Impfung (Symbolbild) (Foto: SWR, Simon Bendel)

Impfzentren und Hausärzte in der Westpfalz besorgt

Darum wird auch ohne Impfpriorisierung nicht schneller geimpft

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Seit heute fällt in Rheinland-Pfalz die Impfpriorisierung bei der Corona-Impfung weg. Jeder kann sich dann für einen Termin registrieren lassen und braucht anschließend viel Wartezeit.

Fünf Impfzentren gibt es derzeit in der Westpfalz. Sie stehen in Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel, Pirmasens und Zweibrücken. Etwa 200.000 Impfungen sind dort seit dem Start der deutschlandweiten Impfkampagne gegen das Corona-Virus bereits verabreicht worden. Mit dem Wegfall der Impfpriorisierung sollte man nun annehmen, dass die Zahl der Impfungen bald rasant ansteigen wird. Doch dem ist voraussichtlich nicht so.

In der Südwestpfalz fehlt der Corona-Impfstoff

Wie das Gesundheitsamt des Landkreises Südwestpfalz mitteilt, gibt es im Impfzentrum in Pirmasens seit Wochen immer wieder Phasen mit einigem Leerlauf. Im Regelbetrieb könnte die Einrichtung bis zu 800 Impfungen pro Tag durchführen. Nach Angaben des Gesundheitsamtes agiert das Impfzentrum jedoch unter der maximalen Auslastung. Auch in den kommenden Wochen seien die Impfstoffmengen weiterhin limitiert.

Kusel erhält erst Ende Juni mehr Corona-Impfdosen

Dass diese Situation eher die Regel als die Ausnahme ist, bestätigt auch der Landkreis Kusel. Im dortigen Impfzentrum in der ehemaligen Bundeswehrkaserne könnten bis zu 320 Menschen pro Tag geimpft werden. Eine Sprecherin der Kreisverwaltung teilte jedoch bereits mit, dass es auch hier an Impfstoff fehle. "Nach derzeitigem Kenntnisstand bekommen wir zumindest bis Ende Juni nicht genügend Impfstoff, um die Kapazitäten des Impfzentrums auszulasten", heißt es aus Kusel.

Impfzentrum Kaiserslautern (Foto: Stadt Kaiserslautern)
Das Impfzentrum auf dem Gelände des Opel-Werkes in Kaiserslautern. Stadt Kaiserslautern

Auch Kinder und Jugendliche dürfen sich ab sofort impfen lassen

Mit dem Wegfall der Impfpriorisierung können sich nun auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren für eine Corona-Impfung anmelden. Eine gute Sache – findet Moritz Behncke, Schülervertreter für Stadt und Kreis Kaiserslautern. Es sei wichtig alle Altersklassen zu impfen, um irgendwann eine Herdenimmunität erreichen zu können.

Allerdings stehe momentan noch kein zusätzlicher Impfstoff zur Verfügung. Deshalb müsse man aufpassen, dass es nicht zu einem Generationenkonflikt komme. Kinder und Jugendliche müssten nach und nach bei den Impfungen berücksichtigt werden.

Bisher Registrierte werden zuerst geimpft

Wer sich über die zentrale Terminvergabestelle des Landes Rheinland-Pfalz registrieren will, der muss demnach Geduld mitbringen. Die Stadtverwaltung Kaiserslautern erinnert in dem Zusammenhang auch daran, dass nur die Impfpriorisierung bei der Anmeldung wegfalle. Die Priorisierung der bisher registrierten Menschen bleibe aber weiter erhalten. Dadurch sollen die Personen, die sich bereits zuvor aufgrund ihres Berufes oder einer Erkrankung registrierten konnten, aber bislang noch keinen Termin haben, auch vor den Menschen geimpft werden, die sich erst ab Montag anmelden können.

Hausäzte wollen impfen, können aber nicht

Geduld wird auch bei den Haus- und Fachärzten in der Westpfalz notwendig sein. Zwar ist die Impfbereitschaft nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung groß, der Frust bei den Ärzten jedoch auch. "Leider ist die Impfstoffversorgung entgegen der politischen Zusagen extrem unsicher und kaum planbar. Das lässt den Impfturbo stocken", so ein Sprecher der Kassenärzte. Die Praxen könnten nicht so impfen, wie sie gerne würden, weil es immer noch zu wenig Impfstoff gebe.

Ärger nicht an Praxispersonal auslassen

Fast 300 Haus- und Facharztpraxen in der Westpfalz haben sich bislang für die Corona-Impfung gemeldet. Rund 70.000 Erstimpfungen wurden bis Anfang Juni laut Kassenärztlicher Vereinigung in den Landkreisen und Städten der Region bereits durchgeführt. Dass es nicht schneller gehe, sei auch für die Patienten belastend. Einige hätten bereits ihren Ärger am Praxispersonal ausgelassen: "Dieser Ärger trifft die Falschen, die die Situation nicht zu verantworten haben. Verantwortlich sind die politischen Entscheider auf Bundes- und Landesebene", so die Kassenärztliche Vereinigung.

Impfquote liegt knapp über dem Bundesschnitt

Ab dem 7. Juni fällt in Rheinland-Pfalz die Impfpriorisierung für eine Corona-Impfung komplett weg. Auch Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren können sich nun für eine Impfung anmelden. Allerdings nur bei Hausärzten und mit vorheriger Beratung. In Rheinland-Pfalz sind bislang rund 2,6 Millionen Corona-Impfungen verabreicht worden. Die Impfquote liegt mit 21,1 Prozent abgeschlossener Impfserien knapp über dem Bundesschnitt (Stand: 3. Juni 2021).

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