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Der Amtsschimmel trabt mal wieder - sogar bei Corona-Impfungen in Seniorenheimen, wo keine Zeit vergeudet werden dürfte. Das Wichern-Haus in Zweibrücken stöhnt unter den Auflagen.

Im Johann-Hinrich-Wichern-Haus in Zweibrücken leben rund 140 Menschen, die von 160 Mitarbeitern betreut und gepflegt werden. Damit dort gegen Corona geimpft werden kann, muss sich die Einrichtung impfbereit melden. Damit verbunden ist aber ein riesiger bürokratischer Kraftakt, erklärt der Leiter des Wichern-Hauses, Raphaël Baumann.

Bis zu 3.000 Seiten müssen die Seniorenheime abheften

Zunächst müssten alle Bewohner und Mitarbeiter gefragt werden, ob sie geimpft werden möchten. Dann muss das Seniorenheim die Impfbereitschaft dem Land melden und bekommt dann Dokumente für die zu Impfenden. Das sind pro Person bis zu zehn Seiten, zum Beispiel mit Informationen zu Nebenwirkungen. Diese Infos müssen die Impfwilligen lesen und ihnen zustimmen. In einem großen Seniorenheim können das insgesamt bis zu 3.000 Seiten sein, die in Ordner abgeheftet werden müssen.

Noch mehr Bürokratie bei Demenzerkrankten

Bei Demenzerkrankten wird es noch schwieriger. Für sie müssen die Angehörigen entscheiden oder ein gesetzlicher Vormund oder auch der Hausarzt. Das jeweilige Seniorenheim muss sich darum kümmern, dass diese Einwillligungen vorliegen. Aber jetzt, zwischen den Jahren, haben viele Hausärzte zu. In diesen Fällen muss Raphaël Baumann nach anderen Lösungen suchen.

Das Wichern-Haus in Zweibrücken konnte auf ein externes, freiwilliges Ärzteteam zugreifen. Dazu gehörte unter anderem der Zweibrücker Arzt und CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Gensch. Nur deshalb ist das Wichern-Haus schon seit Weihnachten impfbereit. Bis zum Dienstag fehlte aber schlicht und einfach der Impfstoff.

Impfbereites Wichern-Haus in Zweibrücken darf auf Impfdosen hoffen

Der Impfstoff wird nämlich vom Land verteilt. Bisher bekam nur der Kreis Kusel wegen der hohen Inzidenzzahl Impfdosen geliefert. Das aber hat sich jetzt geändert, künftig sollen alle impfbereiten Senioren- und Pflegeheim den Impfstoff bekommen können. Deshalb ist am Dienstagnachmittag der erste Impfstoff in Zweibrücken angekommen. Die Stadt Zweibrücken hat angekündigt, noch am Abend erste Impfungen durchzuführen - im Wichern-Haus und dem DRK-Alten- und Pflegeheim in Mörsbach.

Dann werden mobile Impfteams in die Einrichtungen geschickt. Anderen Einrichtungen in Zweibrücken sollen zeitnah folgen.

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