Gedenkort bei Kusel zur Erinnerung an die getöteten Polizisten (Foto: SWR)

Eltern der getöteten Polizistin erstatten Anzeige

Mutmaßlicher Polizistenmord Kusel: In Gefängnis mit Leichenfotos geprahlt?

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Der Hauptangeklagte im Prozess um die mutmaßlichen Polizistenmorde von Kusel soll im Gefängnis mit Leichenfotos geprahlt haben. Die Eltern der getöteten Polizistin haben ihn angezeigt.

Am Montag wurde beim Prozesstag am Landgericht Kaiserslautern die Anzeige der Nebenklage verlesen. Darin zeigen die Eltern der getöteten Polizistin Yasmin B. den Hauptangeklagte Andreas S. an, weil er Fotos von der erschossenen Yasmin B. einem Mithäftling gezeigt haben soll. Mit diesem Mithäftling soll der Angeklagte mehrfach über die Tat gesprochen haben. Dabei soll er auch Aktenbestandteile gezeigt haben, darunter die Leichenfotos. Das hatte der Mithäftling bei einer Vernehmung ausgesagt.

Hauptangeklagter Andreas S. brüstet sich mit Fotos der toten Polizistin ?

Aus Sicht der Nebenklage belege das Herumzeigen der Fotos, dass der Hauptangeklagte eine "Freude an extremen Situationen" habe. Dies sei grob anstößig und habe das Ansehen der getöteten Yasmin B. verletzt. Die Nebenklage bezeichnete das Vorgehen von Andreas S. als "ungeheuerlich". Die Eltern der getöteten Polizistin baten deshalb, die Ermittlungen in diesem Fall aufzunehmen.

Der weitere Angeklagte im Mordprozess Kusel kann überraschend nicht aussagen 

Ursprünglich war geplant, dass der besagte Mithäftling und auch der zweite Angeklagte aussagen. Diese Aussagen mussten jedoch überraschend vertagt werden. Der Prozesstag war nach wenigen Minuten beendet, weil ein psychiatrischer Gutachter coronabedingt nicht erscheinen konnte. Florian V., der zweite Angeklagte, machte vor Gericht lediglich Angaben zu seiner Person und seiner Lebensgeschichte. Er war zuletzt mehrere Jahre arbeitslos, ist verlobt und hat ein Kind. Florian V. hatte ursprünglich angekündigt, zum Tathergang aussagen zu wollen. Das sei allerdings laut Gericht nur in Anwesenheit des psychiatrischen Gutachters möglich.

Gutachter an Corona erkrankt

Dieser sollte die Reaktionen des Hauptangeklagten Andreas S. beobachten und bewerten, während er die Ausführungen des Mitangeklagten hört. Ohne den Gutachter war sich das Gericht schnell einig, dass die Aussage von Florian V. vertagt werden muss. Auch der Mithäftling des Hauptangeklagten wurde deshalb am 15. Prozesstag nicht angehört.

Videos der Vernehmung von Florian V. wurden bereits gezeigt

Am vergangenen Prozesstag waren bereits die Video-Vernehmungen von Florian V. direkt nach der Tat gezeigt worden. Darin hatte er immer wieder geäußert, er habe Angst vor dem Hauptangeklagten Andreas S. Wörtlich sagte er in den Videos mehrfach: "Ich habe Angst, dass er mich genauso über den Haufen schießt."

Landgericht Kaiserslautern musste Fragen schriftlich einreichen 

Die Verteidiger von Florian V. sagten am vergangenen Prozesstag, ihr Mandant wolle am Montag auf Fragen der Richter antworten - nachdem er bisher in dem Prozess geschwiegen hatte. Das Gericht musste die Fragen aber vorher den Anwälten vorlegen. Auch die Nebenklage dürfe Fragen einreichen. Ob Florian V. diese aber auch beantworte, dafür gebe es keine Zusage. Fragen der Verteidiger des Hauptangeklagten Andreas S. werde der Mitangeklagte nicht beantworten.

Angeklagte beschuldigen sich gegenseitig im Prozess zum Polizistenmord Kusel 

Andreas S. soll bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle in der Nähe von Kusel Ende Januar eine 24-jährige Polizeianwärterin und einen 29-jährigen Polizeikommissar mit Gewehrschüssen in den Kopf getötet haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Er hat die Vorwürfe bisher zurückgewiesen und stattdessen den Mitangeklagten beschuldigt, die Polizistin erschossen zu haben.

Dem Nebenangeklagten Florian V. wird versuchte Strafvereitelung vorgeworfen. Der 33-Jährige soll geholfen haben, Spuren zu verwischen. Die Männer waren kurz nach der Tat im Saarland festgenommen worden. Für den Prozess sind vorerst bis November Termine angesetzt.

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