Kaiserslautern wehrt sich gegen Kriminalitätsstatistik des BKA (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Daniel Maurer/dpa | Daniel Maurer)

"Unruhe in der Bevölkerung"

Warum Kaiserslautern keine Hochburg der Kriminalität ist

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Jürgen Rademacher
Bild von Jürgen Rademacher, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Eine Statistik sorgt zurzeit in Kaiserslautern für Gesprächsstoff: Danach verzeichnet die Stadt eine sehr hohe Kriminalitätsrate. Die Stadt weist den Eindruck zurück.

Vor wenigen Wochen hatte das Bundeskriminalamt (BKA) seine Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2021 herausgegeben. Danach passieren in Kaiserslautern 10.476 Kriminalfälle pro 100.000 Einwohner. In einem Ranking liegt Kaiserslautern damit bundesweit auf Platz acht - noch vor Großstädten wie Köln, Hamburg oder Düsseldorf.

Diese Zahlen hätten in der Bevölkerung für Unruhe gesorgt, sagt die Kaiserslauterer Bürgermeisterin Beate Kimmel (SPD). Dabei sei Kaiserslautern zu Unrecht auf diesem hohen Platz gelandet, sagt Kimmel - und verweist auf statistische Schwächen.

Amerikaner in Kaiserslautern werden in Melderegister nicht geführt

In der Statistik des BKA wird nämlich die Zahl der Kriminalitätsdelikte in Bezug zur Einwohnerzahl gesetzt. Und dafür wird das Einwohner-Melderegister herangezogen. Das Problem: In Kaiserslautern leben sehr viel mehr Menschen - nämlich Tausende Amerikaner und Menschen aus NATO-Ländern, die in den verschiedenen militärischen Einrichtungen arbeiten. Sie werden nach Angaben von Kimmel aber nicht im Melderegister geführt.

"Hätte man bei der statistischen Auswertung also die Gesamtzahl aller hier lebenden Menschen berücksichtigt, hätte das zu einer geringeren Häufigkeitsziffer der Delikte und damit einer anderen Platzierung in der Statistik geführt", ist sich die Bürgermeisterin sicher. Ein ähnliches Problem hatten Stadt und Kreis Kaiserslautern, als es um die Berechnung der Inzidenzzahlen während der Corona-Pandemie ging.

Kaiserslautern als Anziehungspunkt für Menschen aus dem Umland

Ein weiteres Argument von Bürgermeisterin Kimmel: Kaiserslautern sei mit seinen vielen Diskotheken und Bars auch Anziehungspunkt für viele Menschen aus dem Umland. Würden sie beim Besuch der Stadt straffällig, würde das auch die Statistik verfälschen.

Weniger Kriminalität durch Alkoholverbot in Kaiserslautern?

Alles in Ordnung also und kein Problem? Das will die Bürgermeisterin damit nicht sagen. Es gebe keinen Grund, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. "Unabhängig von einem guten oder schlechten Abschneiden bei einem Städteranking arbeiten wir mit höchster Priorität an den Rahmenbedingungen für ein ausgeprägtes Sicherheitsgefühl", so Kimmel.

Sie regt eine Diskussion über ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum an. In Teilen der Innenstadt, zum Beispiel rund um die Mall, gebe es dieses bereits und werde auch vom Ordnungsamt überwacht. Allerdings: Um weitergehende Alkoholverbote verhängen zu können, müsste das Land seine Gesetze ändern oder neue Regelungen schaffen.

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