Die queeren Winzer Elmar Koeller und Robert Boudier sitzen auf zwei Stühlen an einem Tisch und stoßen mit zwei Gläsern Wein an. Im Hintergrund flattert die Regenbogenflagge. (Foto: SWR)

Aktion der RLP-Regierung

Trotz Spott - Winzer aus Nordpfalz bei "QueerWein"

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Dieser Wein-Wettbewerb sorgt für Hass und Spott. Auch die CDU-Landesvorsitzende Klöckner sieht die Aktion kritisch. Zwei Ehemänner aus dem Donnersbergkreis erzählen, warum sie bei "QueerWein" dennoch mitmachen.

Winzer Elmar Koeller und sein Ehemann Robert Boudier sind es gewohnt, dass sie Blicke auf sich ziehen und zum Beispiel Thema bei der Fastnachtssitzung sind. Sie leben in Stetten, einem kleinen Dorf im Donnersbergkreis in der Nordpfalz und besitzen das alte Klostergut und den alten katholischen Pfarrhof. Da könne man sich nicht verstecken oder anonym bleiben, sagt Koeller dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz.

Winzer Elmar Koeller und sein Robert Boudier stehen links und recht neben ihrem rosa Traktor im Weinberg und unterhalten sich. Auf dem Führersitz sitzt ihr Hund. (Foto: SWR)
Der Stolz der Winzer Elmar Koeller (l.) und Robert Boudier (r.): ihr rosa Traktor.

Die Regenbogenfahne weht auf der Hofmauer, ein rosa Traktor fährt durch die Weinberge. "Rosa Traktor" heißt auch einer der beiden Weine, den das Weingut für den queeren Wettbewerb nach Mainz geschickt hat. Es ist ein Rosé-Wein, eine Cuvée aus Pinot Noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Schwarzriesling). Der zweite Wein ist ein Sauvignon Blanc.

Hasskommentare gegen "QueerWein"

Doch die rechten Kommentare, die der "QueerWein" ausgelöst hat, haben sie überrascht und zögern lassen. "Das hätte wirklich kippen können", meint Koeller. Er gehe davon aus, "dass viele Menschen mit der Lebensführung, die wir haben, nicht einverstanden sind", so sein Mann Boudier. Das sei auch völlig okay. Ihm gehe es mit der Lebensführung vieler Menschen ähnlich. "Aber ich lasse sie leben. Und das gleiche Recht will ich mir auch zubilligen, sonst gar nichts."

Das rheinland-pfälzische Familienministerium hatte Anfang Februar lesbische, schwule, transsexuelle und nichtbinäre Winzerinnen und Winzer dazu aufgerufen, Weine für den "QueerWein" einzusenden. Die Landesregierung will so sichtbar machen, dass hinter heimischen Weinen auch vielfältige Lebensweisen im Land stecken.

Weinbau oft in Familienbetrieben

Aufmerksamkeit sei für die queere Winzerschaft wichtig, meint Koeller. "Weil der Weinbau ja kein klassisches Geschäft ist, das man ohne Familie und ohne ein Mehrgenerationenmodell betrachten kann."

Investitionen zahlten sich oft erst nach Jahrzehnten aus, Weinberge und -güter würden innerhalb der Familie weitergegeben. "Das ist natürlich ein Bruch, wenn man plötzlich queere Nachfolger, queere Winzer hat, weil da in dem klassischen Verständnis diese Nachfolge gar nicht gegeben ist", sagt Koeller.

Koeller: Befreundete queere Winzer wollen sich nicht outen

Für den Wettbewerb "QueerWein" haben Koeller und sein Mann befreundete queere Winzer und Winzerinnen angesprochen, doch es seien nur Absagen gekommen. "Weil sie sich natürlich in diesen Bildern bewegen, oft das noch gar nicht ihrer Familie mitgeteilt haben und dann Sorgen haben, dass ihre Position in dem Weingut gefährdet wäre", sagt Koeller. Sie hoffen, mit ihrer Teilnahme Sichtbarkeit zu erzeugen, die andere in der queeren Community dazu ermutigt, auch sichtbar zu werden.

"Vielleicht begreifen Eltern dann auch irgendwann, dass ihre Söhne oder Töchter keine Monster sind", sagt Robert Boudier. Es sollte Schluss damit sein, dass sich Menschen "auf unnatürliche Weise verstecken müssen". Vielleicht helfe die Aktion ein kleines bisschen dabei.

Klöckner: Blick auf Winzer an der Ahr

Mit kritischen Anmerkungen zum "QueerWein" in der "Bild"-Zeitung hatte die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner, die selbst in einer katholisch geprägten Winzerfamilie in Guldental im Kreis Bad Kreuznach aufgewachsen ist, eine breitere Öffentlichkeit auf die Aktion aufmerksam gemacht. Gegenüber Zur Sache Rheinland-Pfalz wiederholte sie ihre Kritik.

"Unsere Winzer an der Ahr treibt ganz anderes um", so die ehemalige für den Weinbau zuständige Bundesministerin. "Keller sind komplett weggespült worden von der Flut, ganze Ernten verloren gegangen. Da steht die sexuelle Identität nicht im Vordergrund." Auch habe "die Güte eines Weines damit nichts zu tun". So werde "den berechtigten Anliegen der Queerszene" mit solchen Aktionen eher ein Bärendienst erwiesen.

AfD lehnt Akzeptanz-Kampagne ab

Auch von der AfD in Rheinland-Pfalz gibt es Kritik an dem Projekt.

Ralf Schönborn (AfD) zu QueerWein Rheinland-Pfalz: Ein Hohn für die Winzer, die alles verloren haben https://t.co/xI5a1Ai8xl #AfD #ltrlp https://t.co/pzS2uBn0Wv

"Wir konkurrieren natürlich nicht mit den immens betroffenen Menschen an der Ahr", sagt Boudier. Beim "QueerWein" gehe es darum, Öffentlichkeit für ein Thema zu schaffen und nicht um einen großen Etat. Schließlich würden am Ende insgesamt 500 Flaschen von den beiden Sieger-Weinen gekauft, die maximal zehn Euro pro Flasche kosten dürften.

Landesbeauftragter: Vielfalt der Weinwelt zeigen

Auch dem LGBTIQ*-Landesbeauftragten David Profit (Grüne) geht es mit der Aktion um Aufmerksamkeit: "Vielfältige Lebensweisen gehören heute selbstverständlich auch zur Weinwelt, sind aber aktuell noch wenig sichtbar", erklärt der Staatssekretär im Familienministerium.

Er habe die Aktion ins Leben gerufen, weil er als Landesbeauftragter für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität bei entsprechenden Anlässen gerne Weine verschenken wolle, die seine Arbeit repräsentieren. Als Reaktion auf die Aktion habe er auch Anrufe von Menschen bekommen, die sich nicht trauen, offen daran teilzunehmen.

Die Kritik von Klöckner kann auch Profit nicht nachvollziehen. Die Landesregierung sei in der Lage, mehrere Themen gleichzeitig zu bearbeiten. "Um das Ahrtal kümmern wir uns alle sehr intensiv." Es gebe Unterstützung für die Winzer dort, daran ändere die Akzeptanzkampagne für queere Winzer nichts.

Profit will bei einer Verkostung zusammen mit Weinkennern aus allen eingereichten Vorschlägen zwei Weine auswählen, die am 18. Mai als "QueerWeine" vorgestellt werden. Diese will das Ministerium ankaufen und bei besonderen Anlässen ausschenken sowie bundesweit verschicken.

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