STAND

Die Gläubigerversammlung des insolventen Kranherstellers Tadano in Zweibrücken hat dem Sanierungsplan zugestimmt - mit fast 100 Prozent. Damit ist der Weg für eine Neustrukturierung des Unternehmens frei.

Zentraler Punkt des Sanierungsplanes: Ein Schuldenschnitt. Tadano steht bei Banken, Zulieferern, der Stadt und der Arbeitsagentur mit insgesamt etwa 130 Millionen Euro in der Kreide. Die Gläubiger verzichten mit ihrer Zustimmung zum Sanierungsplan auf mehr als 115 Millionen Euro und bekommen nur gut 12 Millionen Euro ihrer Forderungen zurück.

Arbeitsplätze in Zweibrücken sollen erhalten werden

Hätten sie nicht zugestimmt, hätte Tadano entweder verkauft werden oder aber im schlimmsten Fall sogar schließen müssen. Und dann wären nicht nur die Gläubiger komplett leer ausgegangen, sondern es hätten weitere 1.200 Menschen in der ohnehin schon strukturschwachen Südwestpfalz ihren Job verloren.

400 Mitarbeiter wurden in Zweibrücken bereits entlassen

Längst beschlossen und auch schon durchgeführt hat das Unternehmen einen ersten Schritt, um Tadano wieder auf die Füße zu stellen: Bereits im Januar hatte Tadano 400 Mitarbeiter entlassen. Wer von diesen 400 Mitarbeitern das Unternehmen nicht freiwillig verlassen hat, der hat Ende Januar seine Kündigung bekommen. Für die Mitarbeiter war der Stellenabbau ein Schock. Da gelte es nun auch Ängste abzubauen, sagt Tadano-Personalchef Frank Schättle. Im Zuge des Stellenabbaus seien weniger Stellen gestrichen worden, als nötig.

Tadano in Zweibrücken soll in Zukunft effizienter arbeiten

Tadano will mit dem Sanierungskonzept vor allem doppelte Strukturen abschaffen, um das Unternehmen wieder rentabel zu machen. Erst vor zwei Jahren hatte Tadano den Zweibrücker Kranbauer Terex übernommen. Dadurch wuchsen zwei ehemalige Konkurrenten – nämlich Terex und Faun – zu einem Unternehmen zusammen. Und genau da will die Geschäftsleitung jetzt ansetzen: Die Unterwagen der Autokräne sollen beispielsweise künftig im bayrischen Lauf bei Tadano-Faun gebaut werden. In Zweibrücken sollen dagegen die Auflieger und die eigentlichen Krankonstruktionen entstehen. Auch die Mitarbeiter dürften sich nicht mehr als ehemalige Konkurrenten sehen, sondern müssten an einem Strang ziehen.

Zusammenschluss große Herausforderung

Der Zusammenschluss von Tadano-Faun und Tadano-Demag ist in vielen Bereichen eine Herausforderung. Unter anderem arbeiten die Werke mit unterschiedlichen Computersystemen, die nun aufeinander abgestimmt werden müssen. Zudem sollen ähnliche Kran-Modelle, die bisher parallel gebaut wurden eingestampft und künftig nur noch das überzeugendere der beiden Modelle gebaut werden - oder aber gleich komplette Neuentwicklungen, erklärt Tadano-Geschäftsführer Jens Ennen.

Insolvenzverfahren bald beendet

Mit der Zustimmung der Gläubiger zum vorgelegten Sanierungsplan, kann Tadano nach eigenen Angaben auch planmäßig, zum Ende des ersten Quartals 2021 das Schutzschirmverfahren verlassen. Damit wäre dann das Insolvenzverfahren in Eigenregie abgeschlossen. Seinen Sanierungsplan zur Optimierung der Fertigungsabläufe will Tadano nach eigenen Angaben in zwei Jahren umgesetzt haben.

Das Tadano-Werk in Zweibrücken, ehemals Terex (Foto: Terex (Archivbild))
Heute Tadano, zuvor Terex. Luftbild des Kranwerks in Zweibrücken. (Archivbild) Terex (Archivbild)

Corona hat Probleme bei Tadano verstärkt

Während der Corona-Pandemie hatte Tadano mehrfach die Produktion herunterfahren müssen. Zeitweise konnten Mitarbeiter aus Frankreich nicht oder nur schwer zur Arbeit kommen, weil die Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen waren. Zwischenzeitlich stand die Produktion im Werk in Zweibrücken auch komplett still.

Zweibrücken

400 Stellen in Gefahr Gewerkschaft redet mit Tadano-Mitarbeitern in Zweibrücken

Die Gewerkschaft IG Metall hat bereits mit 150 Tadano-Mitarbeitern aus Zweibrücken gesprochen, die von einer Kündigung bedroht sind. Der Kranbauer hatte vor einer Woche angekündigt 400 der knapp 1.600 Stellen in Zweibrücken zu streichen.  mehr...

Am Mittag SWR4 Radio Kaiserslautern

Zweibrücken

Nach Stellenabbau Rechtliche Schritte für Tadano-Beschäftigte noch nicht möglich

Der Kranhersteller Tadano in Zweibrücken baut rund 400 Stellen ab. Die betroffenen Beschäftigten können aber noch keine rechtlichen Schritte einlegen, sondern müssen abwarten, was das Unternehmen als nächstes tut.  mehr...

Am Mittag SWR4 Radio Kaiserslautern

Zweibrücken

Kommentar zum Stellenabbau "Tadano in Zweibrücken setzt Mitarbeitern die Pistole auf die Brust"

Bei Tadano in Zweibrücken verlieren wahrscheinlich 400 Mitarbeiter ihren Job. Insgesamt arbeiten beim größten Arbeitgeber der Stadt 1.600 Menschen. Ein Kommentar von SWR-Reporter Andreas Kahlmeyer.  mehr...

STAND
AUTOR/IN