Röntenaufnahme eines Sparschweins (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Peter Kneffel)

Personalnot und explodierende Energiekosten

Krankenhäuser im Westen der Pfalz in Not

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AUTOR/IN
Kerstin Bachtler

Die Krankenhäuser in der Westpfalz klagen über extreme Kostensteigerungen und über Personalnot. Die Energiekrise und die anhaltende Corona-Pandemie verschärfen bestehende Engpässe.

Mehrere Krankenhaus-Geschäftsführer sagten gegenüber dem SWR, dass sich die Lage immer weiter zuspitze. Die Geschäftsleitung des Westpfalz-Klinikums mit Standorten in Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel und Rockenhausen spricht von einer Kostenexplosion bei sämtlichen Verbrauchsgegenständen, die im täglichen Geschäft benötigt werden. Von Nahrungsmitteln über Medikamente bis hin zu Windeln oder Toilettenpapier sei alles in der Beschaffung teurer geworden.

Ausgaben der Krankenhäuser haben sich vervielfacht

Der Geschäftsführer des Nardini-Krankenhauses in Zweibrücken und Landstuhl sagt, seit dem vergangenen Jahr hätten sich die Ausgaben verdreifacht und lägen mittlerweile im siebenstelligen Bereich. Auch die Geschäftsleitung des Westpfalz-Klinikums und des Städtischen Krankenhauses in Pirmasens berichten, dass die höheren Kosten für Strom und Gas die Ausgaben der Krankenhäuser seit Beginn des Jahres mindestens verdreifacht hätten. Anders als in öffentlichen Einrichtungen könne man in einem Krankenhaus jedoch nicht einfach die Heiztemperatur absenken oder Räume wie zum Beispiel Flure nicht mehr beheizen, da dann die Patienten leiden würden.

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Die Krankenhäuser könnten die gestiegenen Kosten demnach weder durch Einsparungen, noch durch Leistungssteigerungen ausgleichen, mit denen man die Erlöse erhöhen könnte. Besonders angespannt sei die Lage in Städtischen Krankenhäusern, wie dem in Pirmasens. Denn Einrichtungen, die von öffentlichen Trägern finanziert seien, dürften keinen Gewinn erwirtschaften. Die Ausgleichszahlungen des Bundes würden den Bedarf mittlerweile aber nicht mehr decken.

Energieversorgung in Pirmasens bis 2024 gesichert

Für das Städtische Krankenhaus in Pirmasens sei die Finanzierung der Energieversorgung bis 2024 gesichert, da bis dahin Verträge abgeschlossen seien. Allerdings hinge die Kalkulation auch davon ab, ob die Energieversorger ihre Verträge einhalten könnten, was derzeit bundesweit nicht gesichert sei.

Hoher Krankenstand wegen Corona

Auch die Corona-Pandemie setzt den Kliniken weiter zu, sagen die Geschäftsführer. Noch immer gäbe es unter Patienten und unter dem Pflegepersonal ständig neue Corona-Erkrankungen. Dadurch müssten mehr Patienten stationär behandelt werden, aber durch die Quarantäne-Verordnungen fielen immer wieder Pflegekräfte aus. Im Städtischen Krankenhaus in Pirmasens sei die Krankheitsquote beim Personal aktuell um das Vierfache gestiegen. Das Westpfalz-Klinikum hat zahlreiche offene Stellen im Pflegebereich zu besetzen, es würden sich aber zu wenige bewerben, sagte ein Sprecher.

Pflegepersonal flüchtet in andere Jobs

Außerdem seien wegen der gestiegenen Arbeitsbelastung in den vergangenen zwei Jahren viele Mitarbeitende in andere Branchen abgewandert. Auch im Nardini-Klinikum in Zweibrücken sei die Arbeitsbelastung wegen des Personalmangels sehr groß, viele Mitarbeitende hätten kaum ein Wochenende frei, da sonst die Wochenenddienste nicht besetzt werden könnten. Bei anhaltendem Personalmangel sei zu befürchten, dass die 24-Stunden-Versorgung nicht mehr gewährleistet werden könne. Wenn zum Beispiel nachts nicht mehr geröntgt werden könne, weil Radiologie-Personal fehle, müsste als Konsequenz die Notaufnahme geschlossen werden.

Langfristig drohen Krankenhaus-Insolvenzen

Alle Geschäftsführer der Westpfälzer Krankenhäuser fordern, dass die Strukturen geändert werden müssten, um die derzeitige Notsituation zu verbessern. Neue Einsparmodelle und Veränderungen in den Verwaltungen seien dringend notwendig. Die verkrusteten Strukturen würden diese Prozesse jedoch erschweren und stark verlangsamen. Langfristig drohten deshalb in ganz Deutschland Krankenhaus-Insolvenzen. In der Westpfalz sei diese Gefahr derzeit aber nicht gegeben.

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