Der Pferdehof von Steffen Hauter (Foto: SWR, SWR)

Nach Drama um Olympia-Teilnehmerin Annika Schleu

Profi-Springreiter Steffen Hauter kritisiert Olympischen Fünfkampf

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Johannes Zinßmeister

Wie geht es bei den nächsten Olympischen Spielen mit dem Fünfkampf weiter? Nach dem Reitdrama um Olympia-Teilnehmerin Annika Schleu fordert Profi-Springreiter Steffen Hauter aus Großsteinhausen im Kreis Südwestpfalz drastische Maßnahmen.

Steffen Hauter traute seinen Augen kaum, als er den Auftritt von Athletin Annika Schleu bei den Olympischen Spielen in Tokio sah. Schleu trat bei der Fünfkampf-Disziplin Springreiten mit dem Pferd Saint Boy an, das ihr zuvor zugelost worden war. Das Pferd war sichtlich gestresst und gehorchte der Reiterin nicht, wie gewünscht. Annika Schleu schlug das Pferd deswegen mehrfach mit der Gerte und wurde von der Bundestrainerin dazu auch noch animiert. Aber auch diese rabiate Methoden halfen nichts. Am Ende platzte der Medaillentraum, der bis dahin Führenden.

Profi-Springreiter Steffen Hauter konnte kaum hinschauen

Profi-Springreiter Steffen Hauter hätte den Fernseher wohl am Liebsten direkt wieder ausgeschaltet. "Es war erschreckend und erschütternd, das sehen zu müssen. Das tut wohl jedem weh, der Pferde gern hat. Wir reden hier ja über ein Tier, das leiden musste", sagt Steffen Hauter.

Viel Kritik am olympischen Fünfkampf

Steffen Hauter ist seit vielen Jahren Profi-Springreiter. Für ihn ist es unverständlich, dass Athleten, die sonst eigentlich nur wenig mit Pferden zu tun haben, an einer solchen Disziplin teilnehmen. "Ich habe mir die deutsche und die russische Reiterin angesehen, die beide auf dem selben Pferd geritten sind. Ich würde beide Reiterinnen eher als Anfänger im Bereich des Springsports bezeichnen. Die Reiter bekommen ein Pferd zugelost, das sie nicht kennen und haben dann 20 Minuten lang Zeit, sich auf die Prüfung vorzubereiten. Das ist nicht viel Zeit. Wir Profi-Springreiter bereiten uns auf ein solches Highlight mehrere Jahre vor", sagt Hauter.

Steffen Hauter fordert Änderung beim Fünfkampf

Für Steffen Hauter steht fest: So kann es nicht weiter gehen. Damit tue man weder den Reitern noch den Pferden einen Gefallen. "Entweder man ersetzt beim olympischen Fünfkampf diese Disziplin durch Dressurreiten zum Beispiel - das ist immer noch schwierig genug - oder man nimmt diesen Pferdewettkampf komplett aus dem Fünfkampf heraus und ersetzt ihn durch eine andere Disziplin. Das wäre eben die radikale Lösung", so Hauter.

Neben dem Springreiten gibt es beim modernen Fünfkampf noch die Disziplinen Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen und Querfeldeinlauf.

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