Eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes verteilt Tüten an Menschen aus Afghanistan auf der Air Base in Ramstien.  (Foto: Pressestelle, Air Base Ramstein/Edgar Grimaldo/86th Airlift Wing/Public Affairs)

Einschätzung eines Psychologen

Wie fühlen sich Evakuierte aus Afghanistan in Ramstein?

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Auf der Air Base in Ramstein sind sie in Sicherheit. Wie aber geht es den Menschen aus Afghanistan? Fragen an Hartmut Jatzko, Seelsorger und Psychologe aus Krickenbach im Kreis Kaiserslautern. 

Hartmut Jatzko sitzt an einem Tisch vor einer Bücherwand und redet über die Rettungsaktion auf der Air Base Ramstien.  (Foto: SWR)
Betreut seit Jahrzehnten traumatisierte Menschen: Hartmut Jatzko.

Wie muss es den Menschen gehen, die in letzter Sekunde aus ihrem Land in Sicherheit gebracht worden sind? 

Ich habe als 6-Jähriger das Kriegsende miterlebt und damit all die Dinge, die die Menschen aus Afghanistan jetzt wohl erleben müssen. Angst, Verzweiflung und auch die Unsicherheit, wie wird das Leben überhaupt weitergehen? Viele haben ein oder mehrere Familienmitglieder verloren. Damit werden sie noch lange an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, wenn nicht sogar lebenslänglich. Wichtig ist jetzt, dass die Menschen in Ramstein sicher sind. Darauf muss dann aber der nächste Schritt folgen, nämlich die Unterbringung und Integration in einem neuen Land mit anderer Kultur, anderer Religion, anderer Sprache.  

Kann der religiöse Unterschied zum Problem werden? 

Tatsächlich sind die Menschen in einer Ideologie aufgezogen worden, die Christen als Ungläubige betrachtet. Die Menschen, die jetzt flüchten wollten und konnten, waren aber sicherlich auf der Seite der Opposition und haben versucht, den afghanischen Staat aufzubauen und sich den Taliban zu stellen.  

In der Westpfalz und auch weit darüber hinaus ist die Hilfsbereitschaft dieser Tage groß. Im Zeltlager auf der Air Base sind inzwischen containerweise Sach- und Kleiderspenden eingegangen. Was löst das wohl in den Menschen aus? 

Wir haben das nach dem Krieg als besonders hilfreich empfunden, als zum Beispiel die Care Pakete ankamen. Da waren wir wirklich sehr dankbar. Und so geht es hoffentlich auch den Evakuierten aus Afghanistan. Übrigens, diese Hilfsbereitschaft wird es immer unter den Menschen geben. Wenn jemand bereit ist, Menschen in Not zu helfen und sozusagen sein letztes Hemd zu geben, lässt mich das doch noch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.  

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