Ein Hund bellt und zeigt seine Zähne. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache/Symbolbild)

Verängstigte und aggressive Tiere

Immer mehr Problemhunde in Tierheimen im Westen der Pfalz

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Immer häufiger werden Hunde abgegeben, weil ihre Halter nicht mit ihnen klarkommen oder sie sogar gebissen haben. Doch die Tierheime in der Region können nicht alle Problemhunde aufnehmen.

Die Tierheime sollen und müssen immer häufiger sogenannte Problemhunde aufnehmen. Das sind Hunde, die ihre Halter gebissen haben, verängstigt sind oder verhaltensauffällig wurden. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins in Kindsbach, Kai Zöller, ist nach eigenen Angaben zuletzt immer häufiger zu Einsätzen entlaufender Hunde gerufen worden.

Pandemie ist Treiber der Entwicklung bei Problemhunden

Als Grund sieht er vor allem die fehlende Sensibilität der Halter gegenüber den Hunden. Auch die Pandemie sei ein Treiber dieser Entwicklung. Während des Lockdowns hätten sich viele Menschen einen Hund angeschafft. Seitdem immer mehr Beschränkungen weggefallen sind und die Menschen wieder mehr Verpflichtungen haben, würden die Besitzer an der Erziehung der nun ein- bis zwei Jahre alten, pubertären Hunde scheitern.

Anne Knauber vom Tierheim in Kaiserslautern bestätigt diesen Trend. Eigentlich könnte das Tierheim bis zu 40 Hunde aufnehmen. Doch die momentan dort lebenden 15 Hunde seien fast alle verhaltensauffällig und würden so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass das Tierheim bei weiteren Anfragen auf die Warteliste verweisen müsse.

Lösung für Problemhunde: Hundeführerschein

Anne Knauber fordert deshalb, genau wie die Tierheime in Zweibrücken und Pirmasens, einen Hundeführerschein. Der würde mögliche Hundehalter schon vor der Anschaffung eines Hundes mit Problemen konfrontieren.

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Für einen Hundeführerschein kämpft auch Andreas Lindig vom rheinlandpfälzischen Landesverband des Deutschen Tierschutzbundes „Ich bin 30 Jahre im Tierschutz und stelle mindestens seit zehn Jahren fest, dass immer mehr Hunde in Tierheimen landen, die falsch oder gar nicht erzogen sind und dann für Überforderung sorgen.“ Diese häufig falsche Konditionierung der Hunde wieder rauszubekommen, sei später sehr schwierig. Deshalb auch wäre ein Hundeführerschein so wichtig.

Gesetzt für Hundeführerschein eher unwahrscheinlich

Allerdings sei es äußert schwierig, dafür eine bundeseinheitliche Mehrheit zu generieren. Viele Abgeordnete würden ein Gesetz für einen Hundeführerschein für eine zu große Reglementierung halten, so Lindig. Die Ausbildung zum Hundefachwirt sei deshalb auch ein Resultat dessen, dass sich am Tierschutzgesetz bislang noch nichts geändert hat.

Keine Kapazitäten mehr für Problemhunde in Tierheimen

Nur so könne dem vermehrten Zulauf Abhilfe geschaffen werden, gibt Kai Zöller vom Tierheim in Kindsbach an. Derzeit hofft der Verein in Kindsbach auf eine Verlängerung des Pachtvertrags, der Ende Juni diesen Jahres auslaufen soll. Die neun Hunde müssten dann auf die umliegenden Tierheime in der Westpfalz verteilt werden. Gleichzeitig suchen Kai Zöller und seine Mitstreiter aber auch händeringend nach einem neuen Standort, der sich für ihren Tierschutzverein eignet.

Unkontrollierbarer Markt für Hundewelpen

Ein weiteres Problem ist nach Angaben der Tierschützer die einfache Beschaffung der Welpen im Internet, zum Beispiel bei Ebay Kleinanzeigen. Hier würden häufig Tiere aus dem Osten Europas meist viel zu günstig angeboten, sagt Sonya Bahri, Leiterin des Tierheims in Pirmasens: "Die Menschen holen sich dort einen süßen Welpen-Mischling und wissen erst, wenn er ausgewachsen ist, was dabei rauskommt". Häufig seien das dann Herdenhunde, denen Stadtmenschen mit vollem Alltag nur schwer die nötige Beschäftigung und ausreichend Auslauf bieten könnten.

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