Kommentar zur Antisemitismus-Debatte um Hugo Ball. (Foto: SWR)

Stadt macht bei Diskussion um Antisemitismus viel richtig

"Bravo, Pirmasens!"

STAND
AUTOR/IN
Sandra Biegger

Die Stadt Pirmasens hat nach Kritik am Hugo-Ball-Preis wegen antisemitischer Äußerungen seines Namensgebers super reagiert. Am Montagabend gab es eine Diskussionsrunde dazu. "Bravo", sagt SWR-Reporterin Sandra Biegger in ihrem Kommentar.

Bravo, Pirmasens! Die vergleichsweise kleine Stadt in Rheinland-Pfalz hat gezeigt, wie man mit strittigen Themen umgehen kann und sollte. Und zwar im Dialog. In Zeiten, in denen selbst Bundespolitiker gefühlt oft nur noch via Internet oder Talkshows miteinander kommunizieren, eine Wohltat.

Nachdem die diesjährige Hugo-Ball-Preisträgerin Hito Steyerl mit Oberbürgermeister Zwick (CDU) über ihre Bedenken in Sachen Antisemitismus gesprochen hatte, haben beide gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Innerhalb kurzer Zeit organisierte die Stadt eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde zum Thema "Antisemitismus gestern und heute“.

Großes Lob für Pirmasens

Dort ging es inhaltlich durchaus zur Sache. Letztlich war der Ton aber immer sachlich und auf ein gemeinsames Ziel orientiert. Was aber fast noch wichtiger war: Die Diskussionsteilnehmer haben sich gegenseitig nicht unter Generalverdacht gestellt, sondern einander ernsthaft zugehört. Und dabei trotzdem eindeutig Position bezogen.

So wie Oberbürgermeister Zwick, der klar machte, dass die Stadt allen Diskussionen zum Trotz am Hugo-Ball-Preis festhält. Nur sollen die dunklen Kapitel im Werk des berühmten Dadaisten in Zukunft auch in der breiten Öffentlichkeit bekannter gemacht werden. Am Ende gab es dafür unter anderem ein großes Lob vom Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, Meron Mendel.

Pirmasens ist Vorbild für andere Städte

Er sagte, Pirmasens habe gezeigt, wie man offensiv und konstruktiv mit antisemitischem Gedankengut bei verstorbenen und lebenden Künstlern umgehe. Und zwar im Dialog – ein Dialog, wie er beispielsweise bei der umstrittenen Kunstausstellung Documenta 15 nicht möglich gewesen sei. Andere Städte, so Meron Mendel, könnten sie da eine Scheibe abschneiden. Bravo, Pirmasens!

Pirmasens

Trotz Debatte um Antisemitismus Stadt Pirmasens will Hugo-Ball-Preis auch zukünftig verleihen

Pirmasens will nach eigenen Angaben auch in Zukunft am Hugo-Ball-Preis festhalten. Zuvor wurde bekannt, dass die diesjährige Verleihung des Literaturpreises im März ausgesetzt wird.

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Antisemitismus in der Kunst Hito Steyerl stößt Debatte an: Podiumsdiskussion zu Hugo Ball trifft auf großes Interesse

In der Pirmasenser Festhalle haben Expert*innen und Zuhörer*innen über Antisemitismus im Werk des Dadaisten Hugo Ball diskutiert. Den Anstoß dazu gab Hito Steyerl. Die Künstlerin sollte eigentlich mit dem diesjährigen Hugo-Ball-Preis ausgezeichnet werden. Ob sie die Auszeichnung annimmt, ist noch offen.

SWR2 am Morgen SWR2

Pirmasens

Debatte über Antisemitismus Hugo-Ball-Preis in Pirmasens abgesagt

Hugo Ball: Schriftsteller und Mitbegründer des Dadaismus. Zweifelsohne der bekannteste Pirmasenser.
Seit 1990 verleiht die Stadt einen ihm gewidmeten Kulturpreis. Doch damit ist er vorerst Schluss. Eine Antisemitismusdebatte:

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

STAND
AUTOR/IN
Sandra Biegger