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Wer mit Astrazeneca seine Erstimpfung bekommen hat, soll seine zweite mit einem mRNA-Impfstoff bekommen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko). Bei vielen Hausärzten in der Westpfalz sorgt das für Chaos und Wut.

Die sogenannte Kreuzimpfung aus einer Dosis mit Astrazeneca und der anschließenden Injektion eines mRNA-Impfstoffes wie Biontech oder Moderna soll laut Stiko deutlich wirksamer sein. Die rheinland-pfälzische Landesregierung folgt dieser Empfehlung. Deshalb sollen nicht nur die Impfzentren, sondern auch die Hausärzte künftig auf die Kreuzimpfung setzen. Das bedeutet allerdings, dass Menschen, die bereits mit Astrazeneca geimpft wurden, mit ihrer Zweitimpfung nun acht Wochen früher dran sind.

Hausarzt in Enkenbach-Alsenborn spricht von "Chaos"

Genau das sorgt bei vielen Hausärzten in der Westpfalz für "Chaos", berichtet Dr. Georg Klimek, Allgemeinmediziner in Enkenbach-Alsenborn. Die Arztpraxen müssten nun alle Patienten anrufen, die bereits einmal mit Astrazeneca geimpft wurden, um ihnen mitzuteilen, dass sie für die Zweitimpfung einen neuen Impfstoff bekommen. Außerdem müssten die ursprünglichen Termine der Zweitimpfung entsprechend vorverlegt werden. Dazu komme es zu Termin-Dopplungen mit anderen Impflingen.

Zu wenig Impfstoff und zu wenig Arbeitszeit

"Wir haben gar nicht genügend Dosen von Biontech und Moderna", berichtet Georg Klimek. "Die müssen wir jetzt nachbestellen. Hätten wir genügend Impfstoff, bräuchten wir einen Arbeitstag, der 48 Stunden hat, um mit allem durchzukommen." Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden ohnehin schon auf dem Zahnfleisch gehen.

Meisten Patienten wollen kein Astrazeneca mehr

Ähnliches berichtet Simone Schiro-Ruf, die eine kleine Arztpraxis im südwestpfälzischen Dellfeld betreibt. Mittlerweile unterstütze sie ihre Mitarbeiterinnen dabei, die Patienten anzurufen. Und das, obwohl das Wartezimmer nicht leerer wird. "Fast alle Patienten, denen wir sagen, dass sie ihre Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna bekommen, wollen auch gar kein Astrazeneca mehr", sagt Schiro-Ruf und befürchtet, auf ihren 50 Dosen des britisch-schwedischen Herstellers sitzen zu bleiben. "Die Dosen, die bereits angebrochen sind, müssen wir nach spätestens zwei Tagen wegschmeißen."

Hausärztin Simone Schiro-Ruf aus Dellfeld hat zurzeit ziemlich viel zu tun. (Foto: SWR)
Hausärztin Simone Schiro-Ruf aus Dellfeld hat zurzeit ziemlich viel zu tun.

"Kurze Impfintervalle helfen gegen Delta-Variante"

Während viele Arztpraxen in der Westpfalz die Stiko-Empfehlung kritisch sehen, hält Dr. Christian Gensch aus Zweibrücken die Kreuzimpfung für "absolut richtig". Der Facharzt für Innere Medizin hält es für sehr wichtig, die Impfintervalle generell zu verkürzen. Vor allem mit Blick auf die sich immer weiter ausbreitende Delta-Variante des Corona-Viurs. "Die Variante benötigt einen vollständigen Impfschutz, um ausreichenden Schutz zu gewährleisten."

Christoph Gensch (Foto: SWR)
Christoph Gensch arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis in Zweibrücken.

Deshalb plädiert er dafür, dass beispielsweise der Zeitraum zwischen zwei Biontech-Impfungen von fünf bis sechs Wochen auf drei verkürzt wird. "Bei uns in der Praxis versuchen wir, jede Zweitimpfung so schnell wie möglich durchzuführen." Deshalb begrüßt Gensch, dass durch die Kreuzimpfung zwischen Astrazeneca und eines mRNA-Impfstoffes der Zeitraum von zwölf auf vier Wochen verkürzt wird - auch wenn das nun für deutlich mehr Arbeit in den Hausarztpraxen sorge.

"Wir haben gerade ein Überangebot an Impfstoff, das sollten wir ausnutzen."
Christoph Gensch, Arzt aus Zweibrücken

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