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Wenn Helfer aus den vom Hochwasser verwüsteten Gebieten zurückkehren, bringen sie schlimme Bilder und Eindrücke mit. Therapeutin Sibille Jatzko hilft ihnen, diese zu verarbeiten.

Auch aus der Westpfalz waren und sind viele Helfer im Norden des Landes im Einsatz, um dort zu unterstützen, wo das Hochwasser große Schäden angerichtet und unvorstellbares Leid hinterlassen hat. Solche Einsätze gehen an niemandem spurlos vorbei. Gesprächstherapeutin Sybille Jatzko aus Krickenbach bei Kaiserslautern betreut seit Jahrzehnten Menschen, die Katastrophen aller Art erlebt haben - zum Beispiel die Hinterbliebenen des Flugtagunglücks von Ramstein oder Opfer der Amokfahrt von Trier.

Mit ihrer Stiftung Katastrophen-Nachsorge kümmert sich Frau Jatzko jetzt auch um Feuerwehrleute aus Kaiserslautern, die rund um Ahrweiler im Einsatz waren. Natürlich stehe man mit den Menschen in Kontakt und es gebe auch Gespräche. Gerade am Anfang gehe es aber darum, nicht zu genau nachzufragen: "Sie sind unmittelbar nach dem Einsatz zurückgekommen. Wir gehen dann noch gar nicht viel darauf ein. Das ist ganz wichtig, denn sie müssen erstmal zur Ruhe kommen." So sollte man zum Beispiel nichts Aufregendes im Fernsehen schauen: "Man muss von der Erregung runterkommen und sich etwas Gutes tun."

Entspannungsübungen helfen beim Verarbeiten schlimmer Erlebnisse

Oft dreht sich das Gedankenkarussel erst dann, wenn man ins Bett geht. Um dann zur Ruhe zu kommen, können zum Beispiel Entspannungsübungen helfen. "Es geht immer darum, dass die Bilder und Eindrücke, die die eigene Vorstellung im Moment übersteigen, sich nicht so schnell mit dem normalen Netzwerk im Kopf vernetzen", so Jatzko. Für die Verarbeitung sei es wichtig, dass die traumatischen Bilder vom Gehirn in das "Vergangenheitskästchen" gelegt werden.

Sybille Jatzko aus Krickenbach betreiut seit 30 Jahren Opfer der Ramstein-Katastrophe (Foto: SWR)
Sybille Jatzko kümmert sich seit 1988 um Traumaopfer. (Archivbild)

"Schuldgefühle, sorgenvolles Mitempfinden, Angst, alles das wird angetriggert bei einem selbst. Das muss man mit den Eindrücken, die man gewonnen hat, im Gehirn vernetzen, damit es eine Vergangenheitsposition bekommt". Man gebe den Betroffenen Handwerkszeug an die Hand, damit sie besser damit umgehen können.

Belastende Gedanken durch Hochwasserkatastrophe

Die Helfer hätten vor Ort viele Eindrücke gewonnen und seien eventuell auch mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert gewesen. "Es sind ja auch sehr viele von der Freiwilligen Feuerwehr, die haben so etwas noch nie erlebt und auch nicht geahnt, dass so etwas auf sie zukommen könnte. Viele belastende Gedanken werden zurückbleiben und die werden sie nach und nach erst kennenlernen", erklärt Therapeutin Sybille Jatzko.

Vorsicht vor Alkohol nach Extremsituationen

Die Therapeutin warnt ausdrücklich: "Nicht anfangen, besonders Alkohol zu trinken. Alkohol kann die Bilder reduzieren und damit kann langsam eine Sucht beginnen." Dann könne es passieren, dass man ohne den Alkohol nicht mehr zur Ruhe komme.

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