Legasthenie mit Kreide auf Schultafel geschrieben (Foto: IMAGO, IMAGO / imagebroker)

Betroffene erzählt: "Bin durch die Hölle gegangen"

Lese- und Rechtschreibschwäche: Studie aus Kaiserslautern macht Mut

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Rund zwölf Prozent der Erwachsenen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Die TU Kaiserslautern will ihnen mit einer neuen Studie jetzt Mut machen. 

Erwachsene lernen nicht schwerer als Kinder, aber eben auch nicht leichter. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Fachbereichs Sozialwissenschaften der Technischen Universität Kaiserslautern. Sie haben untersucht, wie Lernprobleme in der Kindheit mit einer späteren Lese- und Rechtschreibschwäche zusammenhängen.  

Forscher: "Man muss üben, üben, üben..."

Mit ihren Ergebnissen wollen die Forscher aus Kaiserslautern beispielsweise Volkshochschulen helfen, die betroffenen Erwachsenen das Lesen und Schreiben beibringen. Der Projektleiter an der TU, Thomas Lachmann, betont, dass ein ein jahrelanges, kontinuierliches Training wichtig sei. Auch Schulkinder bräuchten oft bis zur vierten Klasse, bis sie richtig lesen und schreiben könnten.  

"Halten Sie also durch und trainieren Sie immer wieder", ermutigt Lachmann diejenigen, die unter einer Lese- und Rechtschreibschwäche leiden. Wichtig sei es auch, den ersten Schritt zu machen und das entsprechende Angebot einer Volkshochschule oder ähnlichen Einrichtung anzunehmen. Oft seien es auch Familienmitglieder und Freunde, die motivieren könnten, einen Kurs zu besuchen. 

Betroffene aus Kaiserslautern: "Ich bin durch die Hölle gegangen"

Mit welchen Problemen Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche zu kämpfen haben, macht Heidi (Name von der Redaktion geändert) aus Kaiserslautern deutlich. Die 59-Jährige ist selbst betroffen und sagt: "Das war viele Jahre so peinlich für mich." Wenn sie beispielsweise einen Zettel habe ausfüllen müssen, habe sie immer Ausreden vorgeschoben, warum das jetzt nicht gehe. "Ich habe dann gesagt, ich habe Kopfschmerzen, mir ist schlecht oder ich habe meine Lesebrille zu Hause vergessen", gibt die Pfälzerin zu.

Das sei die Hölle für sie gewesen, sagt die 59-Jährige rückblickend. Weil sie endlich ein normales Leben habe führen wollen, sei sie das Problem vor zwei Jahren schließlich angegangen. Für Heidi aus Kaiserslautern eine große Erleichterung: "Die Leute in dem Kurs waren ganz locker und freundlich", erzählt sie. Außerdem hätten die Lehrer ihr klar gemacht, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sei.  

Glücklich und stolz auf die eigene Leistung

Inzwischen hat Heidi viel dazu gelernt, befindet sich nach eigenen Angaben auf einem fortgeschrittenen Niveau. "Der Kurs hat mich glücklich gemacht", betont die 59-Jährige. Als die Übungsstunden wegen Corona ausgefallen seien, habe sie zuhause mit einem Buch weitergearbeitet. "Ich bin wirklich stolz auf mich", fügt die Westpfälzerin hinzu und lächelt.

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