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Zwei Bürgermeister, mindestens eine Gemeinsamkeit: In ihren Verbandsgemeinden leben Tausende US-Amerikaner mit ihren Familien. Welchen Einfluss hat die US-Wahl auf die Menschen vor Ort?

Ralf Hechler (CDU) ist Verbandsbürgermeister in Ramstein, Peter Degenhardt (CDU) in Landstuhl. Wir haben beiden dieselben Fragen zur anstehenden US-Wahl gestellt. Hier ihre Antworten:

Was bedeutet die US-Wahl für die Region?

"Wir haben viele Amerikaner hier", betont Ralf Hechler - etwa 7.000 lebten in der Verbandsgemeinde, davon 4.000 im Stadtgebiet von Ramstein-Miesenbach. Die Airbase gebe es seit Jahrzehnten, seitdem habe sie vielen Menschen Arbeit gebracht. "Heute arbeiten rund 2.650 Zivilbeschäftigte bei den US-Amerikanern", sagt Hechler. Sie seien ein wirtschaftlich wichtiger Faktor, auch weil sie in der Region einkaufen und wohnen.

picture allianceUwe Anspachdpa (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Ralf Hechlers (CDU) Verbandsgemeinde Ramstein ist Teil der "Military Community Kaiserslautern" - mit rund 50.000 US-Amerikanern und ihren Familien die größte außerhalb der USA. Picture Alliance

Peter Degenhardt (CDU) hat eine "vage Hoffnung", dass Trumps Entscheidung, Truppen aus Rheinland-Pfalz abzuziehen, nochmal überdacht wird, wenn sein demokratischer Herausforderer Joe Biden das Rennen macht. "Wir in Landstuhl und Ramstein sind ja nicht betroffen", betont Degenhardt. Trotzdem würde die Region mit einem möglichen US-Präsident Biden wieder "einen verlässlicheren Partner bekommen, mit dem wir auf bundespolitischer Ebene offener reden könnten."

Hat sich das Zusammenleben zwischen Deutschen und Amerikanern unter Trump verändert?

Das Verhältnis zu den US-Amerikanern, die außerhalb der Base wohnen, ist "grundsätzlich gut", findet Ramsteins Verbandsbürgermeister Ralf Hechler. "Es war früher aber noch besser." Es gebe viele gemeinsame Veranstaltungen von Amerikanern und Deutschen, außerdem seien viele Amerikaner in deutschen Sportvereinen aktiv.

Peter Degenhardt (Foto: Verbandsgemeinde Landstuhl)
Peter Degenhardt (CDU), Verbandsbürgermeister aus Landstuhl, hofft auf eine neue Offenheit zwischen Deutschland und den USA. Verbandsgemeinde Landstuhl

Amtskollege Peter Degenhardt aus Landstuhl findet: Das Verhältnis zu den stationierten Streitkräften in seiner Verbandsgemeinde hat sich unter Trump nicht verschlechtert, das laufe "zum Teil sogar freundschaftlich". Die Zusammenarbeit sei auch vertrauensvoll.

Würde sich unter Biden etwas ändern? Wenn ja, was?

Ralf Hechler ist sich sicher: "Der Tonfall wäre auf bundespolitischer Ebene ein anderer, ein moderaterer", würde Biden die anstehende US-Wahl gewinnen. Was sich inhaltlich ändern würde, könne er nicht sagen. Wichtig sei ihm: Der Ton auf der regionalen Ebene sei "eigentlich schon immer gut" gewesen, egal unter welchem Präsidenten.

Sollte Biden gewinnen, setzt Landstuhls Verbandsbürgermeister Peter Degenhardt darauf, dass Biden als neuer US-Präsident ein verlässlicher Partner wird. Einer, der sich an Fakten orientiere. Mit Trump sei es aktuell "wie in einer Stand-Up-Comedy" - dem Auftritt eines Komikers.

Tower auf der Air Base Ramstein (Foto: SWR)
Die Airbase Ramstein ist der größte ausländischer Stützpunkt der US-Air Force.

Trump oder Biden? Wer macht das Rennen?

"Es sieht im Moment danach aus, dass Biden gewinnt", sagt Ralf Hechler, schränkt aber gleichzeitig ein: Auch bei der letzten amerikanischen Präsidentschaftswahl hätten sich die Leute "kurz vor knapp gegen die Herausforderin Hillary Clinton und für Donald Trump entschieden."

Auch Peter Degenhardt erinnert sich: "Vor vier Jahren dachte ich, dass Clinton gewinnt." Wenn er dieses Mal Geld setzen müsste, dann auf den Demokraten Joe Biden. "Aber nur einen kleinen Betrag." Und selbst, wenn Trump wiedergewählt werde: "Die Welt wird sich weiter drehen."

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