Nach dem Kerosinablass am Wochenende gibt es in der Pfalz Kritik an der Landesregierung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Daniel Naupold)

Nach Vorfall am vergangenen Wochenende

Kritik an Landesregierung wegen Umgang mit Kerosinablass über Pfälzerwald

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Jürgen Rademacher
Bild von Jürgen Rademacher, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Schon wieder hat ein Flugzeug über der Pfalz Kerosin abgelassen - und die Sorge ist groß, dass das eine Gefahr für Menschen und Umwelt ist. Die Landesregierung sagt nein - es gibt aber auch andere Meinungen.

Erst am vergangenen Wochenende hatte eine Boeing 747 der Atlanta Air nach Angaben der Deutschen Flugsicherung 89 Tonnen Kerosin über Rheinland-Pfalz abgelassen - nach den Daten des Onlinedienstes "Flightradar" auch über dem Pfälzerwald. Die Maschine war in Frankfurt-Hahn mit Ziel Mumbai gestartet und hatte Probleme mit dem Triebwerk gemeldet.

Es ist nicht das erste Mal, dass über der Pfalz Kerosin abgelassen wird. Das passiert, wenn Flugzeuge technische Probleme oder andere Notsituationen melden, die eine Landung nötig machen. Weil sie für eine Landung zu schwer sind, müssen sie Kerosin ablassen - meist über der wenig dicht besiedelten Pfalz.

Kritik an Kerosinablass aus der Westpfalz

Kritik an der Landesregierung und deren Umgang mit den Kerosinablässen kommt auch von Peter Degenhardt (CDU), dem Verbandsbürgermeister von Landstuhl und Vorsitzenden des "Zentrums Pfälzerwald Touristik". Er hält die Kerosinablässe für "alles andere als unbedenklich". Das Land verharmlose die Kerosinablässe.

Degenhardt verweist darauf, dass die Studie des Umweltbundesamtes davon spreche, dass die "Möglichkeit einer gewissen Beeinträchtigung, die vermieden werden solle", nicht ausgeschlossen werden könne.

"Warum Kerosinablass immer über den gleichen Gebieten?"

Der Verbandsbürgermeister wirft die Frage auf, warum die Kerosinablässe immer über den gleichen Gebieten stattfinden würden. "Wenn laut den gängigen Aussagen von dem Kerosin unten nichts ankommt, könnte der Kerosinablass dann ja theoretisch überall stattfinden und eben nicht vorwiegend in Gebieten und Regionen, die zum Teil auch bereits stark unter militärischen Lasten zu leiden haben."

Degenhardt verweist auch auf die Auswirkungen auf den Tourismus. Auch Besucherinnen und Besucher würden vom Kerosinablass hören - das würde die Anstregungen der Region in Sachen Tourismus "torpedieren".

Landesamt: Keine erhöhte Konzentration schädlicher Stoffe

Experten des Landesamtes für Umwelt hatten den Vorfall vom Wochenende untersucht - und weder in der Luft und am Boden höhere Konzentrationen von Kohlenwasserstoffen und Benzol festgestellt. Das sind die beiden Bestandteile von Kerosin, die besonders schädlich für die Umwelt und die Gesundheit des Menschen sind.

Messstelle für Kerosinablass (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Umweltministerium)
Solche Messstellen stehen über Rheinland-Pfalz verteilt. picture alliance/dpa | Umweltministerium

Die Experten stützen sich auf die Daten von neun Messstationen in Rheinland-Pfalz, die durchgehend die Kohlenwasserstoff-Konzentrationen messen - drei davon sind in den möglichen Überfluggebieten Hunsrück, Westpfalz und Pfälzerwald. Die Grenzwerte für Benzol werden landesweit von 22 Messstellen überwacht.

Gutachten: "Ablass von Kerosin über Pfälzerwald unkritisch"

Außerdem verweist die Landesregierung auf ein Gutachten, das das Umweltbundesamt erstellt hat. Dabei wurden auch spezielle Daten für die Pfalz mit einbezogen. Ergebnis: Das Kerosin verteilt sich in der Luft so stark, dass davon wenig am Boden ankommt. "Danach werden Kerosinablässe als unkritisch für die Umweltbereiche, Boden, Wasser und Luft eingestuft", heißt es in einer Pressemitteilung der Landesregierung.

CDU: Mehr Messstellen für mehr Daten zu Kerosinablass

Allerdings - ein ungutes Gefühl der Menschen bleibt. Sowohl Umweltverbände als auch die CDU-Opposition im Mainzer Landtag geben diesem unguten Gefühl Ausdruck. Nach dem letzten Vorfall forderte der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf weitere Messstellen.

"Um die Frage der Schädlichkeit ein für alle Mal beantworten zu können, bedarf es aktueller, valider Zahlen. Zahlen, die erklären, wie viel Kerosin wirklich am Boden ankommt und welche Auswirkungen es auf die Umwelt hat", teilte Baldauf mit. Die Landesregierung lehnt dagegen den Ausbau des Messstellen-Netzes ab - und verweist darauf, dass das bisherige Netz die Vorgaben der EU erfüllt.

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