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Die Corona-Pandemie hat das Westpfalz-Klinikum vor große Herausforderungen gestellt. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. Doch wie gefährlich könnte die Delta-Variante werden?

Peter Förster ist seit 2010 Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikum GmbH. Diese betreibt Krankenhäuser in Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel und Rockenhausen. So etwas wie die Corona-Pandemie hat auch Peter Förster noch nicht erlebt. Wir haben mit ihm über diese herausfordernde Zeit für die Kliniken, eine mögliche Impfpflicht fürs Personal, die Delta-Variante und die aktuelle Lage im Westpfalz-Klinikum gesprochen.

Herr Förster, wie stehen Sie zu dem Vorstoß aus Frankreich zur Impfpflicht für Pflegepersonal?

Peter Förster: "Also wir haben in Deutschland eine Impfpflicht für Pflegepersonal, allerdings umfasst diese Impfpflicht aktuell: Hepatitis, Röteln und Masern – aber für Corona gibt es diese Impfpflicht nicht. Das haben die Bundeskanzlerin und der Gesundheitsminister so gesagt und daher ist dieses Thema für mich, zumindest bis zur Bundestagswahl, durch."

Impfquote am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern bei etwa 90 Prozent

Würden Sie eine solche Impfpflicht begrüßen?

"Man muss darüber nachdenken, wenn man sieht, welche Auswirkungen Corona langfristig haben wird. Genauso, wie man es mit den anderen Krankheiten auch gemacht hat."

Wie ist die Impfquote bei Ihnen im Haus?

"Wir haben eine Quote der Mitarbeiter, die bei uns direkt im Klinikum geimpft wurden. Wir wissen aber nicht, wer sich vielleicht bei seinem Hausarzt oder im Impfzentrum hat impfen lassen. Wir gehen aktuell von einer Impfquote von etwa 90 Prozent unserer Belegschaft aus."

"Die Inzidenz allein reicht sicherlich nicht aus. Man muss sich die Krankenhausbelegung anschauen, wie viele der Fälle müssen auf Intensivstation, wie viele werden zu einem Problem."

Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern langsam wieder im Normalbetrieb

Wie ist im Moment die Corona-Lage im Krankenhaus?

"Aktuell ist der Zustand recht entspannt. Wir können langsam wieder Richtung Normalbetrieb laufen."

Die Zahlen gehen wieder hoch – was erwarten Sie für den Herbst?

"Also mit Prognosen möchte ich mich zurückhalten, das ist nicht mein Spezialgebiet. Aber wenn wir sehen, dass die Inzidenzen hochgehen, dass die Belegungen im Krankenhaus hochgehen, dann werden wir reagieren müssen. Aber da haben wir inzwischen Erfahrungen. Das werden wir dann auch entsprechend gestalten können."

Indzidenz, Auslastung und Impfquote wichtig zu Beurteilung der Lage

Inzwischen hört man immer öfter, dass man nicht mehr ausschließlich den Inzidenzwert als Maßstab heranziehen sollte, sondern auch noch andere Zahlen – beispielsweise die Belegung der Intensivstationen – wie schätzen Sie das ein?

"Am Anfang hatten wir tatsächlich nur die Inzidenzwerte und keine anderen Möglichkeiten. Inzwischen muss man feststellen: Die Inzidenz allein reicht sicherlich nicht aus. Man muss sich die Krankenhausbelegung anschauen, wie viele der Fälle müssen auf Intensivstation, wie viele werden zu einem Problem. Wir müssen betrachten, wie die Impfquote in den verschiedenen Altersklasse ist. Gibt es eine Impfmüdigkeit oder wird weiter geimpft, so dass die Quote weiter hoch geht? Ich denke, aus diesem bunten Strauß an Daten müssen sich weitere Maßnahmen ableiten."

Rückblickend, als hier richtig viel los war, wie würden Sie sagen, haben Sie die Situation gemeistert?

"Das ist eine schwierige Frage. Sicherlich waren wir schon mehrfach an einem Punkt, an dem wir keine weiteren Patienten mehr aufnehmen konnten und Patienten auf umliegende Krankenhäuser verlegen mussten. Wäre das insgesamt an allen Häusern in der Region so gewesen, dann hätten wir immer mehr "Normalbetten" schließen müssen, um die Intensivkapazitäten noch weiter hochzufahren. Das wäre personell aber sehr, sehr schwierig geworden und auch nicht mehr mit einer normalen Intensivstation vergleichbar gewesen."

Trotz Delta-Variante sehr wenige Patienten auf Intensivstationen des Westpfalz-Klinikums

Aktuell breitet sich die hochansteckende Delta-Variante immer mehr aus. Für wie gefährlich halten Sie diese Variante?

"Also was man so liest, ist, dass Delta noch ansteckender ist, als andere Varianten. Aber man muss es auch immer mit der Impfquote in Verbindung setzen: Wir haben aktuell auf den Intensivstationen keine Probleme. Es gibt aktuell wenig stationäre Corona-Fälle und davon sehr wenige auf Intensivstationen. Also ich glaube deshalb nur auf die Delta-Variante zu schauen, ist auch falsch."

Sie selbst hatten sich sehr früh impfen lassen und dafür sehr viel Kritik geerntet. Wie geht es Ihnen damit?

"Sie können tun, was sie wollen, sie machen es immer falsch. Ich wollte als Beispiel für unsere Mitarbeiter vorangehen und bin dann dafür kritisiert worden. Hätte ich das nicht gemacht, wäre ich vielleicht von den Mitarbeitern kritisiert worden. Man muss einfach irgendwann eine Entscheidung treffen und dann dazu stehen."

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