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Erst Corona, dann Tönnies-Skandal, schließlich die Afrikanische Schweinepest. Das könnte für viele Schweinezüchter das Aus bedeuten. Zum Beispiel auch für Uwe Bißbort aus Pirmasens.

Uwe Bißbort aus dem Pirmasenser Stadtteil Windsberg führt seinen landwirtschaftlichen Betrieb bereits in der vierten Generation - immer gehörte auch die Schweinemast dazu. Doch mittlerweile sind die Sorgen größer als der Ertrag. "Seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest sind die Märkte zusammengebrochen", erklärt er.

Sollten sich die Märkte nicht beruhigen, denkt er darüber nach, die Schweinezucht aufzugeben. "Zuerst würden wir die Sauen nicht mehr befruchten lassen, damit es keine Ferkel mehr gibt. Dann würden wir den Bestand an Sauen sukzessive auf Null fahren."

Bißbort (Foto: SWR)
Schweinezüchter Uwe Bißbort hat Angst um seine Existenz.

Großer Verlust innerhalb eines Tages

Noch hat der Landwirt 120 Zuchtsauen, 800 Ferkel und rund 600 Mastschweine. Beim letzten Transport zum Schlachthof wurde Uwe Bißbort aber schlagartig bewusst, wie gravierend die wirtschaftlichen Verluste jetzt schon sind. Innerhalb von 24 Stunden habe er an dem Transport 1.200 Euro verloren.

Jede Woche verkauft er rund 30 Mastschweine und bis zu 180 Ferkel. Der Ferkelpreis sei an dem Tag des Transportes um 12 Euro eingebrochen. "Da habe ich schon zwei Nächte schlecht geschlafen, weil ich mir Gedanken gemacht habe, wie es weiter geht", sagt Bißbort.

Preis für Schweinefleisch um die Hälfte gesunken

Anfang des Jahres lag der Schweinepreis noch bei zwei Euro pro Kilo, jetzt ist es etwas mehr als die Hälfte. Schon durch die Coronakrise war der Preis enorm gefallen - weil die Gastronomie geschlossen hatte und deshalb weniger Schweinefleisch gebraucht wurde.

Der richtige Einbruch sei dann aber mit dem Skandal im Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen gekommen, erklärt Bißbort. Weil nicht mehr so viel geschlachtet wurde, gab es zu viele lebende Schweine - was die Fleischindustrie genutzt habe, um die Preise zu senken.

Asien fällt als Absatzmarkt weg

Erschwerend kommt hinzu, dass China und Südkorea wegen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest kein Schweinefleisch aus Deutschland mehr importieren. Zwei Absatzmärkte, die sich die hiesigen Landwirte gerade erst erschlossen hatten - und zu riesigen Wachstumsmärkten geworden waren.

Alles zusammen ist für Schweinezüchter wie Uwe Bißbort aus Pirmasens eine Katastrophe. Sollte der Preisverfall anhalten, könnte es das Aus für seinen Betrieb bedeuten. "Im Moment hoffen wir alle, dass sich innerhalb der nächsten Wochen der Markt wieder beruhigt", sagt er. "Nach wie vor habe ich die Hoffnung, dass wir die Krise überleben. Sollten die Preise aber dauerhaft auf dem Niveau bleiben, sehe ich für meinen Betrieb schwarz."

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