Hubert Zitt, Dozent der Hochschule Kaiserslautern, hält eine Vorlesung. (Foto: SWR, 9999)

Warum die Erde keine Scheibe ist

Dozent Hubert Zitt klärt bei Vorlesung in Kaiserslautern über Verschwörungsmythen auf

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Hubert Zitt ist durch seine Star-Trek-Vorlesungen bekannt geworden. Jetzt hat der Dozent der Hochschule Kaiserslautern eine neue Vorlesung. Darin klärt er auf, warum die Erde rund ist und die Mondlandung kein Fake war.

Eigentlich ist Hubert Zitt Dozent im Studiengang Informatik an der Hochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken. Dort hielt er 1996 seine erste Vorlesung über Star Trek. Seit 2005 ist er damit auch in anderen Städten. Mittlerweile hat Zitt mehr als 400 Vorlesungen zu dem Thema gehalten. Mit der Corona-Pandemie kam die Idee dazu, einen Vortrag zum Thema Verschwörungsmythen zu erstellen - aus Sicht der Naturwissenschaften. Am Mittwoch (22.6.22) hält er zu diesem Thema einen Vortrag an der Hochschule Kaiserslautern. Dieser wird auch als Livestream im Internet übertragen.

SWR Aktuell: Wer besucht Ihren Vortrag? Sind das eher Menschen, die schon ohnehin recht aufgeklärt sind, was Verschwörungsmythen anbetrifft? Oder sind das auch jene, die diesen Mythen Glauben schenken?

Hubert Zitt: Viele Leute interessieren sich einfach für die Argumente dieser Verschwörungsmythen. Zum Beispiel wenn jemand sowas behauptet, wie die Erde sei eine Scheibe. Ich hatte bisher noch keinen echten Verschwörungsgläubigen in diesem Vortrag, der sich als solcher geoutet hätte. Es kommen aber Leute, die erzählen, dass sie solche Probleme in der Familie oder im Bekanntenkreis haben. Die stellen sich die Frage: Wie bekomme ich diese Menschen wieder zurück in die reale Welt? Sie hören sich dann an, wie ich argumentiere und wie ich diese Mythen widerlege.

SWR Aktuell: Fast jeder hat spätestens seit Corona jemanden bei sich im Umfeld, der Verschwörungsmythen glaubt. Was denken Sie, warum das so zunimmt - und das obwohl wir in so einer aufgeklärten Zeit leben?

Zitt: Das ist eine schwierige Frage. Ich vermute, dass es damit zusammen hängt, dass Menschen aufgrund der Situation rund um Corona mehr Zeit hatten, sich mit Online-Medien zu beschäftigen und aufgrund dessen in diese Blasen reingerutscht sind. Vorher haben wir uns getroffen, sind zum Beispiel in eine Kneipe gegangen und hat mit den Leuten am Tisch geredet. Dabei gab's eben Diskussionen. Man hat sich die Meinung der anderen angehört. Durch Corona hat man plötzlich alles online gemacht und die Empfehlungs-Algorithmen, von YouTube beispielsweise, wollen einen am Bildschirm halten und empfehlen Videos, die ähnlich sind. Auf diese Weise wird man einseitig informiert und meint vielleicht irgendwann, dass die Welt so sei.

"Es kann helfen, Widersprüche in den Argumenten von Verschwörungstheoretikern zu finden. Dadurch merken sie vielleicht, dass irgendetwas nicht stimmen kann."

SWR Aktuell: Was war Ihre Motivation, einen Vortrag über Verschwörungsmythen zu erstellen?

Zitt: Das war für mich erstens, diesen absurd erscheinenden Verschwörungsmythen auf den Zahn zu fühlen. Das hat auch mich persönlich weitergebracht. Und die zweite Motivation war, ohne dabei überheblich klingen zu wollen, dass ich vielleicht durch meinen Bekanntheitsgrad dazu beitragen kann, an dieser Stelle aufzuklären.

SWR Aktuell: Um mal auf ein Beispiel einzugehen: In Ihrem Vortrag wird es auch um die Mondlandung gehen. Da besagt eine Verschwörungserzählung, dass die so gar nicht stattgefunden haben soll. Wie argumentieren Sie da?

Zitt: Da gibt's zum Beispiel das Argument der Verschwörungstheoretiker, dass die Schatten auf dem Mond nicht parallel verlaufen. Da heißt es dann, es gibt ja nur eine Sonne und wie kann das möglich sein, dass die Schatten da nicht parallel verlaufen. Es wird argumentiert, da müsste es eine weitere Lichtquelle gegeben haben. Jetzt ist es aber so: Wenn man einen dreidimensionalen Raum auf einer zweidimensionale Fläche, also auf einem Foto darstellt, gibt es einen Fluchtpunkt, auf den die Linien im Bild zu laufen. Das lernt man schon in der Schule. Das ist nichts anderes, als wenn man Bahngleise fotografiert. Die laufen auf dem Foto auch auf einen Punkt zu.

SWR Aktuell: Sie erklären das alles so, dass es auch für Menschen, die nicht aus einem naturwissenschaftlichen Kontext kommen, ganz leicht verständlich ist.

Zitt: Ja, so ist es auch gedacht. Es gibt eine Stelle im Vortrag, in der ich auch was vorrechne. Da geht es um die Verschwörungsmythe, dass die Erde eine Scheibe sei, weil man ja die Krümmung nicht sieht. Man kann aber berechnen, dass man die Krümmung der Erde nicht sehen kann. Wenn ich das vorrechne, sind die, die mit Formeln nicht so können mal kurz raus, aber die hole ich dann auch wieder ab. Es ist mir aber wichtig, nicht nur Zahlen zu präsentieren, sondern dass die Leute sehen können, dass man diese Dinge wirklich ausrechnen kann.

SWR Aktuell: Sie gehen in Ihrem Vortrag auch auf den Anschlag auf das World Trade Center in New York ein. Das ist ja ein sehr komplexer Sachverhalt. Worauf gehen Sie hier aus Sicht eines Naturwissenschaftlers ein?

Zitt: Ich gehe konkret auf das World Trade Center 7 ein. Ein Gebäude, das am 11. September 2001 angeblich gesprengt wurde. Da gab es einen Vortrag von dem Schweizer Wissenschaftler Dr. Daniele Ganser. Dieser Vortrag war lange Zeit auf YouTube zu sehen und und wurde über eine Million mal geklickt. Ganser hat darin behauptet, das Gebäude wäre gesprengt worden. In meinem Vortrag zeige ich, mit welchen unseriösen Methoden er hier vorgeht, um diese Sprengung glaubhaft zu machen.

SWR Aktuell: Was raten Sie Menschen, die sich Ihren Vortrag anhören und sich fragen, wie sie Mitmenschen erreichen, die Verschwörungsmythen glauben?

Zitt: Ich verweise auf Literatur und ich verweise immer auf die Bücher, die sich aus psychologischer Sicht damit beschäftigen, wie man mit Leuten argumentiert, die Verschwörungsmythen glauben. Ich erzähle dann auch noch ein bisschen aus den Büchern, die ich dazu gelesen habe. Es wird jedenfalls nicht funktionieren, diesen Leuten nur Fakten zu nennen. Es kann helfen, Widersprüche in den Argumenten von Verschwörungstheoretikern zu finden. Dadurch merken sie vielleicht, dass irgendetwas nicht stimmen kann.

Das Interview führte SWR-Reporterin Michelle Habermehl.

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