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Der Frühling ist da, die Sonne scheint und es ist warm - bestes Wetter für Zecken, von denen es auch in der Westpfalz immer mehr gibt. Ihr Stich kann gefährlich werden.

Ein schöner Spaziergang, eine Fahrradtour oder eine Wanderung – oft gehts dabei durch den Wald, wo auch schon die Zecken lauern. Am liebsten im hohen Gras, im Unterholz oder auf Büschen. Erwachsene Zecken klettern etwa einen bis einen Meter 50 hoch. Kommt jetzt ein Tier oder eben ein Mensch vorbei, streifen sich die Zecken auf ihn ab. Gelangt sie dann auf die Haut, sticht sie zu.

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen

Dr. Ralph Wössner vom Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern hat sich intensiv mit Zecken und den Krankheiten, die sie übertragen können, beschäftigt.

Dr. med Ralph Woessner, Westpfalz-Klinikum (Foto: Dr. med Ralph Woessner / Westpfalz-Klinikum)
Ralph Wössner, Arzt am Westpfalz-Klinikum Dr. med Ralph Woessner / Westpfalz-Klinikum

Zecken seien nicht ungefährlich. Sie können zum Beispiel das sogenannte FSME-Virus übertragen. Eine Krankheit, die in zwei Phasen verlaufen kann, sagt Dr. Ralph Wössner.

"Zunächst kommt es etwa zehn Tage nach dem Zeckenstich zu grippeähnlichen Beschwerden mit allgemeinem Krankheitsgefühl, mit Kopfschmerzen, Fieber – ähnlich einer Sommergrippe. Dann folgt zunächst eine Besserung und ein beschwerdefreies Intervall, bevor es dann bei einem Teil der Erkrankungen zu einer zweiten, eher gefährlichen Phase kommt mit Fieber. Dann sind auch Zeichen von einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung möglich."

Zeckenimpfung kann sinnvoll sein

Bei etwa einem Drittel der Menschen, die von einer FSME-infizierten Zecke gestochen wurden, treten überhaupt Krankheitserscheinungen auf. Eine spezielle Therapie ist nicht möglich, sagt Dr. Wössner. Es könnten nur die Symptome behandelt werden. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, sich gegen FSME impfen zu lassen.

In Rheinland-Pfalz gilt lediglich der Kreis Birkenfeld als Risikogebiet. Allerdings ist FSME nicht die einzige Krankheit, die von Zecken übertragen werden kann. So komme die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, häufig vor, sagt Ralph Wössner. Etwa ein Drittel der Zecken trägt die Bakterien in sich. Zu erkennen ist die Infektion daran, dass sich um den Stich nach einigen Tagen eine stark gerötete Stelle bildet, die ringförmig nach außen wandert. Mit Hilfe eines Antibiotikums kann die Infektion gestoppt werden. Eine verschleppte Borreliose kann dagegen zu gravierenden Schäden führen, so Wössner.

"Häufig sind dann Beschwerden des Nervensystems. Auch da kanns dann zu Infektionen, des Hirns, der Hirnhäute oder auch Nervenzellen, die aus dem Rückenmark austreten, kommen. Es kann aber auch Gelenk- oder Herzbeschwerden geben."

Ralph Woessner, Arzt am Westpfalz-Klinikum

Das vergangene Jahr war laut Wössner ein Zecken-Rekordjahr. Es habe bundesweit mehr als 700 FSME-Fälle gegeben. Nie gab es seit Beginn der Erfassung 2002 mehr. Für 2021 rechnen die Experten mit ähnliche hohen Zahlen. Auch wegen der Corona-Pandemie.

"Das milde Wetter und der Lockdown haben viele Menschen ins Freie gelockt. Mehr Menschen haben sich pandemiebedingt in der Natur aufgehalten, waren wandern, es gab mehr Outdoor-Aktivitäten. Insofern gehen wir schon davon aus, dass es einen Einfluss auf die Zahl der Zecken-Kontakte hat."

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