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Bianka und Will Pfannenstiel aus Ramstein sind eine typisch deutsch-amerikanische Familie: zwei Kinder, ein Hund. Und wenn es um Politik geht, fliegen auch mal die Fetzen.

Will und Bianka Pfannenstiel sitzen am Esstisch in ihrem Haus in Ramstein, einen Steinwurf weit weg von der Airbase und sind immer noch ein bisschen überrascht: Fernsehen, Zeitungen, Radio - alle haben sich in den vergangenen Wochen bei ihnen gemeldet, um im Vorfeld der US-Wahl eine deutsch-amerikanische Familie zu porträtieren.

"Langsam ist es fast normal, dass wir angerufen werden", lacht Will. Seine Frau freut sich über das Interesse an dem deutsch-amerikanischen Zusammenleben in der Region. "Wir wohnen in Ramstein, für uns ist das normal. Wenn sie um fünf Uhr hier stehen, dann hören sie die deutsche und amerikanische Nationalhymne im Garten, weil der Wind rüber weht. Wenn meine Mutter hier steht, denkt die: 'Was geht denn hier ab?' Das ist natürlich schon ein anderes Leben!"

US-Stützpunkt Ramstein in der Pfalz (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ramstein ist Dreh- und Angelpunkt für die USA in Europa. (Archivbild) Picture Alliance

"Klein-Amerika" in Ramstein

Wer durch Ramstein fährt, sieht fast an jeder Straßenecke ein breites, amerikanisches Auto, hier und da weht eine US-Flagge im Garten, in den Restaurants sind Speisekarten auf Deutsch und Englisch gedruckt. Die Pfannenstiels haben in den vergangenen Jahren sowohl in den USA als auch in Deutschland gelebt. Als Will aus der Armee ausgeschieden ist, war aber schnell klar: Ihre gemeinsame Zukunft liegt in Ramstein!

"Ich gehe am Sonntag bei den Amerikanern einkaufen und kann dann am Tag danach bei den Deutschen einkaufen. Man hat hier schon beide Welten recht nah beieinander", freut sich Bianka Pfannenstiel. Ein weiterer Vorteil sei, dass so viele Menschen hier Englisch sprechen. "Jede Verkäuferin spricht Englisch", meint Will. "Auch, wenn ich sie auf Deutsch anspreche, bekomme ich die Antwort auf Englisch!"

Sohn Gavin hat erstmals bei US-Wahl mitgemacht

Ihre Kinder Joanna und Gavin sind zweisprachig aufgewachsen, die beiden haben die deutsche Schule besucht. Gavin ist inzwischen 20 Jahre alt und hat gerade zum ersten Mal seine Stimme bei einer US-Wahl abgegeben. Entsprechend viel wurde im Hause Pfannenstiel vorab diskutiert - wobei eigentlich immer diskutiert wird, erzählt Bianka lachend. "Seit 20 Jahren diskutieren wir fast täglich, auch über politische Sachen."

Dabei kann es schon heftig zugehen: "Wir kommen aus unterschiedlichen Kulturen", betont Bianka. "Der Will sagt immer: 'Ich lasse mir von niemanden sagen, was ich zu tun habe.' So ist er halt auch aufgewachsen, auf einer Farm in Kansas. Ich komme halt von der ganz anderen Seite: Mein Vater war Kriegsdienstverweigerer, ich bin in der SPD." Nach den Terroranschlägen vom 11. September, mit Beginn des Irak-Kriegs hatten sich die beiden sogar angeschrien, erinnert sich Bianka. "Wir nähern uns in manchen Bereichen an, in anderen werden wir nie zusammenfinden, aber das ist auch okay."

Landstuhl mit dem Flughafen Ramstein im Hintergrund (Foto: SWR)
In und um Kaiserslautern leben etwa 50.000 US-Amerikaner mit ihren Familien.

Deutsch-amerikanischer Stammtisch für besseres Miteinander

Hauptsache, der Umgang bleibt respektvoll und fair - das wünschen sich die Pfannenstiels auch für den Umgang von Deutschen und US-Amerikanern in Ramstein. Deshalb haben sie einen Stammtisch gegründet, wo man sich begegnen und wo man diskutieren kann. Dass beispielsweise viele Amerikaner automatisch auf ihren US-Präsidenten reduziert werden, ärgert Bianka und Will sehr.

"Ich sag auch, dass ich ihn nicht mag, die Art und Weise, wie er Dinge angeht. Aber trotzdem informiere ich mich, was positiv ist und was ist negativ", betont Bianka. Ihr Mann Will hat auch eine klare Meinung: "Als Präsident mag ich ihn nicht. Da waren Dinge, die er am Anfang gesagt hat, da dachte ich: 'Das könnte gut gehen'. Aber dann kann er seinen Mund nicht halten... Das finde ich nicht so gut." Will Pfannenstiels Fazit zu seinem Präsidenten? "I'm not impressed."

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