Organspendeausweis  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa)

Deutschlandweiter "Tag der Organspende"

Trotz Corona: Organspenden in Kaiserslautern stabil

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Jedes Jahr findet am ersten Samstag im Juni in Deutschland der "Tag der Organspende" statt. Anlässlich dessen zieht das Westpfalz-Klinikum eine positive Corona-Bilanz.

Hinter dem Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern liegt, wie in fast allen Krankenhäusern weltweit, eine ungewöhnliche Zeit. Die Corona-Pandemie hat eingespielte Abläufe im Klinikalltag auf den Kopf gestellt, viel Flexibilität und Leidensfähigkeit von Pflegepersonal und Ärzten gefordert. Bleibt während solch stressiger Monate überhaupt noch Zeit, an Dinge wie eine Organspende zu denken?

Nicht weniger Organspenden durch Corona-Pandemie

Die Frage beantwortet die Transplantationsbeauftragte des Westpfalz-Klinikums, Kerstin Mönch, mit einem klaren "Ja". Im vergangenen Jahr seien es vier Menschen gewesen, die nach ihrem Tod in Kaiserslautern Organe gespendet haben. Insgesamt elf Menschen sei dadurch die Chance auf ein Weiterleben ermöglicht worden. Zusätzlich haben nach Angaben des Klinikums mehr als 60 Verstorbene ihre Augenhornhaut gespendet.

Kerstin Mönch, die Transplantationsbeauftragte des Westpfalz-Klinikums. (Foto: Westpfalz-Klinikum)
Kerstin Mönch, die Transplantationsbeauftragte des Westpfalz-Klinikums. Westpfalz-Klinikum

Westpfalz-Klinikum liegt im Schnitt der Vorjahre

In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Organspender immer zwischen zwei und neun Menschen gelegen. Entsprechend sei das Corona-Jahr 2020 weder ein Ausreißer nach oben noch nach unten gewesen. "Die Zahlen sind immer nur eine Momentaufnahme und es gibt jedes Jahr Schwankungen in die eine oder andere Richtung, die im nächsten Jahr wieder ganz anders aussehen können, ohne dass wir dafür plausible Erklärungen finden", so die Transplantationsbeauftragte.

Lage in Kaiserslautern zwar angespannt, aber nicht dramatisch

Die Lage im Westpfalz-Klinikum sei aufgrund der Corona-Pandemie zeitweise sehr angespannt gewesen, gerade auf der Intensivstation. Deutschland sei aber glücklicherweise von den dramatischen Zuständen, wie in anderen Ländern, verschont geblieben. Daher hätten sich die Folgen der Pandemie auch nicht auf die Zahl der Organspenden ausgewirkt.

Keine möglichen Organspender durch Corona verloren

"Die Erkrankungen, die zum Hirntod führen und eine Organspende erlauben, sind durchweg akute Ereignisse wie beispielsweise Hirnblutungen, Herz-Kreislauf-Stillstände oder Unfälle, die unabhängig von Corona passieren", erklärt Kerstin Mönch. "Da wir unsere Patienten auf den Intensivstationen zu jeder Zeit gut versorgen konnten, haben wir in Kaiserslautern keine möglichen Organspender durch die Pandemie verloren."

Menschen sollen zu Lebzeiten Entscheidung treffen

Zum "Tag der Organspende" gebe es allerdings immer noch große Herausforderungen. Am wichtigsten sei, die Menschen zu motivieren, sich überhaupt mit diesem Thema auseinander zu setzen und dann eine Entscheidung zu treffen. "Das Schlimmste ist, wenn wir die Angehörigen eines sterbenden Patienten auf der Intensivstation nach seinem Wunsch bezüglich Organspende fragen und sie haben nie miteinander darüber gesprochen", so Mönch. "Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen zu Lebzeiten eine eigene Entscheidung treffen."

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