Mann am Computer - Cybersicherheit (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Mehr Personal - bessere Schutzprogramme

Kommunen in der Westpfalz schützen sich vor Hacker-Angriffen

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Nach dem Beginn des Ukraine-Krieges ist die Angst vor Hackerangriffen auf öffentliche Einrichtungen nochmal gestiegen. Die Kommunen in der Westpfalz fühlen sich gerüstet.

Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld musste im vergangenen Jahr den Katastrophenfall auslösen. Hacker hatten die Kreisverwaltung lahmgelegt und Daten gestohlen - und forderten ein Lösegeld. Wochenlang konnte die Verwaltung dort nicht richtig arbeiten.

Angst vor Hackerangriffen gab es schon immer - aber seit dem Beginn des Ukraine-Krieges ist sie noch einmal gewachsen. Hacker könnten im Auftrag der russischen Regierung versuchen, die kritische Infrastruktur lahmzulegen. Dazu zählen auch die Verwaltungen der Kommunen - zum Beispiel Abteilungen, die für die Wasserversorgung zuständig sind.

Rathaus Kaiserslautern (Foto: SWR, (Archivbild))
Im Rathaus in Kaiserslautern müssen täglich Hacker-Angriffe abgewehrt werden. (Archivbild)

Kaiserslautern und Pirmasens schon Ziel von Hacker-Angriffen

Eine Umfrage des SWR ergab: Auch Kommunen in der Westpfalz sind schon Ziel von Hackern geworden. "Es finden täglich Cyber-Angriffe auf die IT-Infrastruktur der Stadtverwaltung statt", heißt es zum Beispiel von der Stadt Kaiserslautern. Ob diese gezielt durchgeführt wurden oder Teil eines Angriffs auf mehrere Einrichtungen waren, lasse sich nicht sagen. Auch nicht, wer die Hacker waren.

Auch die Stadt Pirmasens berichtet von solchen Angriffen. In einem Fall wurde sogar Schadsoftware auf einigen Rechnern installiert. "Der betroffene Teilbereich konnte durch unsere IT-Abteilung schnell isoliert und in den Ursprungszustand versetzt werden", teilte die Stadtverwaltung mit. Es seien weder Daten verloren gegangen noch sei finanzieller Schaden entstanden.

Neue Stellen für die IT-Sicherheit in westpfälzischen Kommunen

Und auch, wenn andere Kommunen in der Westpfalz bisher nicht Ziel von Hackern geworden sind - das Problem ist ihnen bewusst und sie versuchen, sich zu schützen. In allen Kommunen gibt es spezielle Abteilungen. In Pirmasens kümmert sich ein Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem IT-Beauftragten speziell um die Sicherheit. In Kaiserslautern wurde eine Stabsstelle "Datenschutz und IT-Sicherheit" mit drei Mitarbeitern geschaffen. Im Donnersbergkreis wird die IT-Abteilung durch einen speziell geschulten Informations-Sicherheitsbeauftragten unterstützt, im Kreis Südwestpfalz kümmern sich zwei Mitarbeitende um die Cybersicherheit.

Schulungen für Mitarbeitende und Stresstest für Programme

Ein wichtiger Punkt: Die Antiviren-Software. In der Stadt Kaiserslautern wurden gleich mehrere Virenscanner und Firewalls installiert. Der Donnersbergkreis ist auf ein Anti-Viren-Programm umgeschwenkt, das auch von der Europäischen Union genutzt wird. Diese Programme müssen regelmäßig auf den neusten Stand gebracht werden. In Kaiserslautern und im Donnersbergkreis werden deshalb zum Beispiel spezielle Tests durchgeführt, die Aufschluss darüber geben sollen, ob man gegen Hackerangriffe geschützt ist. In der Stadt Zweibrücken führt derzeit eine externe Firma eine IT-Sicherheitsbewertung durch.

Die Kreisverwaltung Donnersbergkreis in Kirchheimbolanden im Winter. (Foto: SWR)
In der Kreisverwaltung des Donnersbergkreises werden spezielle Tests zur Cybersicherheit durchgeführt.

Alles das hilft aber wenig - wenn die Mitarbeitenden in den Verwaltungen nicht für das Thema sensibilisiert sind. Denn Schadsoftware verbreitet sich oft über Datei-Anhänge in Mails. Deshalb werden alle Mitarbeitenden in den Kommunen regelmäßig geschult und auf das Thema Cybersicherheit aufmerksam gemacht. In der Stadt Kaiserslautern kann das Internet nur über bestimmte, besonders gesicherte Zugänge erreicht werden. Im Kreis Kaiserslautern gibt es sehr restriktive Regeln zur Freigabe solcher Datei-Anhänge.

Kommunen der Westpfalz arbeiten mit Landeseinrichtung zusammen

Alle Kommunen arbeiten zudem mit dem CERT des Landes Rheinland-Pfalz zusammen - dem "Computer Emergency Response Team". Das Team analysiert ständig die Lage in Sachen Cybersicherheit und gibt an die Kommunen Warnungen und Empfehlungen heraus. Wie wichtig deren Arbeit ist, zeigt eine Aussage des Donnersbergkreises: "Pro Tag kommen fünf bis zehn Meldungen, die auf Schwachstellen und aktuelle Angriffe in Programmen und Netzwerken hinweisen."

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