Svetlana aus der Ukraine ist in die Pfalz in ein ehemaliges Hotel auf dem Potzberg geflüchtet. (Foto: SWR)

Auf dem Potzberg sicher vor dem Krieg

Tränenreiche Flucht aus der Ukraine: 23 Frauen mit Kindern in altem Hotel untergebracht

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Nadine Lindacher
Bild von Nadine Lindacher, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Ein ehemaliges Hotel auf dem Potzberg im Landkreis Kusel ist für 23 Frauen und ihre Kinder aus der Ukraine zur Zuflucht vor dem Krieg geworden. Mit den ersten Bomben beginnt ihre Flucht.

Svetlana kann ihre Tränen nicht zurückhalten, als sie von der Flucht aus ihrer Heimatstadt Kiew erzählt. Am 24. Februar hört sie die ersten Explosionen, nicht weit weg von ihrer Wohnung. Ihre beiden Töchter, sechs und 16 Jahre alt, schrecken in ihren Betten hoch. Panik macht sich breit. Sofort verlässt die kleine Familie ihre Wohnung im 14. Stock eines Hochhauses und sucht Schutz in einer Metrostation.

"Wir haben noch in der Nacht die Entscheidung getroffen, dass wir aus der Stadt raus müssen", berichtet Svetlana. Ihr Weg führt sie in eine 70 Kilometer entfernte Stadt, in der Hoffnung, hier sicher zu sein. Schnell kommt es aber auch hier zu Kampfhandlungen. Wieder bleiben der Familie nur die unterirdischen Metroschächte, um vor den Angriffen geschützt zu sein.

Spielzeug-Raum im Hotel auf dem Potzberg am beliebtesten

Hoffnung macht eine Freundin Svetlanas aus der Pfalz: Ihr gehört das ehemalige Hotel auf dem Potzberg bei Kusel. Sie lädt Svetlana und ihre Familie ein, zu ihr zu kommen, um in Sicherheit zu sein. Aus der Ukraine geht es über Ungarn und Österreich bis in die Westpfalz. Zusammen mit 23 anderen geflüchteten Frauen und neun kleinen Kindern ist sie hier in Sicherheit.

In dem ehemaligen Hotel lagern zahlreiche Spenden von Einheimischen, die helfen wollen. Neben Kleidung, Hygieneartikeln und Lebensmitteln gibt es auch einen Raum voller gespendetem Spielzeug. "Den mögen die Kinder am liebsten", sagt Svetlana.

Kinder nachts von Angst und Albträumen geplagt

Tagsüber könnten sich die Kinder, vor allem die Kleinen, gut ablenken. Es gibt genügend Spielzeug und Spielkameraden. Aber vor allem abends, wenn die Kinder zur Ruhe kämen, kommen die Angst und die Albträume. Svetlana erzählt, dass ihre sechsjährige Tochter auf der Flucht stark gezittert hat und verängstigt war.

Sachspenden für die Frauen aus der Ukraine lagern in einem ehemaligen Hotel bei Kusel. (Foto: SWR)
In dem ehemaligen Hotel auf dem Potzberg bei Kusel sind 23 Frauen aus der Ukraine mit ihren Kindern untergekommen. In den Räumen werden auch zahlreiche Sachspenden gelagert.

Um das Mädchen abzulenken, hat sie ihr Geschichten erzählt. Aber die Kleine bekommt schon mit, was passiert. Sie fragt jeden Tag nach Ihrem Papa, der in der Ukraine geblieben ist, um seine Heimat zu verteidigen. Die Kinder haben jeden Tag Kontakt zu ihm, sagt sie. Die Angst sitze aber tief. Bei jedem lauteren Geräusch, auch hier auf dem Potzberg, schrecken die Frauen und Kinder zusammen. Immer wieder fließen Tränen. Die Angst, dass sie der Krieg bis hierher verfolgt haben könnte ist da, sagt Svetlana.

Hotel ohne fließendes Wasser und Heizung

Obwohl die Frauen mit ihren Kindern auf dem Potzberg in Sicherheit sind, ist die Wohnsituation schwierig. Weil das ehemalige Hotel sehr lange leer stand, gibt es aktuell kein fließendes Wasser und auch keine funktionierende Heizung. Mit kleineren Gas- und Holzöfen kämpfen die Frauen gegen die Kälte. Die Eigentümerin der Unterkunft bittet Freiwillige zu helfen, das Nötigste wieder in Stand zu setzen, damit sich die Situation für die Geflüchteten verbessert. Zum Duschen nutzen sie momentan die nahe gelegenen Sanitäranlagen eines Sportplatzes.

Am vergangenen Wochenende kamen neue Flüchtlinge auf den Potzberg. Sie hatten nichts bei sich, außer der Kleidung, die sie am Leib hatten, erzählt Svetlana. Genauso erging es auch ihr auf der Flucht. Zeit zum Packen blieb nicht. Die Frauen seien deshalb sehr dankbar für die vielen Spenden und die Hilfe, die sie bekommen.