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Überflutete Wohnungen, Keller und Garagen sind in Eisenberg im Donnersbergkreis keine Seltenheit. Die Stadt möchte dagegen vorgehen und die Bürgerinnen und Bürger wollen helfen.

"Einen hundertprozentigen Schutz vor Hochwasser und Starkregen kann es nicht geben", sagt der Ingenieur Martin Cassel von der Firma Obermeyer in Kaiserslautern. Er und seine Kollegen arbeiten momentan an dem Hochwasservorsorgekonzept für die Stadt Eisenberg. Beim ersten Bürger-Workshop ging es darum, Ideen und Vorschläge von den Anwohnerinnen und Anwohnern zu erhalten. Die Firma hat bereits im Voraus Ortsbegehungen gemacht und kritische Abflusswege in und um Eisenberg ausgemacht.

Weitere Problempunkte wurden am Abend von den Teilnehmenden präsentiert. Schnell wurde klar: Es gibt einiges zu tun. Denn viele von den 60 Teilnehmern hatten die letzten Jahre immer wieder massiv mit Wasserschäden zu kämpfen. Eingeschickte Bilder und Videos zeigen das Maß der Zerstörung:  Überflutete Straßen, Geschäfte, Wohnungen und Garagen. Im Februar gab es in Eisenberg aufgrund von tagelangem Regen einen Hangrutsch.

Bürger-Workshop Eisenberg (Foto: SWR)
Etwa 60 Menschen haben am ersten Bürger-Workshop zum Thema Hochwasserschutz mitgewirkt. Es wurde heiß diskutiert.

Bürger in Eisenberg sind verzweifelt

Erst im Juni stand Eisenberg zuletzt unter Wasser. "Unser Haus ist permanent nass, wir haben regelmäßig mit sturzflutartigen Wassermassen zu kämpfen", schimpft ein Eisenberger. Nicht der Einzige, der sich beim Bürger-Workshop verzweifelt zeigt. Die Eisenberger fürchten um ihr Hab und Gut. "Wir haben eine erhebliche Summe in unser Haus gesteckt, wenn das so weitergeht, ist unser Haus bald nichts mehr wert", schimpft ein anderer Mann. Kritisiert wurde außerdem, dass teilweise die Bürgersteige barrierefrei gebaut wurden.

Das habe zur Folge, dass der Gehweg sehr flach sei. Das Wasser verteile sich überall und werde nicht mehr von der Bordsteinkante geführt. Das sei ein häufig auftretendes Problem, merkt Ingenieur Cassel an. Bürgermeister Peter Funck (FWG) lenkt ein: "Ich gebe das an den Bauausschuss weiter, darum muss man sich kümmern".

Hochwasservorsorge in Eisenberg ist Gemeinschaftsaufgabe

Betroffene, Kommunen und der Staat müssen laut Martin Cassel beim Hochwasserschutz zusammenarbeiten. Nur so könne der Schaden vermindert werden. Anwohner können durch Schutzmaßnahmen an Häusern, zum Beispiel durch Rückstauklappen, das Risiko verringern, dass Wasser ins Gebäude eindringt.

Ein weiteres Problem: Es gibt immer weniger bepflanzte Flächen. Das Wasser könne von versiegelten Böden nicht aufgenommen werden. Bepflanzte Vorgärten könnten zumindest ein wenig Abhilfe schaffen. Eine Hochwasserversicherung sei essenziell. Doch die sind für Regionen, die oft mit Hochwasser und Starkregen zu kämpfen haben, sehr teuer. In Deutschland ist übrigens jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, verpflichtet, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Das schreibt das Wasserhaushaltsgesetz vor.  

Auch Kommune muss bei Hochwasservorsorge unterstützen

Martin Cassel nimmt auch die Kommunen in die Pflicht: Es müsse angepasst geplant, gebaut und saniert werden. Und das scheint in Eisenberg ein Problem zu sein. Die Mehrzahl der Teilnehmer ist sich einig: Die Kanalisierung in der Stadt sei nicht mehr zeitgemäß. Berechnungen belaufen sich auf Zeiten, in denen noch wesentlich weniger Gebäude in Eisenberg gebaut wurden. Auch dieser Problematik will die Stadt nachgehen.

Erste Ergebnisse in sechs Monaten

In einem halben Jahr findet der zweite Bürger-Workshop statt. Dann werden den Eisenbergern erste Pläne und Maßnahmen vorgestellt. Viele der Teilnehmenden haben Sorge, dass die Unwetterkatastrophen immer heftiger ausfallen. "Die verheerenden Ereignisse in der Eifel machen noch mehr Angst", erzählte ein Eisenberger.

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