Eine Drohenaufnahme von oben vom Neubaugebiet im Eschhebelloch in Trippstadt (Foto: SWR)

Kosten von bis zu 200.000 Euro pro Grundstück

Anwohner wehren sich gegen Erschließung von Neubaugebiet in Trippstadt

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Daniel Novickij
Daniel Novickij (Foto: SWR)

Ein Neubaugebiet in Trippstadt soll demnächst privat erschlossen werden. Die Kosten sollen auch die dort bereits lebenden Anwohner bezahlen. Das sorgt für Ärger.

Wenn irgendwo in Deutschland Straßen erneuert oder Häuser an einen Abwasserkanal angeschlossen werden müssen, dann wird es für Anwohner oft teuer. Sie müssen sich meist an den Kosten beteiligen. Das ist auch bei dem seit vier Jahrzehnten ausgewiesenen Neubaugebiet im Eschhebelloch in Trippstadt im Kreis Kaiserslautern so. Das Besondere ist aber, anders als der Name vermuten lässt, dass in diesem Neubaugebiet schon seit vielen Jahren Häuser stehen. Die Hausbesitzer werden nun zur Kasse gebeten.

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Die Anwohner haben nämlich vor einigen Wochen einen Infobrief der Firma artec, einem Bauunternehmen aus dem saarländischen Schiffweiler, erhalten. Darin wurden sie über mögliche Kosten informiert, die sie bezahlen müssten, wenn das Gebiet privat durch das Unternehmen erschlossen wird. Wie aus den Schreiben an die Anwohner hervorgeht, würden bis zu 200.000 Euro pro Grundstück für die Eigentümer fällig werden - und das, obwohl sie alle bereits Wasser und Strom haben.

Anwohner befürchten, Erschließungskosten nicht zahlen zu können

"Es war für mich ein Schock, als ich den Brief gelesen habe. Ich konnte zwei Tage nicht mehr schlafen", erzählt Stefan Flohr-Gries, der mit seiner Ehefrau seit den 1980er Jahren im Eschhebelloch lebt. Er müsse, sollte es zur privaten Erschließung im Eschhebelloch kommen, rund 110.000 Euro bezahlen. Das könne sich das Ehepaar nicht leisten. "Wir werden wohl einen Kredit aufnehmen müssen und ihn die nächsten 35 Jahre abbezahlen. Das werden wir in unserem Leben nie mehr bezahlen können", betont Flohr-Gries. Er habe Zweifel, ob eine Bank ihm solch eine Geldsumme direkt zur Verfügung stellen würde.

"Nach unseren Finanzen fragt kein Mensch", sagt Friedrich Zinßmeister, der als Anwohner im Eschhebelloch mit seiner Ehefrau ebenfalls von der Situation betroffen ist. "Wir sind Rentner, wir können solche Summen nicht einfach zahlen. Das geht nicht", so Zinßmeister. Er finde, dass die möglichen Erschließungskosten durch die Firma artec deutlich zu hoch seien.

Christiane und Friedrich Zinßmeister fürchten wegen geplanter Erschließung im Eschhebelloch im Kreis Kaiserslautern um ihre Existenz. (Foto: SWR)
Christiane und Friedrich Zinßmeister fürchten wegen geplanter Erschließung im Eschhebelloch im Kreis Kaiserslautern um ihre Existenz.

Neubaugebiet muss laut Ortsgemeinde erschlossen werden

Das Neubaugebiet im Eschhebelloch muss erschlossen werden, da sind sich die Verantwortlichen der Ortsgemeinde einig. Eigentlich dürfte dort niemand dauerhaft wohnen, so der Trippstädter Ortsbürgermeister Jens Specht (Freie Wähler). Beim Neubaugebiet Eschhebelloch handelt es sich um ein ehemaliges Wochenendgebiet. Das heißt, hier durfte man nur für kurze Zeit leben, am Wochenende oder seinen Urlaub verbringen, und eben nicht dauerhaft einziehen. Aber genau das hätten einige Anwohner getan. Die Ortsgemeinde habe das zwar geduldet, aber nur unter der Bedingung, dass ein Bebauungsplan erstellt und das Baugebiet irgendwann erschlossen werde. Das haben auch mehrere Gerichtsurteile so bestätigt.

Foto von Ortsbürgermeister von Trippstadt, Jens Specht (Foto: SWR)
Jens Specht (Freie Wähler) ist bereits der dritte Trippstädter Ortsbürgermeister, der sich mit dem Neubaugebiet im Eschhebelloch im Ortsteil Neuhof beschäftigen muss.

Ortsgemeinde: Sicherheit der Bewohner derzeit nicht gewährleistet

"Die Leute, die da wohnen, haben keine richtige Straße. Sie benutzen einen Forstweg", so Specht. Die Rettungskräfte hätten aber Schwierigkeiten, über diese Wege an die Häuser zu gelangen. "Wenn da ein medizinischer Notfall ist, dann hat die Gemeinde ein riesiges Problem", sagt Specht. Sie würde dafür haften, weil eben die Erschließung bis dato noch nicht erfolgt ist. Diese sei durch Klagen der Anwohner vor Gericht, immer wieder aufs Neue verzögert worden.

Erschließungskosten laut Baufirma gerechtfertigt

"Die Erschließungskosten werden auf der Grundlage des Baugesetzbuchs berechnet", sagt Rainer Martin, Geschäftsführer der Firma artec, die das Gebiet im Ortsteil Neuhof erschließen soll. Das sei mitten im Wald. Das heißt, hier müsse erst viel gemacht werden, bevor hier irgendwann etwa 30 Häuser stehen werden. Unter anderem müsste ein Teil des Waldes gerodet oder es müssten auch neue Straßen gebaut werden. Die Häuser sollen auch Abwasserkanäle bekommen.

Foto von Rainer Martin, Geschäftsführer der Firma artec (Foto: SWR)
Rainer Martin ist Chef der Baufirma artec aus dem saarländischen Schiffweiler und soll das Neubaugebiet im Eschhebelloch in Trippstadt erschließen. Er findet die Kosten für die Anwohner gerechtfertigt.

"Die Gesamtkosten der Erschließung werden auf die einzelnen Flächen umgelegt", erklärt Martin. Daraus ergebe sich der Betrag für die Anwohner. Die Grundstücke im Eschhebelloch seien im Durchschnitt größer als in anderen Neubaugebieten. Eine Rechnung: Wie aus dem Schreiben der Firma artec an die Anwohner hervorgeht, kostet die Erschließung, soweit alle Bauarbeiten an einem Haus erforderlich sind, rund 70 Euro pro Quadratmeter. Das Ehepaar Flohr-Gries habe zum Beispiel ein Grundstück von etwa 1.100 Quadratmetern. Aufgrund der Größe des Grundstück würden Kosten von mehr als 100.000 Euro zustandekommen, so Martin.

"Ich habe mal ein Neubaugebiet in Frankfurt erschlossen, da waren die Gegebenheiten anders. Da mussten die Anwohner mehr als 100 Euro pro Quadratmeter für die Erschließung bezahlen", sagt Martin.

Anwohner wollen auch Natur im Eschhebelloch im Kreis Kaiserslautern schützen

Es ist aber nicht nur die Angst vor einem finanziellen Ruin, der die Anwohner im Eschhebelloch beschäftigt. Anwohnerin Christiane Zinßmeister befürchtet auch, dass die idyllische Waldlandschaft im Eschhebelloch, ihr Zuhause, durch die Bauarbeiten zerstört wird. "Wenn wir aus dem Fenster schauen, dann sehen wir Rehe, Wildschweine und Eichhörnchen umherlaufen. Und das soll nun alles fort, das macht mich traurig", so Zinßmeister.

Anwohnerversammlung ist geplant

Demnächst soll es eine Anwohnerversammlung geben. Ein Termin steht noch nicht fest. Dort sollen Fragen der Anwohner zur Erschließung im Eschhebelloch beantwortet werden.

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