STAND

Immer wieder Landwirte gehen auf die Straße, weil sie mit ihrer Situation unzufrieden sind. Eine Lösung könnte sein, dass sie ihre Produkte selbst an die Verbraucher verkaufen.

Familie Lauer hält auf ihrem Hof bei Großsteinhausen in der Südwestpfalz 75 Milchkühe. Das Futter für die Kühe baut die Familie selbst auf ihren Feldern an. Die Milch, die die Kühe geben, geht an eine Molkerei. Landwirt Berthold Lauer sagt nicht ohne Stolz, dass sich der Hof trotz aller Schwierigkeiten trägt. Es stehen aber weitreichende Veränderungen an.

Nachdem die Familie mehrere Jahrzehnte Milchkühe gehalten hat, werden diese den Hof jetzt nach und nach verlassen. Das Ende des Hofes bedeutet das aber noch lange nicht. Berthold Lauers Schwiegertochter Sylvia steht in den Startlöchern. Die zweifache Mutter hat Landwirtschaft studiert, arbeitet schon jetzt auf dem Hof mit.

Keine Milchkühe mehr

Da sie mittelfristig den Hof übernehmen wird, will sie ihn auch nach ihren Vorstellungen umgestalten – in enger Absprache mit ihren Schwiegereltern: "Wir wollen weiterhin Kühe halten, aber keine Milchkühe mehr, sondern Mutterkühe. Die müssen nicht gemolken werden und sollen weiterhin das Grünland pflegen."

Mehrere Kühe stehen im Stall und fressen Heu (Foto: SWR)
In Zukunft sollen nur noch Kühe gehalten werden, die nicht mehr gemolken werden müssen.

Außerdem soll das Fleisch der Nachkommen vermarktet werden. Sylvia Lauer will es dann auf dem Hof direkt an Kunden verkaufen. Nicht zuletzt, weil sie sich nicht von großen Lebensmittelkonzernen oder einem Viehhändler abhängig machen möchte. Ob sie dafür einen eigenen Hofladen aufbaut, weiß die 35-Jährige noch nicht, wohl aber, dass ihr Wunsch schon jetzt weitreichende Konsequenzen hat: "Das geht nicht von heute auf morgen. Das ist schon ein Prozess, es muss ja auch alles ineinandergreifen, man braucht Räume, man braucht Schlachter, man braucht auch Kunden."

Landwirtschaftskammer berät Bauern

In Firmen gibt es dafür verschiedene Abteilungen, auf Bauernhöfen nicht. Sylvia Lauer sagt, als Normalbürger könne man sich kaum vorstellen, was es nicht alles für hygienischen und rechtliche Vorschriften gibt. Deshalb lässt sich die Familie bei ihrem Weg in die Direktvermarktung beraten von der Landwirtschaftskammer, die dafür in Rheinland-Pfalz zuständig ist.

Bauernprotest Traktor-Demo in Kaiserslautern (Foto: SWR, (Archivbild))
Zurzeit demonstrieren die Bauern, wie hier im November in Kaiserslautern, immer wieder für bessere Bedingungen. (Archivbild)

Beratung richtet sich nach Bedürfnissen der Bauern

Eine Sprecherin der Kammer sagte dem SWR, man richte sich bei den Beratungen nach den Bedürfnissen der Bauern. Das fange mit einer schnellen und kostenlosen Beratung am Telefon an und gehe bis zu einem kostenpflichtigen Besuch auf dem Hof. Bei einem solchen Besuch schauten sich Mitarbeiter der Kammer dann die Situation vor Ort genau an, also zum Beispiel die Gebäude, in denen Waren verkauft werden sollen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Hygiene. Aber auch die Zufahrtswege werden geprüft, damit die Kunden den Hof gut erreichen können.

STAND
AUTOR/IN