Treffen Verteidigungsminister in Ramstein zu Ukraine-Krieg (Foto: SWR)

Fünftes Treffen der Kontaktgruppe

Millionenschwere Militärhilfen für Ukraine in Ramstein beschlossen

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Michelle Habermehl
Bild von Michelle Habermehl, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)
Jürgen Rademacher
Bild von Jürgen Rademacher, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Auf der US-Airbase in Ramstein haben Verteidigungsminister und hochrangige Militärs aus 50 Ländern über weitere militärische Hilfen für die Ukraine gesprochen. Auch Deutschland sagt weitere Unterstützung zu.

In seiner Abschlussrede sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin, die Ukraine kämpfe um ihr Leben. Die USA werden weiter an der Seite der Ukraine stehen. Auch viele andere Nationen hätten sich zusammengetan, um die Unabhängigkeit der Ukraine zu sichern. Jetzt benötige die Ukraine dringend mehr Flugabwehr und Munition. Russland führe einen brutalen Krieg und habe die Kampfhandlungen auch auf das Gelände eines Atomkraftwerks verlegt. Das sei absolut rücksichtslos und könne schwerwiegende Konsequenzen haben.

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675 Millionen Dollar Militärhilfe zugesagt

Austin sagte der Ukraine in Ramstein weitere Militärhilfe der USA im Wert von rund 675 Millionen Dollar zu. Unter anderem Munition für verschiedene Raketensysteme, sowohl für Fahrzeuge als auch für Panzerfäuste, zusätzliche Haubitzen samt Munition, 1.000 Panzerabwehrminen, Granatwerfer, Nachtsichtgeräte und 50 gepanzerte medizinische Fahrzeuge.

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Zusätzlich werde das US-Außenministerium den Kongress darüber informieren, dass es beabsichtigt, auf lange Sicht zwei Milliarden Dollar in die Finanzierung ausländischer Streitkräfte zu stecken. Eine Milliarde davon soll in die Sicherheit der Ukraine fließen, eine weitere Milliarde in Nachbarländer der Ukraine. Bisher haben die USA nach eigenen Angaben seit der russischen Invasion 14,5 Milliarden Dollar in die Sicherheit der Ukraine investiert. Seit 2014 – also seit der Annexion der Halbinsel Krim - seien es insgesamt 17,2 Milliarden Dollar.

Treffen Verteidigungsminister Ramstein zu Ukraine-Krieg (Foto: SWR)
Das Treffen wird von vielen Medienvertretern beobachtet.

Ukraine soll aufgerüstet werden

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin betonte, Partnerländer können neues militärisches Equipment von Herstellern oder anderen Ländern kaufen, um es an die Ukraine zu senden. Er sei stolz zu sagen, dass in den kommenden Wochen die USA zusammen mit der Nato besprechen werde, wie die Militärindustrie die Ukraine künftig ausstatten und aufrüsten kann, damit sich die Ukraine verteidigen kann. Aber auch das Training der ukrainischen Soldaten sei wichtig, gerade weil Russland immer mehr schlecht ausgebildete Soldaten in den Krieg schicke.

Deutschland hilft bei Ausbildung der Soldaten

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte am Rande der Konferenz, Deutschland werde zusammen mit den Niederlanden der Ukraine bei der Räumung von Minen helfen. Dazu gehöre nicht nur technische Ausrüstung. Soldaten der Ukraine sollen in Stetten am kalten Markt in Baden-Württemberg in der Minensuche und -räumung trainiert werden.

Hilfe auch bei der Winterausrüstung der Ukraine

Zudem sagte Lambrecht der Ukraine Unterstützung für den Winter zu - zum Beispiel Geräte zur Stromerzeugung, Zelte oder andere Ausrüstung. Außerdem würden bald weitere, schon vorher zugesagte Panzer vom Typ "Gepard" und "Biber" ausgeliefert. Der "Gepard" ist ein Flugabwehrpanzer, der "Biber" ein Brückenlegepanzer.

Austin in Ramstein: "Krieg in der Ukraine hat Wendepunkt erreicht"

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erinnerte in seiner Eröffnungs-Ansprache an das erste Treffen der Minister in Ramstein Ende April. Damals sei es darum gegangen, der Ukraine kurzfristig mit Waffen zu helfen, um den Angriff der russischen Truppen zurück zu schlagen.

Krieg habe Wendepunkt erreicht

Jetzt habe der Krieg eine neue Phase erreicht, Austin sprach sogar von einem Wendepunkt. Der russische Angriff auf Kiew sei abgewehrt, die ukrainischen Truppen hätten im Süden des Landes eine Offensive gestartet. "Wir sehen den nachweisbaren Erfolg unserer Bemühungen auf dem Schlachtfeld", sagte Austin.

Nun gehe es darum auszuloten, welche Unterstützung die Ukraine langfristig brauche. Er sagte der Ukraine weitere Militärhilfe der USA im Wert von rund 675 Millionen Euro zu. Außerdem solle über eine internationale Ausbildungsmission für ukrainische Soldaten gesprochen werden.

Treffen Verteidigungsminister Ramstein (Foto: SWR)
Herzliche Begrüßung des amerikanischen Verteidigungsministers Lloyd Austin (3.v.l) und seiner deutschen Amtskollegin Christine Lambrecht (3.v.r).

Ausdrücklich dankte der amerikanische Verteidigungsminister seiner deutschen Amtskollegin Christine Lambrecht (SPD) für die Unterstützung Deutschlands bei der Installation einer Luftverteidigung. "Wir haben schon so viel getan", sagte Austin. "Und wir wollen noch mehr tun."

Ukraine bittet um weitere westliche Waffen

Kurz vor der Konferenz hatte der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal bei einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Berlin nach eigenen Angaben konkrete Vorschläge zur Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern an Kiew gemacht. Deutschland hat der Ukraine bereits die Panzerhaubitze 2000 sowie den Mehrfachraketenwerfer MARS-II und andere Waffen geliefert.

In Ramstein erstmals schwere Waffen für Ukraine angekündigt

Es ist bereits das fünfte Treffen der Kontaktgruppe - auch das erste fand Ende April in Ramstein statt. Verteidigungsministerin Lambrecht hatte damals erstmals die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine durch Deutschland angekündigt. Dabei handelte es sich um 30 Exemplare des Flugabwehrpanzers Gepard.

Ein weiteres Treffen der Kontaktgruppe gab es im Juni in Brüssel. Dabei sagte die deutsche Verteidigungsministerin die Lieferung von Artillerie-Raketensystemen aus Beständen der Bundeswehr an die Ukraine zu.

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