Fritz-Walter-Stadion in virtuellen Regenbogenfarben (Foto: FCK )

Interview mit Queer Devil vom FCK

Regenbogen-Verbot bei Fußball-EM "ganz, ganz schlechtes Zeichen"

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Das Verbot der UEFA, das Stadion in München am Mittwochabend in Regenbogenfarben anzustrahlen, empört den schwul-lesbischen FCK-Fanclub Queer Devils. Er spricht von "unglaublicher Doppelzüngigkeit".

Eigentlich sollte das Stadion in München am Mittwochabend beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in den Regenbogenfarben strahlen - damit wollte die Stadt ein Zeichen setzen gegen die Diskriminierung von Homosexuellen in Ungarn. Doch der Fußballverband UEFA hat die Aktion untersagt. Matthias Gehring vom FCK-Fanclub Queer Devils in Kaiserslautern ist jetzt "außerordentlich frustriert", wie er sagt.

FCK-Fan und Queer Devil Mattias Gehring  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/ dpa | Arne Dedert)
Matthias Gehring setzt sich gemeinsam mit anderen Mitgliedern des FCK-Fanclubs Queer Devils seit Jahren für die Akzeptanz von Homosexuellen ein. picture-alliance/ dpa | Arne Dedert

SWR.de: Wie ist das "Nein" der UEFA zu den Regenbogenfarben bei ihnen angekommen?

Matthias Gehring: Das ist natürlich ein ganz, ganz schlechtes Zeichen, wenn man als so großer Fußballverband über Jahre hinweg Kampagnen gegen Rassismus, für Respekt und aktuell eine Kampagne für einen Fußballsport, der für alle da sein soll, nach außen trägt - egal welcher Ethnie man entstammt, egal welcher Nationalität, egal welche sexuelle Neigung man hat. Dass man sich dann so kleingeistig verhält, um ein Symbol aus der Welt zu zaubern, das weltweit für freiheitliches Denken und für respektvollen Umgang miteinander steht, das ist einfach nur eine unglaublich Doppelzüngigkeit und letztendlich auch ein Skandal.

SWR.de: Ein solches Zeichen wäre vor allem wichtig gewesen nach dem, was beim Spiel der Ungarn gegen Frankreich passiert ist, als beispielsweise rechtsnationale Parolen fielen?

Matthias Gehring: "Das muss man sich mal vor Augen halten: Da formiert sich auf den Tribünen ein schwarzer Block, skandiert rechtsnationale Parolen, zeigt den Hitlergruß, beschimpft und beleidigt Spieler, die eine andere Hautfarbe haben. Auch das wäre im Prinzip ein Punkt gewesen, wo die UEFA mal deutliche Worte hätte finden müssen, speziell beim Thema Ungarn, bei Viktor Orbán und seiner Fidesz-Partei, die mit ihren antidemokratischen, politischen Entscheidungen in den letzten Jahren im Grunde genommen die ganze Europäische Union mitsamt ihren Werten wie ein Stück Rindvieh am Nasenring durch die Arena zieht.

Da wäre jetzt eine Gelegenheit für die UEFA gewesen, ganz klar Position zu beziehen und auch den eigenen Wertekodex in den Vordergrund zu rücken, anstatt hier einfach wieder stillschweigend einen Rückzieher zu machen.

SWR.de: Sie gehen zu jedem Heimspiel auf den Betzenberg, kennen die Stimmung dort - wie würde ein Zeichen wie die Regenbogenfarben dort ankommen ?

Matthias Gehring: Wir haben in der Vergangenheit auch mit dem FCK zusammen zu verschiedenen Anlässen rund ums Stadion schon die Regenbogenflagge gezeigt. Das unterstützt der FCK, der auch eine sehr positive, weltoffene Werte-Welt vertritt. Der Verein verteidigt diese Werte-Welt und wird sich auch in Zukunft zu solchen Themen entsprechend positiv positionieren.

Update: Der FCK hat im Vorfeld des EM-Spiels Deutschland-Ungarn ein Video auf Facebook gepostet, das mit dem Hashtgag #loveislove für Toleranz wirbt.

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