Der Hauptangeklagte im Polizistenmord Prozess von Kusel,  Andreas S., mit Verteidigern (Foto: SWR)

Mithäftling belastet Hauptangeklagten

Polizistenmord-Prozess von Kusel: Urteil soll Ende November fallen

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Im Prozess um die mutmaßlichen Polizistenmorde von Kusel soll am 30. November das Urteil verkündet werden. Auf diesen vorläufigen Termin haben sich die Prozessbeteiligten am Landgericht Kaiserslautern geeinigt.

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Demnach sollen in den Wochen zuvor die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung der beiden Angeklagten, Andreas S. und Florian V., ihre Plädoyers halten. Voraussetzung für den Zeitplan ist, dass es keine weiteren Verzögerungen im Prozess gibt - etwa durch weitere Krankheitsfälle.

Details zu weiterer Patronenhülse

Am Verhandlungstag am Mittwoch bestätigten unterdessen ein Sachverständiger und zwei Polizeibeamte, dass eine weitere Patronenhülse am Tatort im Kreis Kusel gefunden wurde. Sie stamme nachweislich aus der Dienstwaffe des getöteten Polizisten und wurde Mitte August am Gedenkort vor einem aufgestellten Kreuz entdeckt. Unklar ist, wie sie dort hingekommen ist. Die Patronenhülse sei von der Familie der getöteten Polizistin gefunden und der Polizei übergeben worden. Vermutlich habe sie längere Zeit im Freien gelegen, da sie starke Verfärbungen aufweise.

Laut Mithäftling hat Andreas S. allein geschossen

Auch ein Mithäftling des Hauptangeklagten Andreas S. hat am Mittwoch ausgesagt. Der 35-Jährige war für einige Zeit auf dem gleichen Flur in der JVA Frankenthal untergebracht, auf dem sich auch die Zelle von Andreas S. befindet. Dort oder bei gemeinsamen Hofgängen hätten sich die beiden Insassen unterhalten. In mehreren Gesprächen habe Andreas S. betont, alleine geschossen zu haben. Der Mitangeklagte Florian V. sei "nur ein Bauernopfer". Andreas S. habe sich selbst als "Cop-Killer" bezeichnet, was er vor Gericht auch eingeräumt hat.

Mit Nachtsichtgerät in Richtung Mündungsfeuer geschossen

Andreas S. habe die Tat detailliert geschildert. So habe er zunächst unvermittelt auf die Polizistin geschossen und dann mit Hilfe eines Nachtsichtgeräts in Richtung des Mündungsfeuers der Dienstwaffe des zweiten Polizisten geschossen. Eine Kugel des Polizisten habe ihn dabei nur knapp am Kopf verfehlt, soll Andreas S. dem Mithäftling gesagt haben. Ursprünglich habe er vorgehabt, die Leichen zu verbrennen, um Spuren zu verwischen, doch er sei nicht an einen Benzinkanister im Kofferraum gekommen, weil die Kofferraumklappe geklemmt habe. Florian V., der sich die ganze Zeit über in Deckung begeben habe, sei dann vom Hauptangeklagten aufgefordert worden, Spuren zu beseitigen und die Waffen zu säubern. Auffallend sei gewesen, dass Andreas S. über die Tat und den von ihm selbst geschilderten Tatablauf immer im Konjunktiv gesprochen habe, so der Mithäftling.

Wollte Andreas S. Zeugen verprügeln lassen?

Außerdem soll Andreas S. über den Mithäftling, der Mitglied eines Motorrad-Clubs ist, auch die Einschüchterung von Zeugen in Auftrag gegeben haben. Demnach sollte der 35-jährige Rocker dafür sorgen, dass zwei Zeugen verprügelt werden, die im laufenden Verfahren gegen Andreas S. ausgesagt hatten. Der Mithäftling hatte sich deshalb an seinen Anwalt gewandt. Er hätte seine Aussage bereits Ende September machen sollen. Die weiteren Verhandlungstermine waren wegen verschiedener Krankheitsfälle aber immer wieder verschoben worden. Der Mithäftling sitzt drei Jahre wegen Betrugs im Gefängnis, Hafterleichterungen oder Vorteile habe er durch seine Aussage nicht erhalten.

Mitangeklagter sagt erstmals zur Tatnacht aus

Am Montag hatte sich der Mitangeklagte Florian V. vor Gericht erstmals zur Tatnacht geäußert. Er gab an, in seinem Leben noch nie mit einer scharfen Waffe geschossen zu haben. Auch zum Tathergang äußerte er sich: Es sei drei Mal geschossen worden. V. gab zu, den toten, am Boden liegenden Polizisten auf Anweisung von Andreas S. nach dessen Ausweispapieren durchsucht zu haben. Er habe in diesem Moment seinen Kopf ausgeschaltet und einfach nur Anweisungen befolgt. Bislang lagen von Florian V. nur dessen Aussagen bei Vernehmungen durch die Polizei vor.

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Angeklagte beschuldigen sich gegenseitig, Polizisten erschossen zu haben

Seit Beginn des Prozesses beschuldigen sich die beiden Angeklagten vor dem Landgericht Kaiserslautern gegenseitig, das Feuer auf die Polizisten eröffnet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass der Hauptangeklagte Andreas S. sowohl den 29-jährigen Polizeioberkommissar als auch dessen 24-jährige Kollegin erschossen hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft Andreas S. vor, die beiden Polizisten mit Gewehrschüssen in den Kopf ermordet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Dem Mitangeklagten Florian V. wird versuchte Strafvereitelung vorgeworfen. Die Tat Ende Januar hatte deutschlandweit für Entsetzen gesorgt.

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