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Konrad „Conny“ Plank steht in der Musikszene für innovative Sounds, die eine ganze Generation geprägt haben. Seine Heimatstadt Kaiserslautern widmet ihm jetzt eine Ausstellung.

Vor allem im Krautrock und im Electronic Rock gilt Musikproduzent Conny Plank als Pionier. Im vergangenen Jahr wäre er 80 geworden. Deshalb widmet ihm Kaiserslautern noch bis zum 12. September eine kleine, intime Ausstellung in der Fruchthalle.

In den 1970er und 80er Jahren findet sich der Name Conny Plank auf zig nationalen und internationalen Plattencovern. Musiker pilgerten zu ihm auf der Suche nach neuen Klangwelten, nach bis dato ungehörten Sound-Kombinationen. Und Plank, der Sound-Pionier aus dem kleinen Hütschenhausen, nahe Kaiserslautern, schuf sie. Die Ausstellung in der Fruchthalle in Kaiserslautern besteht aus privaten Fotos, goldenen Schallplatten und passender Musik auf Mp3-Playern. Auf schwarz-weiß Bildern ist beispielsweise der junge, jazzende Conny zu sehen mit seiner Band, den "Barbarossa Castle Stompers". Eine Gitarre in der Hand, eine Zigarette lässig im Mund.

Conny Plank im Turnerheim Kaiserslautern (Foto: Stadtarchiv Kaiserslautern)
Conny Plank mit Band bei einem Auftritt 1963 im Turnerheim Kaiserslautern. Stadtarchiv Kaiserslautern

Unterschiedlicher Musikgeschmack im Hause Plank

Conny Planks Sohn Stephan ist überzeugt: Diese Zeit hat seinen Vater maßgeblich geprägt. "Mein Vater ist 1940 geboren, in der Nachkriegsgenration groß geworden und hat hier sehr viel Troop-Entertainment abgekriegt. Er hat immer davon gesprochen, dass er in Kaiserslautern „geeicht“ wurde. Er hat immer sehr viel Jazz gehört, was natürlich auch zu Dissonanzen zu Hause geführt hat, weil sein Vater Kirchenmusiker war. Aber zum Schluss hat mein Großvater Duke Ellington auch anerkannt und man hat sich darauf geeinigt, dass das dann doch Musik ist und sehr viel Spaß macht."

Stephan Plank, Sohn von Krautrock-Legende Conny Plank (Foto: SWR)
Conny Planks Sohn Stephan neben der Goldenen Schallplatte aus der aktuellen Ausstellung.

Duke Ellington war es auch, der Conny Plank den musikalischen Ritterschlag gegeben hat: Der experimentierfreudige Toningenieur war nach einem drögen Job beim Saarländischen Rundfunk nach Köln gegangen und arbeitete dort als Mitarbeiter des Rhenus-Tonstudios, als die Jazzgröße durch Deutschland tourte. In Köln suchte Duke Ellington einen Raum zum Proben - und traf dort auf den jungen Plank.

"Danach stand mein Vater mit zwei Mikrofonen gezückt da, ob man nicht noch was aufnehmen sollte. Und Duke Ellington hat gesagt: "Ja, sehr gerne." Und dann haben sie etwas aufgenommen. Und dann hat Duke Ellington sich das angehört und gesagt: "Young man, you're doing a good sound!"". Daraufhin wagte Conny Plank den Schritt zum eigenen Tonstudio, das er 1974 in Wolperath, nahe Köln, in einem alten Bauernhof einrichtete. Nächtelang sollte er dort in einem ehemaligen Schweinestall tüfteln; immer mit dem Ziel, den authentischen Sound der Künstler zu finden, die zu ihm kamen.

Conny Plank, der "Mr. Sound"

Auf den Fotos in der Kaiserslauterer Ausstellung sitzt er beispielsweise tief in seiner Arbeit versunken neben Annie Lennox und Dave Stewart von "Eurythmics". Mit Brian Eno diskutiert er zusammen am Küchentisch. Gleich mehrere Alben hat Plank mit dem ehemaligen Mitglied von „Roxy Music“ produziert. Keine Collage war dem Tonmeister zu aufwändig, kein Sound-Experiment zu gewagt. Bei den Aufnahmen fürs Kraftwerk-Album „Autobahn“ hat Plank beispielsweise die Geräusche vorbeifahrender Autos eingesetzt. Und auch zirpende Grillen sollen schon ihren Weg in "Connys Studio" gefunden haben.

Stephan Plank: "Im Ausland hat mein Vater den Spitznamen "Mr. Sound". Mein Vater hat das schnoddriger ausgedrückt und gesagt: "Jede Band kriegt den Sound, den sie verdient." Mein Vater hatte die Gabe, nicht ein übergeordnetes Ego auf die Band drauf zu legen, sondern der Band zu ihrem Sound zu verhelfen."

Ein Korb für David Bowie

Mit seinem eigenen Tonstudio konnte es sich Plank leisten, die Künstler auszusuchen, mit denen er zusammenarbeitete. Mitte der 1970er Jahre gab er beispielsweise Superstar David Bowie einen Korb. Als dieser später mit der New Wave-Band "Devo" für eine Produktion bei ihm anklopfte, willigte Plank ein. "Meine Mutter ist immer für die Musiker einkaufen gegangen und David Bowie ist mitgekommen. Für mich war das niemand Besonderes; ich fand's nur faszinierend, wie er es wahnsinnig genossen hat, die Gänge im Supermarkt auf- und ab zu flanieren und dabei zu rauchen. Ich glaube, für ihn war es völlig unfassbar, wie anonym er in Wolperath sein konnte."

Es sollte Heinz Rudolf Kunze werden, mit dem Conny Plank 1985 den größten kommerziellen Erfolg hatte: Die goldene Schallplatte für "Dein ist mein ganzes Herz" landete an einer Wand im Gäste-Klo in Wolperath. 1987 starb Conny Plank an Krebs. Sein legendäres Tonstudio in Wolperath ist längst abgerissen – doch sein Vermächtnis lebt ewig weiter auf Vinyl.

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