Kommentar zur "Barbarockstar"-Festival Absage

Klammer Haushalt der wahre Grund für die Absage des Musikfestivals?

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Erst Anfang des Monats hat die Stadt Kaiserslautern das neue Musikfestival "Barbarockstar" angekündigt – jetzt hat sie es abgesagt. Die Begründung dafür klingt abenteuerlich. Ein Kommentar von SWR-Reporterin Nadine Lindacher.

Die offizielle Begründung der Stadt Kaiserslautern zur Festival-Absage: Steigende Corona-Infektionszahlen und "nicht zu bewältigende Sicherheitsvorkehrungen angesichts möglicher Unwetterereignisse". Auf Nachfrage spricht Oberbürgermeister Weichel (SPD) auch über andere "Schadensereignisse", wie eine explodierenden Gasflasche oder einem Brand und mangelnde Sicherheit der Fluchtwege.  

Das wirft die Frage auf, ob sich die Stadt im Vorfeld keine Gedanken über ein Sicherheitskonzept gemacht hat. Oder warum auf dem Platz andere Events stattfinden konnten. Waren beispielsweise die vorhandenen Treppen als Fluchtwege früher kein Problem? Ich finde es auch seltsam, dass das "Barbarockstar"-Festival im kommenden Jahr nachgeholt werden soll. Auch dann könnte eine Gasflasche explodieren oder irgendwo ein Brand ausbrechen. Die Argumentation lässt etliche Fragen offen.  

SWR-Reporterin Nadine Lindacher (Foto: SWR)
SWR-Reporterin Nadine Lindacher

Steigende Coronazahlen als Grund für Festivalabsage in Kaiserslautern? 

Auch das Argument mit den steigenden Corona-Zahlen ist für mich kaum nachvollziehbar. Erst vor wenigen Wochen wurde das Konzept des Festivals vorgestellt. Da war bereits lange bekannt, dass sich Infektionsgeschehen schnell entwickeln können. Bis Ende August sind auch noch rund fünf Wochen Zeit, in denen sich die Zahlen verändern können. Trotzdem hat die Stadt schon jetzt das Festival vorsorglich abgesagt.  

Ein Plakat des Barbarockstar-Festivals (Foto: Stadt Kaiserslautern)
Ein Plakat des "Barbarockstar"-Festivals, welches nun von der Stadt Kaiserslautern abgesagt wurde. Stadt Kaiserslautern

Hätte die Stadt Kaiserslautern das Konzept nicht anpassen können? 

Bleibt die Frage: Wenn die Stadt ohnehin mit steigenden Infektionen rechnet, warum hat man das Festival überhaupt für diesen Zeitraum geplant? Und wenn man schon Arbeitskraft bindet, um ein solches Festival zu organisieren, warum wartet man dann nicht noch ein paar Wochen ab, um dann erst zu entscheiden, ob und wie man das Festival trotz gestiegener Zahlen ermöglichen kann? Man hätte auch das Corona-Konzept anpassen und beispielsweise weniger Besucher zulassen können, damit die Abstände eingehalten werden können. Nein, die Stadt Kaiserslautern hat sich entschlossen, lieber alles direkt abzublasen.  

Da steckt wohl mehr dahinter – der Haushaltsplan zum Beispiel 

Die Vermutung, dass hinter diesen offiziellen Begründungen mehr stecken könnte, drängt sich auf. Hat die Absage vielleicht etwas mit der Finanzsituation der Stadt zu tun? Diese Vermutung haben auch einige der Künstler, die auf dem Festival hätten auftreten sollen. Der aktuelle Haushaltsplan der Stadt ist von der ADD noch nicht offiziell genehmigt worden. Das heißt, die Stadt darf keine finanziellen Verpflichtungen eingehen. Auch eben nicht für die geplante Veranstaltung, für die die Stadt anteilig hätte 17.000 Euro aufbringen müssen.  

Ist diese Begründung für die Absage nicht plausibler als irgendwelche möglichen Schadens- oder Unwetterereignisse? Und wenn das der wahre Grund wäre, der hinter der Absage steckt, warum sagt die Stadt es dann nicht einfach? Warum greift sie offenbar lieber auf Ausreden zurück? Ich denke, die Stadt Kaiserslautern hätte sich einigen Unmut erspart, wenn sie offen heraus die Problematik angesprochen hätte. Dieses kommunikative Eigentor hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen! 

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