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Hülya Süzen ist deutsche Soldatin, Muslima und hat sowohl türkische als auch kurdische und arabische Wurzeln. Sie arbeitet auf der Air Base in Ramstein.

Hülya bezeichnet sich selbst als "Deutsche Plus". Kaum jemanden beschreibt der Begriff "vielseitig" so gut wie sie. Sie ist Berufssoldatin, spricht fünf Sprachen und ist ehemalige Profi-Boxerin. Die heute 38-Jährige ist in Deutschland geboren, beide Eltern stammen aus der Türkei. Als Älteste von sechs Kindern lernte sie schon früh, was es bedeutet, Verantwortung übernehmen zu müssen und sich um andere Menschen zu kümmern.

Das führte auch zu ihrem Berufswunsch: Sie wollte etwas tun, mit dem sie Menschen beschützen kann. Hülya war fasziniert von Rittern und so kam sie auf die Idee, Soldatin werden zu wollen. Aber als muslimische Frau zur Bundeswehr? Ein Vorhaben, das in ihrer kurdischen Großfamilie zunächst mit wenig Begeisterung aufgenommen wurde. Darüber spricht sie auch in der neuen Folge des SWR-Youtubeformats "naber? was geht!".

"Mir wurde gesagt, dass Mädchen kein Soldat werden dürfen. Da hab‘ ich gesagt, dass ich dann eben die Erste bin."

Die Bundeswehr hat sich zu einer vielfältigen Truppe entwickelt

"Am Anfang bin ich aufgefallen wie ein bunter Hund. Als ich das erste Mal in die Truppenküche kam, wurde quer durch die Küche "Moslemkost" gebrüllt." Große Unterstützung erfuhr sie in dieser Zeit durch ihren Vater.

Inzwischen ist Hülya seit 17 Jahren bei der Bundeswehr. In dieser Zeit hat sie eine starke Entwicklung beobachtet. Frauen sind beim Bund längst keine Seltenheit mehr. Heute ist die Bundeswehr vielfältig und bunt. Zuletzt arbeitete Hülya mehrere Jahre in der Zentralen Ansprechstelle für andere Glaubensrichtungen im Zentrum Innere Führung und beriet Soldaten und Soldatinnen anderer Glaubensrichtungen, baute ein Netzwerk kultureller Vielfalt auf: "Es haben sich zwölf verschiedene Religionen bei uns gemeldet."

Wenn der Ehemann das Konto leerräumt

Auch privat hat Hülya einiges erlebt: Als sie aus einem Auslandseinsatz im Kosovo zurückkam, hatte ihr Ex-Mann die Wohnungsschlösser ausgetauscht und das Konto leergeräumt. Hülya musste neu anfangen, fing an zu boxen. Bis zum Profi-Boxkampf schaffte sie es – und erlitt im Training für einen wichtigen Wettkampf eine Hirnblutung.

Hülya Süzen (Foto: SWR)
Hülya Süzen arbeitet im NATO-Hauptquartier Allied Air Command auf dem US-Flugplatz in Ramstein.

Heute sagt sie darüber: "Das war das Beste, das mir hätte passieren können. Das hat mich dazu gebracht, dass ich gesagt habe: Ich habe mein Gehirn fahrlässig und unachtsam in Gefahr gebracht. Jetzt fördere ich es auch." Von nun an konzentrierte sie sich auf ihren Beruf und ihre akademische Bildung: Sie fing an zu studieren, hat heute mehrere Hoschul-Abschlüsse, unter anderem einen Master in Diversity-Management.

Aktuell arbeitet Hülya als Analystin im NATO-Hauptquartier Allied Air Command auf dem US-Flugplatz in Ramstein. Hülya will anderen Frauen Mut machen: "Traut Euch! Wagt es, Dinge anzugehen und macht euch niemals kleiner als ihr seid."

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