Droht nun die Corona-Herbstwelle?

In Kaiserslautern greift die Impfmüdigkeit um sich

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Endlich ist auch in der Westpfalz genug Corona-Impfstoff da, doch jetzt fehlen die Impflinge. Wie gefährlich ist die Impfmüdigkeit für eine weitere Corona-Welle im Herbst?

"Zu Beginn der Impfkampagne fehlte der Impfstoff, nun fehlen uns die Impflinge", fasst der Donnersberger Landrat Rainer Guth (parteilos) die aktuelle Impf-Situation zusammen. Er habe zwar in seinem Landkreis noch keine "echte Impfmüdigkeit" feststellen können, aber die meisten Menschen kämen jetzt zur Zweitimpfung ins Impfzentrum nach Kirchheimbolanden. Das liege vor allem daran, dass viele Haus- und Betriebsärzte die Zweitimpfung nicht mehr vornehmen.

Niedrige Impfquoten in einigen westpfälzischen Kommunen

Die Impfquoten in einigen westpfälzischen Kommunen sind zurzeit noch vergleichsweise niedrig. Das geht aus Zahlen des Gesundheitsministeriums hervor, die dem SWR vorliegen. Die Stadt Kaiserslautern hat bei den vollständig geimpften Menschen, die über 18 Jahre alt sind, sogar die niedrigste Impfquote in ganz Rheinland-Pfalz. Sie liegt bei 50,26 Prozent. Auch der Donnersbergkreis (51,53%) und der Kreis Kusel (52,65%) haben ähnlich niedrige Impfquoten. Gut sieht es hingegen im Kreis Südwestpfalz aus. Die Impfquote liegt dort aktuell bei knapp 70 Prozent. Landesweit liegt die Impfquote bei rund 57 Prozent.

Donnersbergkreis will Menschen Angst vor Impfung nehmen

Damit sich das ändert, soll es in einigen westpfälzischen Kommunen Sonderimpfaktionen geben. Auch im Donnersbergkreis. Dort hatte es Vergangene Woche bereits zwei Sonder-Impfaktionen in Göllheim und Rockenhausen gegeben, die der Kreis nun auch in anderen Orten plane. Ziel sei es, den Menschen die Angst vor einer Impfung zu nehmen und sie vorab entsprechend aufzuklären. Schon bevor am 2. August die Terminpflicht in den Impfzentren aufgehoben wird, würden mehr Menschen im Donnersbergkreis spontan und ohne Termin ins Impfzentrum kommen. "Diese möchten oft zunächst umfangreich beraten werden, da sie noch unsicher oder sogar ängstlich sind", berichtet Landrat Guth.

Zweibrücken plant mit gezielten Impfaktionen

Auch im Impfzentrum in Zweibrücken kommen nach Angaben eines Stadtsprechers aktuell rund Dreiviertel der Menschen zur Zweitimpfung vorbei. Insgesamt sei die Zahl der Impfungen (Erst- und Zweitimpfung) im Vergleich zum Frühjahr um etwa die Hälfte zurückgegangen. Zusammen mit dem Sozialamt sollen in Zweibrücken nun gezielt sozial schwache Personengruppen angesprochen werden. Eine Impfpflicht, wie sie aktuell politisch diskutiert wird, unterstützt die Stadtverwaltung jedoch nicht.

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Viele Umbuchungs-Wünsche wegen Sommerferien in Pirmasens

Aus Pirmasens und der Südwestpfalz haben sich in dieser Woche rund 1.400 Menschen für einen Impftermin angemeldet. "Das sind weniger als in den vergangene Monaten", erklärt eine Sprecherin der Stadtverwaltung Pirmasens. Ob das ein Zeichen für eine zunehmende Impfmüdigkeit ist, sei jedoch nur schwer zu beantworten. Auch die Sommerferien in Rheinland-Pfalz würden sich deutlich bemerkbar machen. Viele Leute hätten seit Ferienbeginn angefragt, ob sie ihren Termin umbuchen könnten. Um in Pirmasens noch mehr Menschen gegen das Corona-Virus zu impfen, plant die Stadt gezielte Impfaktionen gemeinsam mit den Quartierbüros. Aktuell seien 69 Prozent der Erwachsenen in der Südwestpfalz vollständig geimpft. Damit liegt der Kreis deutlich über dem Landesschnitt von 57 Prozent.

Impfungen in Kusel um die Hälfte weniger geworden

Im Impfzentrum des Landkreises Kusel werden in dieser Woche etwa 150 Impfungen pro Tag durchgeführt. "Das sind deutlich weniger Impfungen", so das Fazit einer Kreissprecherin. In den letzten Monaten seien es pro Tag immer rund 320 Impftermine gewesen. Das Impfzentrum in Kusel plant daher am Freitag ebenfalls eine Impfaktion ohne vorherige Anmeldung. Zwischen 12:30 und 16:30 Uhr können alle Interessierten, die mindestens 18 Jahre alt sind, ihre Erstimpfung dort verabreicht bekommen.

Kaiserslautern: "Das reicht nicht, um die Herbstwelle abzufedern!"

Sehr deutlich wird die Stadt Kaiserslautern zum Thema Impfmüdigkeit: Auch im Impfzentrum auf dem Opel-Gelände habe die Nachfrage entsprechend des bundesweiten Trends nachgelassen. "Dadurch ist der Schutz der Bevölkerung noch nicht hoch genug, um die drohende Herbstwelle abzufedern", heißt es aus der Stadtverwaltung. "Glücklicherweise verfügen wir endlich über ausreichend Impfstoff, um außerhalb der üblichen Terminierung unkomplizierte und niederschwellige Impfangebote machen zu können", weist die Stadt auf die Impfaktionen in Kaiserslautern in dieser Woche hin. In dieser Woche seien im Impfzentrum rund 1.700 Impfungen geplant, Anfang Mai hätten sich noch etwa 7.500 Menschen pro Woche impfen lassen.

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