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Die Bestattungskultur ist im Umbruch. Große Grabstätten sind kaum noch zu bezahlen, der Trend geht zu Urnenbestattungen. Der Waldfriedhof Pirmasens ändert deshalb sein Konzept.

Für die letzte Ruhestätte gibt es allein auf dem Pirmasenser Waldfriedhof aktuell 14 unterschiedliche Bestattungsarten, sagt André Jankwitz, der Leiter des Garten- und Friedhofsamts in Pirmasens: „Während die klassischen Erdbestattungen weiter rückläufig sind (20 Prozent), nimmt die Zahl der Urnenbestattungen (80 Prozent) weiter zu.“

Auf dem Gelände des Waldfriedhofs Pirmasens stehen viele alte Fichten und es gibt große Lücken zwischen den Gräbern (Foto: SWR)
Auf dem Gelände stehen viele alte Fichten

Der Landesrechnungshof hat Pirmasens wegen des Defizits gerügt 

Der Wandel in der Bestattungskultur und die sinkende Bevölkerung hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass die Fläche des 1924 eröffneten Waldfriedhofs inzwischen überdimensioniert ist. Die Unterhaltung ist zu teuer geworden. Hinzu kommt ein Bestand von rund 15.000 Bäumen, die gepflegt oder teilweise gefällt werden müssen, weil sie nicht mehr sicher sind. All das verursacht hohe Kosten, die der Landesrechnungshof schon in seinem Jahresbericht 2013 bemängelt hat.

Grabstein mit großer Bronzeplatte auf dem Waldfriedhof Pirmasens (Foto: SWR)
Eine große Bronzeplatte ziert den Grabstein. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Grabstein mit Durchblick. Bild in Detailansicht öffnen
Die Sandstein-Felsen gehören zu den Naturdenkmälern auf dem Waldfriedhof. Bild in Detailansicht öffnen
Viele der großen Grabmale auf dem Pirmasenser Waldfriedhof sind fast 100 Jahre alt. Bild in Detailansicht öffnen
Der Engel an der Orgel deutet daraufhin, dass der Verstorbene die Musik liebte. Bild in Detailansicht öffnen
Die weinende Figur auf dem Grabstein ist sehr fein gearbeitet. Bild in Detailansicht öffnen
Die liegende Sandsteinfigur auf dem Grabstein wirkt lebensecht. Bild in Detailansicht öffnen
Vor dem Grabmal sitzt eine aus Stein gehauene Frauenfigur. Bild in Detailansicht öffnen

Neue Ideen für die Zukunft des Waldfriedhofs in Pirmasens

Vor diesem Hintergrund hat das Garten- und Friedhofsamt ein umfassendes Konzept erarbeitet. Ziel sei es, die weitläufige Anlage auch künftig erhalten und wirtschaftlich führen zu können, sagt Projektleiter Hans-Jürgen Heß. Das Papier wird zunächst im Ausschuss für Landwirtschaft, Grünflächen und Friedhofswesen beraten und dann an die politischen Gremien im Hauptausschuss bzw. Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt.

Kleinere Gräber auf dem modernen Teil des Waldfriedhofs (Foto: SWR)
Auf dem modernen Teil des Waldfriedhofs sind die Gräber kleiner

 Das Gelände des Waldfriedhofs wird verkleinert

In den kommenden Jahren will das Garten- und Friedhofsamt einige Gräberfelder schließen, sagt der Pirmasenser Bürgermeister Michael Maas (CDU). Dafür sollen andere Gräberfelder so umgebaut werden, dass Besucher und Fahrzeuge sie barrierefrei erreichen können. Unter anderem sollen schmale Wege verbreitert werden und neue Parkplätze entstehen.

Schmale Wege auf dem Waldfriedhof sind nicht barrierefrei (Foto: SWR)
Die schmalen Wege auf dem Waldfriedhof sind nicht barrierefrei

Alte Gräber auf dem Waldfriedhof erhalten und neu nutzen

Auf dem Pirmasenser Waldfriedhof sollen neue Formen der Bestattungskultur entstehen. Zum Beispiel wird ein Memoriam-Garten eingerichtet, der als parkähnlich angelegte Trauerstätte in der Nähe der anonymen Gräber angelegt werden soll.

Eine große Grabstätte als Sammelgrab für mehrere Urnenbestattungen auf dem Waldfriedhof Pirmasens (Foto: SWR)
Eine große Grabstätte kann zum Sammelgrab für mehrere Urnenbestattungen werden

Ganz neu ist die Idee, sehenswerte alte Grabstätten, die zum Teil unter Denkmalschutz stehen, für Urnenruhegemeinschaften zu nutzen, erläutert Hans-Jürgen Heß. „Das heißt, wir wollen die schönen Gräber als Background erhalten und wollen davor Urnengemeinschafts-Grabanlagen anbieten, die dann natürlich von einem Gärtner dauerhaft gepflegt werden. Das ist für viele ältere Leute sehr lohnenswert, denn sie haben einfach die Gewissheit und die Sicherheit, ich bin hier ordnungsgemäß beigesetzt, ich liege hier sauber in Würde. Die Würde ist für die alten Leute das Wichtigste und das dürfen wir ihnen nicht nehmen.“

Neues Kolumbarium Urnengräber in der Kirche

In der Pfarrkirche Maria Schutz in Kaiserslautern will man ein neues Kolumbarium bauen. Das Besondere, die Urnengräber werden im Seitenschiff der Pfarrkirche entstehen. Die Toten sollen so Teil der Gemeinde bleiben.  mehr...

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