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Am 20. März 1945 war für Kaiserslautern der Zweite Weltkrieg vorbei - drei Männer beanspruchten für sich, die Stadt vor schlimmsten Zerstörungen bewahrt zu haben.

Kriegsende Kaiserslautern (Foto: Stadtarchiv Kaiserslautern)
Kaiserslautern bietet nach Kriegsende ein Bild der Verwüstung - trotz des Einsatzes der selbst ernannten Retter. Stadtarchiv Kaiserslautern

Drei Männer - drei Geschichten von der Rettung Kaiserslauterns im Zweiten Weltkrieg. Drei Geschichten, die nicht alle gleichzeitig stimmen können. Und doch sind sie eng miteinander verbunden, erklärt der Kaiserslauterer Historiker Jürgen Keddigkeit.

"Wenn sie so wollen, sind es nicht drei Geschichten, sondern es ist eine: Kaiserslautern war im März 1945 zur Festung erklärt worden. Das heißt, es wurde ein Kampfkommandant ernannt und der hatte die Aufgabe, die Stadt bis zur letzten Patrone zu verteidigen."

Jürgen Keddigkeit, Historiker

Freitod aus Angst vor US-Soldaten

Der Kampfkommandant habe allerdings eingesehen, dass seine Truppen dem Einmarsch der Amerikaner kaum etwas entgegenzusetzen hatten. Aus Verzweiflung habe er sich dann vergiftet.

Ein Schriftsteller hatte den Kommandanten namens Böhm deshalb zum Retter von Kaiserslautern stilisiert. Doch so einfach ist es nicht, sagt der Historiker Keddigkeit: "Eigentlich hat er gar nichts gemacht, wenn man das genau durchdenkt. Er ist ausgeschieden aus dem Kreis der Offiziere, die die Stadt zu verteidigen hatten und letztlich übernimmt dann ein anderer diese Aufgabe."

Kriegsende Kaiserslautern (Foto: Stadtarchiv Kaiserslautern)
Bomben zerstörten die historische Innenstadt von Kaiserslautern. Stadtarchiv Kaiserslautern

Wer bewahrte Kaiserslautern vor der totalen Zerstörung?

Im Kriegschaos ernannten sich gleich zwei Männer selbst zum Nachfolger des Kampfkommandanten. Oberst Esser und Polizeihauptmann Seibert. Aber auch sie sahen ein, dass sie auf verlorenem Posten kämpften.

"Die Situation ist so chaotisch, dass beide nicht wissen, dass die Stadt bereits besetzt wird", erzählt Keddigkeit. "Und irgendwann tauchen bei dem Oberst Esser Amerikaner auf und der kapituliert dann einfach. Es blieb ihm ja nichts anderes übrig. Die Behauptung, er habe die Stadt gerettet ist vollkommen falsch, denn sie war bereits besetzt."

Kaiserslautern mit einer weißen Fahne gerettet?

Der Polizeihauptmann Seibert will währenddessen mit einem Auto den Amerikanern entgegen gefahren sein und dabei eine weiße Flagge geschwenkt haben. Weil die Stadt aber besetzt war und die Amerikaner längst da waren, sagt der Historiker, könne das nicht stimmen.

"Beide haben nach dem Krieg behauptet, sie haben die Stadt gerettet – man muss ehrlicherweise sagen, sie haben auch nichts getan, was die Stadt gefährdet hätte, sie haben einfach gar nix gemacht."

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