Fünfter Prozesstag vor Landgericht Kaiserslautern

Polizistenmord-Prozess: Hauptangeklagter spricht über seine Jagdleidenschaft

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Am Landgericht Kaiserslautern ist der Prozess um den mutmaßlichen Polizistenmord aus dem Kreis Kusel fortgesetzt worden. Unter anderem hat der Hauptangeklagte Andreas S. ausführlich aus seinem Leben berichtet.

Der Hauptangeklagte (r) sitzt neben seinem Anwalt Leonhard Kaiser im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern (21.06.2022).  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)
Der Hauptangeklagte (r) sitzt neben seinem Anwalt Leonhard Kaiser im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. (Archivbild) picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach

Als Andreas S. im Gerichtssaal vom frühen Tod seines Vaters berichtet, stockt ihm die Stimme. Dieser hatte ihn nämlich zum Jagen gebracht. Bereits mit sechs oder sieben Jahren habe er ihn auf leere Zigarettenpackungen schießen lassen. Ein Bekannter nimmt ihn nach eigenen Angaben im Alter von zehn Jahren mit zur Jagd und lässt ihn Wildschweine erlegen. Mit 16 macht S. seinen Jagdschein.

Jagdunfall von Andreas S. ist Thema vor Landgericht Kaiserslautern

Der 39-Jährige berichtet auch, was sich nach dem Jagdunfall, bei dem S. am 3. Oktober 2005 einen Mann angeschossen hat, aus seiner Sicht abgespielt hat. Das Opfer war der Mann, mit dem er seit Kindestagen an zusammen auf der Jagd war. S. habe selbst den Krankenwagen gerufen und den Freund in die Klinik begleitet. Dieser soll gesagt haben: „Andreas, hör‘ jetzt auf zu kreischen. Das war ein Unfall und egal, was passiert, wir bleiben Freunde.“ Aufgrund des Vorfalls habe S. 2008 den Jagdschein abgeben müssen.

Außerdem ist sein beruflicher Werdegang Thema: Wie er 2016 seiner Mutter eine Bäckerei abgekauft und sie erweitert hat. Und wie er nach vier Jahren Insolvenz anmelden musste. Im Anschluss verkaufte S. den Betrieb an seinen Produktionsleiter, um sich mit einem Wildhandel selbstständig zu machen.

S. nennt sich selbst in seiner Aussage einen Alkoholiker, der schon mit 13 Jahren angefangen habe zu trinken. Von 2006 bis 2019 habe er damit aufgehört - dann habe er Suizidgedanken gehabt und einmal wieder Alkohol getrunken.

Aussagen von Kriminalbeamten zu tödlichen Schüssen von Kusel

Zuvor hatten Polizeiangehörige über die Spuren am Tatort ausgesagt. Eine Kriminaltechnikerin des Polizeipräsidiums Westpfalz zeigte zum Beispiel anhand von Fotos, welche Schäden die Schüsse an der Kleidung der beiden getöteten Polizisten hinterlassen haben.

Mehrere Beamte des Bundeskriminalamtes berichteten unter anderem über ihre Untersuchungen des Fahrzeugs von Andreas S. Der Transporter sei erstaunlich wenig verschmutzt gewesen. Man habe außer einem kleinen Glassplitter keine Krümel gefunden.

Mitangeklagter hatte Cannabis und Amphetamin im Blut

Nach der Mittagspause wurde zunächst der Arzt befragt, der die beiden Angeklagten untersucht hat, nachdem sie verhaftet wurden. Andreas S. sei dabei sehr ruhig gewesen, während der Mitangeklagte eher unruhig gewirkt habe. Bei ihm seien zudem Amphetamin und Cannabis im Blut nachgewiesen worden. Er habe jedoch keine Ausfallerscheinungen gezeigt. Beide Angeklagte hätten nicht unter Alkoholeinfluss gestanden.

Zwei Gerichtsmediziner berichteten danach unter anderem von der Obduktion der beiden getötete Polizisten. Die Todesursache bei dem Polizisten sei der Kopfschuss gewesen. Allerdings sei bei einem Treffer durch Oberarm und Brust bereits die Hauptschlagader in der Nähe des Herzens sowie die Lunge getroffen worden. Auch dieser Schuss hätte nach Ansicht der Mediziner nach wenigen Minuten dazu geführt, dass der Polizist das Bewusstsein verliert.

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