Der Angeklagte und das Gericht im Saal des Landgerichtes Kaiserslautern (Foto: SWR)

Angeklagter räumt Vorwürfe ein

Doppelmord-Prozess Weilerbach: "Ich war wie eine Tötungsmaschine!"

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Im Doppelmord-Prozess am Landgericht Kaiserslautern hat der Angeklagte die Vorwürfe gegen ihn eingeräumt. Er soll im März in Weilerbach seine Mutter und deren Lebensgefährten mit einer Axt getötet haben.

Der 38 Jahre alte Angeklagte aus Weilerbach wollte selbst nicht reden. Er ließ seine Einlassung durch seinen Rechtsanwalt verlesen, folgte den Ausführungen aufmerksam und machte sich zahlreiche Notizen. Der Mann gab durch seinen Anwalt an, sein ganzes Leben auf dem Hof verbracht zu haben, auf dem der Doppelmord passiert sein soll. Da seine Eltern getrennt lebten, habe er bereits früh die Rolle des Mannes im Haus übernommen. Als der Lebensgefährte der Mutter auf dem Anwesen einzog, habe sich der Angeklagte zurückgesetzt gefühlt.

Schlafstörungen wegen finanzieller Probleme

Dennoch sei er dort wohnen geblieben. Er habe zwar keine Miete gezahlt, dafür aber Umbaumaßnahmen am Haus in Höhe von rund 160.000 Euro bezahlt. Schließlich sei die Gründung seiner Handwerker-Firma erfolgt, die er als zweitgrößten Fehler seines Lebens bezeichnete. Er sei ein guter Handwerker, aber kein guter Geschäftsmann. Die Firma sei schnell den Bach heruntergegangen. Durch die finanziellen Probleme habe er an massiven Schlafstörungen gelitten. Er habe bereits zu Beginn des Jahres gewusst, dass er Insolvenz anmelden müsse.

Mann aus Weilerbach jahrelang von Stiefvater beleidigt worden?

Zeitgleich sei auch die Situation zu Hause immer schlimmer geworden. Dass ihn der Stiefvater als faul und unfähig bezeichnete, habe ihn erheblich verletzt. Es sei häufiger zu Streitigkeiten zwischen dem Lebensgefährten der Mutter und dem Angeklagten gekommen, worunter auch das Verhältnis zu seiner Mutter gelitten habe. Der Stiefvater soll im Streit geäußert haben, dass er wisse, dass der 38-Jährige ihn umbringen wolle.

Angeklagter "wie ein unter Druck stehendes Fass"

An dem Tag der Taten sei er wie ein unter Druck stehendes Fass gewesen und wegen seiner beruflichen und privaten Situation immer wütender geworden. Schließlich habe er den Entschluss gefasst, bei zwei seiner Geschäftspartner Brände zu legen, da er ihnen eine Mitschuld daran gab, dass seine Firma vor der Pleite stand. Er gab an, dass er dadurch niemand verletzen wollte. Stattdessen sollten die beiden Männer durch die Brände vor allem finanziellen Schaden erleiden, damit es ihnen genauso ginge, wie dem Angeklagten, der finanziell vor dem Ruin stand.

Ein großes Haus steht an einer Straße. (Foto: SWR)
In diesem Gehöft in Weilerbach soll der Angeklagte seine 60-jährige Mutter und deren 65 Jahre alten Lebensgefährten getötet haben.

Axt machte aus ihm eine Tötungsmaschine

Nachdem er die Brände gelegt hatte, sei er zurück auf das Anwesen in Weilerbach gefahren und habe dort zufällig seine Mutter im Hof getroffen, weil sie mit dem Hund nach draußen wollte. Zu diesem Zeitpunkt habe er nie vorgehabt, zu töten. Er bat sie darum, den Hof nicht zu verkaufen, weil es das zu Hause seiner Familie sei. Daraufhin habe sie nur hämisch gelacht. Sein Blick sei dann auf die Axt in der Garage gefallen und er habe die Frau damit getötet. Mit der Axt in der Hand habe er wie eine Tötungsmaschine funktioniert und er habe genau gewusst, was er tat. Der Hund habe nicht versucht, sein Frauchen zu verteidigen, sondern sei nur aufgeregt gewesen.

Stiefvater im Schlaf erschlagen

Anschließend sei der Angeklagte in das Schlafzimmer seiner Mutter gegangen, wo sein Stiefvater gelegen habe. Ihn habe er, ebenfalls mit der Axt, im Schlaf erschlagen. Danach habe er die Leiche seiner Mutter ins Schlafzimmer geschleppt und neben ihren toten Lebensgefährten gelegt. Der 38-Jährige ließ durch seinen Anwalt wissen, dass er nach der Tat wieder in den Hof gegangen sei, den Hund gestreichelt und in den Zwinger gebracht habe. Da seine Frau und sein Sohn noch in der Wohnung auf dem Grundstück waren, habe er nicht gewusst, wie er seine Spuren beseitigen sollte, ohne dass es jemand bemerkt. Am nächsten Morgen begann für den Angeklagten eine mehrtägige Flucht, bis er sich schließlich der Polizei stellte.

"Größter Fehler meines Lebens"

Der Mann gab an, dass er auf seine Frau hätte hören und von dem Anwesen hätte wegziehen sollen. Er habe auch keine Entschuldigung für die weiteren Angehörigen der Nebenklage, weil der Tod nicht zu entschuldigen sei. Er bezeichnete die mutmaßlichen Morde als den größten Fehler seines Lebens. In dem Prozess sollen noch in dieser Woche die Plädoyers gehört werden. Mit einem Urteil ist Mitte Oktober zu rechnen.

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