dieser Operation hatte. Denn wir wissen, dass Ramstein als Relais-Station fungiert. Dort werden nämlich die Satellitendaten, mit denen die Drohnen gesteuert werden, umgeleitet auf eine Glasfaserverbindung, die dann in die USA führt. Diese technische Infrastruktur, die die USA schon seit vielen Jahren aufgebaut haben und dort betreiben, ist essentiell für den Drohnenkrieg und deswegen ist es sehr wahrscheinlich, dass Ramstein hier wenigstens eine technische Rolle gespielt hat.

SWR Aktuell: Bringt sich Deutschland durch diese Involvierung in der aktuellen Lage noch zusätzlich in Gefahr?

Dickow: Das ist schwer zu beurteilen. Das hängt ein bisschen damit zusammen, in wieweit sozusagen Iran in diesem Fall als Konfliktpartei glaubt, dass Deutschland hier eine aktive Rolle spielt und das lässt sich schwer abschätzen. Tatsächlich ist ja die Frage da und damit haben sich auch deutsche Gerichte beschäftigt, in wieweit die Bundesregierung Kenntnis davon hat, dass Ramstein technische, aber vielleicht auch andere Unterstützung bei solchen Angriffen liefert und hier hat ein deutsches Gericht die Bundesregierung aufgefordert, stärker zu prüfen, welche Rolle die Airbase in Ramstein tatsächlich hier spielen kann. Das ist aber auch verständlich, dass die Bundesregierung sehr zurückhaltend ist, hier weitere Erkenntnisse zu teilen. Denn es geht ja nicht nur um die Rolle der USA im Drohnenkrieg, sondern auch um die außenpolitische Rolle Deutschlands und damit – wie man jetzt sieht – tatsächlich auch um die Frage wie andere Länder auf eine Involvierung Deutschlands reagieren könnten.

Das Interview führte Astrid Meisoll.

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