Blumen vor der Polizei in Kusel (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Erschossene Polizisten in Kusel

Kommentar: "Wo sind wir eigentlich angekommen?"

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Zwei 24 und 29 Jahre alte Polizisten sind am Montag im Kreis Kusel bei einer Routine-Kontrolle ums Leben gekommen. SWR-Redakteur Luca Schulz kannte einen der beiden. Hier sein persönlicher Kommentar.

Seit Montagabend stellt sich mir die Frage: "Wo sind wir eigentlich angekommen?" Zwei junge Menschen mussten sterben, weil zwei andere eine Straftat vertuschen wollten. Eine Straftat, die fast schon lächerlich wirkt im Vergleich zu einem mutmaßlichen Doppelmord.

Polizistinnen und Polizisten haben einen gefährlichen Beruf. Darauf werden sie auch vorbereitet. Aber wer rechnet schon damit, bei einer routinemäßigen Kontrolle niedergeschossen zu werden? Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Hätten die beiden vielleicht anders reagieren können? Nein, das hat gestern auch der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Westpfalz, Heiner Schmolzi, klargestellt.

Blinder Hass gegen Polizisten

Und nein, es werden auch nicht jeden Tag Polizisten in Deutschland ermordet. Aber die Tat zeigt auch, welchem blinden Hass die Beamten tagtäglich ausgesetzt sind. Als ehemaliger Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Westpfalz weiß ich das.

Ich habe selbst erlebt, wie Polizistinnen und Polizisten in der Kaiserslauterer Innenstadt beleidigt wurden. Einfach nur, weil sie am Wochenende in der Altstadt für Sicherheit sorgen. Für unsere Sicherheit. Ich habe auch gesehen, wie Polizeibeamte bei Fußballeinsätzen angespuckt wurden. Einfach nur, weil sie anwesend waren und für Sicherheit gesorgt haben. Für unsere Sicherheit.

Und nur ganz nebenbei erwähnt: Die ermordeten Polizisten haben auch in ihrer allerletzten Schicht für Sicherheit sorgen wollen. Sie waren unterwegs, weil sie wegen einer Einbruchserie im Landkreis ermittelt hatten.  

"Wir fragen uns nicht, wer da gerade im Streifenwagen sitzt"

Doch wer sieht das heute eigentlich noch? Wir sehen einen Streifenwagen mit Blaulicht, der uns auf der Straße überholt. Wir fragen uns vielleicht, wohin die Polizei fährt. Aber mal ehrlich, wann haben Sie sich das letzte Mal gefragt, wer im Streifenwagen sitzt? Wer gerade unter Umständen seinen Kopf hinhalten muss? Wir regen uns eher darüber auf, dass wir kontrolliert werden, wenn wir es mal wieder richtig eilig haben.

Und werfen Sie mal einen Blick in die Social-Media-Kanäle. Dort sind Polizisten alles andere als Stars. Der Vollständigkeit halber: Das trifft natürlich nicht auf alle Menschen zu. Viele, viele Menschen würdigen den wichtigen Job der Polizei. Der Job, der uns ein sicheres Leben in einer stabilen Demokratie ermöglicht. Nicht immer ist das angenehm.

Luca Schulz (Foto: SWR)
SWR-Redakteur Luca Schulz.

In meiner Zeit bei der Polizei habe ich so viele Polizistinnen und Polizisten kennengelernt, die ihren Job verdammt gut machen. Dazu gehörte auch Alex. Ich habe für die Pressestelle gearbeitet und dort hat Alex ein Praktikum gemacht. Ein super-engagierter Typ, freundlich, aufgeschlossen und zuverlässig. Etwas älter als ich, ich habe mit ihm über Fußball und Autos gequatscht.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass er mir erzählt hat, dass er bald mit seiner Freundin zusammenziehen möchte. Das war eigentlich auch das Letzte, was ich von ihm gehört hab. Ich hab das Präsidium dann nämlich verlassen. Und am Montag habe ich erfahren, dass auch Alex das Präsidium verlassen hat. Nicht nur das Präsidium, auch seine Familie, seine Freunde, seine Fußballmannschaft. Alex wollte am Montag zusammen mit seiner 24-jährigen Kollegin einfach nur für unsere Sicherheit sorgen.

Ulmet

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