Umzug nach Oberstorf

Familie Jatzko verlässt Kaiserslautern

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Jürgen Rademacher
Bild von Jürgen Rademacher, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern

Sie ist in Kaiserslautern eine Institution: Familie Jatzko hat sich in der Nachsorge von Traumafolgen bundesweit einen Namen gemacht. Jetzt verlässt die gesamte Familie die Stadt.

Dr. Alexander Jatzko ist einer der führenden Mediziner in der Traumaforschung.

Der 52-jährige Alexander Jatzko wird neuer Chefarzt einer psychosomatischen Privatklinik in Oberstorf - schon Ende September wird er das Westpfalz-Klinikum in Richtung Allgäu verlassen. Das bestätigte ein Sprecher der Kaiserslauterer Klinik. Jatzko war im Jahr 2005 Chefarzt der psychosomatischen Klinik geworden - mit gerade mal 34 Jahren. Mit ihm ziehen auch seine Eltern Sybille und Hartmut um - aus familiären Gründen.

Familie Jatzko betreute Opfer der Katastrophe von Ramstein

Vor Alexander hatte sein Vater Hartmut die Klinik geleitet. Zusammen mit Mutter und Ehefrau Sybille Jatzko revolutionierten sie die Trauma-Therapie in Deutschland. Begriffe wie die "posttraumatische Belastungsstörung" - heute ein gängiger Begriff in der Medizin - wurden erst durch die Arbeit der Jatzkos eingeführt.

Die Gesprächstherapeuten Sybille und Hartmut Jatzko betreuen gemeinsam die Hinterbliebenen von Katastrophen psychologisch.

Begonnen hatte alles mit der Betreuung von Opfern und Hinterbliebenen der Ramstein-Katastrophe 1988. Die Jatzkos konnten zum Beispiel beweisen, dass die Gehirne der Überlebenden Dinge auf andere Art und Weise wahrnahmen. Im Laufe der Jahre betreuten die Jatzkos nicht nur die Überlebenden und Hinterbliebenen von Ramstein, sondern auch von anderen Katastrophen.

"Natürlich ist das Ausscheiden von Dr. Jatzko ein herber Verlust für unser Klinikum."

Nach Auskunft des Westpfalz-Klinikums läuft derzeit das Auswahlverfahren für Alexander Jatzkos Nachfolge. Es gebe "quantitativ als auch qualitativ ein äußerst qualifiziertes Bewerberfeld". In den kommenden Tagen sollen mit den aussichtsreichsten Kandidaten tiefergehende Gespräche geführt werden. Eines scheint jedoch klar: Die Psychosomatische Klinik in Kaiserslautern soll neu ausgerichtet werden. "Dr. Jatzko hinterlässt riesige Fußstapfen, die man in dieser Form nur schwer füllen kann", sagte der Ärztliche Direktor Karlheinz Seidl.

Gedenkfeier für Opfer des Unglücks von Ramstein - Familie Jatzko
Am 35. Jahrestag des Flugtag-Unglücks von Ramstein hatte Familie Jatzko noch die Gedenkfeier gestaltet.

Nachsorge von Katastophenopfern auch weiterhin gesichert

Und was passiert mit den Hinterbliebenen der Ramstein-Katastrophe? Soeben hatten sie sich noch zu einer Gedenkfeier zum 35. Jahrestag zusammen gefunden - organisiert von den Jatzkos. Nach Auskunft des Westpfalz-Klinikums wird die "Stiftung Katastrophen-Nachsorge", die die Jatzkos ins Leben gerufen haben, weiterhin eine wichtige Anlaufstelle sein. Die Stiftung werde ihre Arbeit fortsetzen. "Die langjährige Erfahrung von Dr. Jatzko wird sicherstellen, dass diejenigen, die Hilfe benötigen, auch weiterhin die professionelle Unterstützung erhalten, die sie verdienen", so das Westpfalz-Klinikum.

Alexander Jatzko ist zurzeit im Urlaub und organisiert seinen Umzug - deshalb war er vorerst nicht für eine Stellungsnahme zu erreichen.

Psychologie Posttraumatische Belastungsstörung: Ursachen und Therapiemöglichkeiten

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gilt, obwohl die PTBS nicht zu den in der Verordnung aufgezählten Berufskrankheiten gehöre. Wie zeigt sich eine PTBS, wie kann man sie therapieren?
Stefan Troendle im Gespräch mit dem Psychosomatiker Dr. Alexander Jatzko, Westpfalz-Klinikum

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Vor genau 35 Jahren stießen auf dem US-Flugplatz Ramstein drei Maschinen einer Kunstflugstaffel zusammen - 70 Menschen starben. Am Jahrestag haben Hinterbliebene der Opfer gedacht.

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