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Immer wieder lassen Flugzeuge beispielsweise über dem Pfälzerwald größere Mengen an Treibstoff ab. Seit Jahren gibt es einen Streit darüber, ob diese Kerosinablässe Auswirkungen auf Mensch und Natur haben. Die Pirmasenser Bundestagsabgeordnete Brigitte Freihold (Die Linke) fordert jetzt mehr Messstationen – das Land sieht dafür allerdings keinen Bedarf.

Zurzeit gibt es landesweit drei Messstationen, die die Luftqualität unter anderem nach Kerosinablässen überprüfen sollen. Diese befinden sich in Dunzweiler im Kreis Kusel, am Hortenkopf im Pfälzerwald und in Leisel im Hunsrück. Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Freihold, aus Pirmasens kritisiert, dass das zu wenige seien. Die gesundheitlichen Risiken von Kerosin seien nach heutigem Wissensstand noch nicht in allen Details bewertbar. Daher fordert sie mehr Messstationen im Land - auch damit das Netz engmaschiger wird und Ablässe besser und näher am Ort des Ablasses erfasst werden könnten.

Linken-Politikerin Brigitte Freihold in Ramstein (Foto: Imago, imago)
Linken-Politikerin Brigitte Freihold Imago imago

Messwerte laut Ministerin unauffällig

Das sieht die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) anders: Die Messwerte der drei Stationen seien "unauffällig und typisch für den ländlichen Raum". Sie nehme Kerosinablässe "sehr ernst", diese würden "hinreichend und flächendeckend überwacht". Das Umweltministerium erfülle seine hoheitliche Aufgabe der Luftqualitätsüberwachung auch im Bereich der Bewertung von Treibstoffablässen im Flugverkehr. Spiegel nennt die Vorwürfe aus Pirmasens daher "absurd".

Anne Spiegel auf der Delegiertenversammlung der Grünen am 6. Mai 2021 (Foto: SWR)

Spiegel: Weitere Messstationen überflüssig

In Rheinland-Pfalz seien Messstationen aufgerüstet worden, um Kohlenwasserstoffe zu detektieren. Jedes einzelne der Ablassereignisse werde unmittelbar von Expertinnen und Experten des Landesamtes für Umwelt im Umweltlabor messtechnisch ausgewertet und lufthygienisch bewertet. Weitere Messstationen würden nichts daran ändern, dass Kerosin abgelassen werde. Hier müsste an anderen Stellschrauben gedreht werden, zum Beispiel bei Flugrouten oder Flugablasshöhen.

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Das Ministerium sagt außerdem, die abgelassene Kerosinmenge verteile sich in der Luft durch die Flughöhe, Fluggeschwindigkeit und meteorologische Effekte so stark, dass auch weitere Messstationen keine anderen Ergebnisse bei der Ermittlung der Immissionsbelastung aufzeigen würden.

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