Die Firma Keller bei ihren Handwerker-Arbeiten im Ahrtal (Foto: Dietmar Keller)

Interview: Donnersberger Handwerker helfen beim Wiederaufbau

"Es ist noch ganz viel zu tun im Ahrtal!"

STAND

Vor drei Monaten hat Starkregen das Ahrtal in der Eifel getroffen. Die Folge waren viele Tote, Verletzte und Schäden in Milliardenhöhe. Eine Truppe Handwerker aus dem Donnersbergkreis hilft beim Wiederaufbau.

Eine Delegation von Handwerkerinnen und Handwerkern aus dem Donnersbergkreis wird kommenden Samstag erneut ins Ahrtal fahren - nach Dernau, Resch und Mayschoss – um drei Monate nach der Flutkatastrophe zu helfen. Reiner Bauer von der Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung Donnersbergkreis koordiniert den Hilfseinsatz. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Herr Bauer, was werden Sie am Samstag im Ahrtal tun?

Reiner Bauer: "Die Gemeinde Dernau plant eine Unterkunft für ihre älteren Menschen, die gerade ohne Heimat sind. An diesem neuen Seniorenzentrum stehen Pflasterarbeiten an, die wir mit einer Gruppe von Helferinnen und Helfern aus dem Donnersbergkreis gemeinsam bewältigen wollen. Außerdem wollen wir die Verbindungen festigen, damit wir weiter zum Mithelfen und Mitmachen mobilisieren können. Denn es ist noch ganz viel zu tun im Ahrtal!"

Reiner Bauer, bei der Kreisverwaltung des Donnersbergkreises zuständig für die Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung. (Foto: SWR)
Reiner Bauer, bei der Kreisverwaltung des Donnersbergkreises zuständig für die Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung.

Wodurch ist diese Initiative entstanden?

Reiner Bauer: Das waren unsere Leute, die in den ersten Stunden schon als Einsatzkräfte vor Ort im Ahrtal waren, aber in den Hauptberufen in unseren Handwerksbetrieben unterwegs sind. Im Moment sind es schwerpunktmäßig noch die Heizungsbauer und Elektriker, die gebraucht werden, dann machen wahrscheinlich die Estrichbauer weiter, so wird es sich durch alle Gewerke ziehen.

Neben dieser Delegation, die ins Ahrtal fährt, um vor Ort zu helfen, haben Sie beim sogenannten Handwerkergipfel auch die Idee einer "Handwerkerbrücke" besprochen. Wie genau sieht die aus?

Reiner Bauer: Es wird noch einige Monate dauern, bis die "Handwerkerbrücke" an den Start geht. Sie soll in Form einer Facebook-Gruppe "Gemeinsam Mittelahr Donnersbergkreis“ als Transfer-Plattform für Hilfen, handwerkliche Dienstleistungen, Waren und Unterstützung jeglicher Art funktionieren. Es geht darum, die Kräfte zu mobilisieren, die auch in drei, vier, und fünf Monaten noch erforderlich sind. Es geht darum, dass Handwerker sich auf den Weg machen, für sich erkennen, dass sie Teil Deutschlands größter Wiederaufbau-Baustelle werden können. Dass es nicht nur eine Position im sowieso schon vollen Auftragsbuch ist, sondern ein persönlicher Gewinn, da mitzumachen – übrigens auch ein Imagegewinn für die Betriebe, gerade wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen.

Die Firma Keller bei ihren Handwerker-Arbeiten im Ahrtal (Foto: Dietmar Keller)
Die Firma von Dietmar Keller aus Münsterappel hat sich auf Heizungsbau und Sanitärinstallation spezialisiert und hilft im Ahrtal Flutopfern dabei, die Häuser für den Winter fit zu machen. Dietmar Keller

Das Handwerk kämpft schon seit Jahren gegen den Fachkräftemangel. Inwiefern ist die "Handwerkerbrücke" und die Hilfe im Ahrtal da ein Instrument für Sie, junge Menschen zu gewinnen?

Reiner Bauer: Das Handwerk leidet ja die ganze Zeit schon unter Fachkräftemangel. Und da muss man gegensteuern. Unter anderem mit Image-Marketing fürs Handwerk und da kann gerade das Projekt Ahrtal eine Profilierungsbaustelle sein. Denn im Ahrtal sind auch junge Menschen und bauen mit auf. Das schafft Nähe zur handwerklichen Arbeit. Und vielleicht ebnet es den Weg in ein berufliches Orientierungsjahr im Handwerk.

Frau räumt Unrat nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal auf (Foto: imago images, imago0126577850h/SWR)

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz - Ein Dossier

Unvorstellbare Wassermassen haben in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 die Region Trier und das Ahrtal in der Eifel getroffen. Die Folgen: Viele Tote und Verletzte und Schäden in Milliardenhöhe.

Rheinland-Pfalz

Die Lage im Flutgebiet Hochwasser-Live-Blog in RLP: "Klangwelle" sammelt 200.000 Euro für das Ahrtal

Die Aufräumarbeiten nach der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli kommen voran. Bis zur Normalität ist es aber noch ein langer Weg. Unterdessen ist auch die politische Aufarbeitung im Gange. Hier die aktuelle Lage:  mehr...

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz Hochwasser 2021: Alle betroffenen Orte auf einer Karte

Unvorstellbare Regenmengen haben am 14. und 15. Juli 2021 zur größten Naturkatastrophe in der Geschichte von Rheinland-Pfalz geführt. Auf unserer Karte zeigen wir die betroffenen Orte.  mehr...

Ahrweiler, Antweiler, Altenahr, Schuld, Insul, Bad Neuenahr-Ahrweiler

SWR-Datenanalyse zur Flutkatastrophe an der Ahr Noch 2 Vermisste - Aktuelle Daten und Fakten

Mehr als 130 Tote, Tausende sind obdachlos. Hunderte Gebäude sind weggerissen. Satellitenbilder zeigen annähernd, wie groß die Zerstörung an der Ahr ist. Eine SWR-Datenanalyse.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Ahrtal, Eifel und Trier-Ehrang Drei Monate nach der Flutkatastrophe - Wiederaufbau und Wegzug

Vor drei Monaten hat die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz 134 Menschen das Leben gekostet, Häuser und Existenzen zerstört. Der Wiederaufbau im Ahrtal, in der Eifel und in Trier-Ehrang dauert noch immer an.  mehr...

Kaiserslautern

Verarbeitung nach der Flut-Katastrophe Therapeutin: "Belastende Gedanken werden bleiben"

Wenn Helfer aus den vom Hochwasser verwüsteten Gebieten zurückkehren, bringen sie schlimme Bilder und Eindrücke mit. Therapeutin Sibille Jatzko hilft ihnen, diese zu verarbeiten.  mehr...

STAND
AUTOR/IN